Ein Jahr vor dem Großbrand, der „Schmelzers Hotel“ 1991 das endgültige Ende bereitete.
Schmelzers Hotel
An der Herzog-Julius-Straße stand einst ein Hotelgebäude, dessen Zeit mittlerweile schon einige Jahre abgelaufen war. Gemeint ist Schmelzers Hotel, benannt nach dem Kohlenhändler Alexander Schmelzer, der das Haus 1884 erbaut hat.
In dieser Zeit war der Hotelkomplex noch nicht so groß, wie er sich in späteren Jahren darstellte. Ältere Ansichten zeigen vor 1900 ein einzelnes Gebäude, umgeben von einer kleinen, parkähnlichen Anlage.
Erst nach der Übernahme des Hotels am 11. Oktober 1895 durch Heinrich Wartjenstedt aus Westerlinde wurde das Hotel stetig vergrößert. Das Hotelgelände bot ausreichend Platz, erstreckte sich von der Herzog-Julius-Straße, einstmals auch Alte Chaussee genannt, bis an das 1898 erbaute Badehaus.
Prachtvoll: Schmelers Hotel im Jahr 1915.
Viele Jahre gab es auch eine Dependance in unmittelbarer Nähe, genannt Villa Medici. Hier lebte und arbeitete der Herzögliche Amtsphysikus und spätere Sanitätsrat Dr.med. Dankworth von 1861 bis 1901. Er wohnte in dem Gebäude und unterhielt dort auch seine Arztpraxis.
Auch bei Dr. Dankworth konnte man schon Zimmer mieten. Im Jahr 1876 wurden in dem Haus an der Herzog-Julius-Straße mit der Ass Nr. 65 fünf Zimmer mit zehn Betten angeboten.
Der Name Wartjenstedt bleibt dann viele Jahre mit Schmelzers Hotel verbunden, so steht Anfang der dreißiger Jahre immer noch Heinrich Wartjenstedt in einem Unterkunftsverzeichnis. Das Hotel hatte jetzt eine stattliche Größe erreicht und angeboten wurden 60 Zimmer mit 100 Betten.
In einem Einwohnerverzeichnis von 1936 werden dann Wartjenstedts Erben, dies waren die Witwe Sophie Wartjenstedt und der Hotelier Heinz Wartjenstedt,, als Eigentümer genannt. Nach dem Krieg standen in den fünfziger Jahren die Geschwister Heinz und Else Wartjenstedt in den Verzeichnissen.
Schmelzers Hotel Ende des 19. Jahrhunderts.
Auch die Villa Medici, die nach dem Tod von Dr. Dankworth im Jahr 1901 zum Hotelkomplex dazu kam, gab es noch. Sie diente in diesen Jahren als Wohnhaus für Teile der Fam. Wartjenstedt, es gab auch wieder eine Arztpraxis in dem Gebäude, der Arzt hieß Dr. med. Erich Bertram.
In den 1950er Jahren gehörte auch das Gebäude an der Herzog-Julius-Straße mit der alten Hausnummer 33 zum Hotel und diente ebenfalls als Wohnung für Angehörige der Fam. Wartjenstedt. Die Etage der Wartjenstedts in dem Haus, war mit einem überdachten Übergang direkt mit dem Hotel verbunden.
In den Jahren 1965 bis 1975 gibt es mit Carl Hans Gundlach den nächsten Hotelbesitzer, in dieser Zeit wird auch eine moderne Kegelbahn eingebaut. Gebaut wurde allerdings auch an einer vierspurigen Durchgangsstraße, die im Dezember 1971 für den Verkehr freigegeben wurde und unmittelbar vor dem Hotel verlief.
Inzwischen hatte das Hotel einen anderen Namen und heißt Schmelzers Parkhotel, in dieser Zeit wird der Versuch gemacht, zusätzlich zum Hotelbetrieb ein Kur-, Wohn- und Pflegeheim zu etablieren. Pächter war O. Schulz.
Die Eingangstür zum „Schmelzers“ wurde von Dirk Junicke gerettet, sie ziert heute das Plumbohms.
1975 ging der Hotelkomplex an Abraham Herzlinger, 1977 an Carmen Brandt. In diesen Jahren wird auch versucht, einen Spielsalon mit Geldspielgeräten zu integrieren. Am Anfang der achtziger Jahre wurde der Betrieb der Kegelbahn eingestellt, aber 1982 schon wieder aufgenommen. 1985 erscheint in einem Branchenbuch ein neuer Name des Hauses, es heißt jetzt Schmelzers Parkhotel, in den offiziellen Unterkunftsverzeichnissen findet man das Hotel jedoch nicht mehr.
Im Februar 1991 gab es ein Großfeuer im Hotel und richtete beträchtlichen Schaden an, danach wurde als letzter Besitzer Günter Gartz genannt. Wahrscheinlich wegen des Brandschadens wurden alle Aktivitäten eingestellt und die Gebäude verfallen langsam zu Bauruinen.
Danach erwarb die Michels-Gruppe, die schon die Herzog-Julius-Klinik in Bad Harzburg betreibt, von der Stadt das alte Badehaus und das Areal des ehemaligen Schmelzers Hotel. Der Baubeginn der neuen Spielbank und eines Kurhotels im Badepark verzögern sich einige Zeit, doch am Ende der neunziger Jahre wurde mit dem Bau beider Objekte begonnen.
Im April 2000 wird zuerst die Spielbank und im Sommer das Kurhotel Vier-Jahreszeiten eröffnet. Wobei bis Jahresende 2001 das Hotel auf 110 Zimmer erweitert werden sollte, in dem Teile des alten Hauses, speziell die Fassade an der Herzog-Julius-Straße, erhalten werden.
Weichen muss jedoch der besseren Hotelzufahrt wegen die ehemalige Villa Medici, ein Areal das schon 1759 als Haus und Hof von Christian Ebeling erwähnt wurde.
Leider wurden bis dato die weitergehenden Baupläne noch nicht verwirklicht, es gibt immer noch Differenzen unter anderem um eine bessere Anbindung des Hotels an die vorbeiführende Umgehungsstraße. Der ganze Bereich um das ehemalige Schmelzers Hotel bietet im Jahr 2004 einen unschönen Anblick. Unter anderem gehört auch noch das ehemalige Wohnhaus mit der alten Hausnummer 33 dazu.
Der Beitrag entstand im Jahr 2004
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Direkt neben der am ersten Advent 1903 eingeweihten Lutherkirche steht ein Gebäude, das einmal den Gasthof und das spätere Hotel Burgkeller beherbergte. Burgkeller sicher deshalb, weil sich dieser in Burgbergnähe befand, wo einstmals die Harzburg von 1068 bis um 1650 über den Dächern der Stadt thronte.
Erbaut wurde das Gasthaus 1876 von Heinrich Gaus. Danach gibt es mit Hermann Bockmann 1885 den nächsten Besitzer. Das Hotel hieß dann „Bockmanns Hotel zum Burgkeller am Marktplatz“.
Stammtisch im Burgkeller um 1900
Standorte für Marktplätze, gab es in früheren Zeiten einige. Einer diese Plätze war sicherlich damals an der alten Dorfkirche, bis dann die Lutherkirche ein größeres Areal beanspruchte. Andere Standorte gab es unter anderem an der Herzog-Wilhelm-Straße/Ecke Holzhof und an der alten Berufsschule in der Herzog-Julius-Straße.
Im Jahr 1889 hieß der Nachfolger Wilhelm Ehlers, 1893 stand die Witwe Ehlers in den Verzeichnissen. Ältere Ansichten aus dieser Zeit zeigten neben dem Burgkeller eine Werbesäule, genannt Litfaß-Säule. Benannt nach seinem Erfinder, dem Berliner Verleger Ernst Litfaß. Dieses Bauwerk steht auch heute noch und ist somit älter als die Lutherkirche.
Von 1901 bis 1904 übernimmt Andreas Dalhelm den Betrieb. 1905 gibt es einen kurzzeitigen Wechsel, in den Chroniken erschien wieder der Name Ehlers. Danach gibt es mit Wilhelm Puhlmann 1906 den Nachfolger im Burgkeller. Zu dieser Zeit wurden 15 Zimmer mit 25 Betten angeboten.
Kneipen-Flair mit Musicbox in den 1950er Jahren
Einige dieser letztgenannten Namen gibt es auch in Verbindung mit anderen Lokalen und Hotels. Der Name Gaus beispielsweise wird 1890 in Zusammenhang mit dem Deutschen Haus in Bündheim genannt. In Eggelings Hotel und auch in Bockmanns Hotel findet man den Namen Bockmann gleich mehrmals. Als Besitzer der Waldhöhe wird um 1910 der Name Puhlmann erwähnt. Die Annahme besteht, dass auch in früheren Zeiten häufige Besitzer- und Pächterwechsel im Gastronomiegewerbe üblich waren.
Im Jahr 1908 kommt der Burgkeller in den Besitz von Frau Wilhelmine Meyer. Dieser Name bleibt dann in verschiedenen Generationen mit dem Burgkeller viele Jahre verbunden. Die Zeit von Wilhelmine Meyer ging bis in die 1920 Jahre. Danach stand ein oder eine H. Meyer in den Verzeichnissen.
Diese Nachfolge traten in den 1930er Jahren die Geschwister Meyer an. Nach dem Krieg wurde der Hotelbetrieb eingestellt, weil jetzt auch viele Vertriebene in dem Gebäude wohnten. 1949 gab es dort zeitweilig eine neue Heimat für mehr als zehn Familien.
Der Burgkeller wurde danach nur noch als Restaurant geführt, das Lokal war jetzt verpachtet. Einer der ersten Pächter hieß um 1950 W. Müller. Spezialität war damals frischer Fisch aus Bremerhaven und Cuxhaven. In dieser Zeit gab es in dem Gebäude u. a. auch den kleinen Elektroladen der Fa. Bense und eine Nähmaschinen-Reparatur einer anderen Firma, deren Name nicht überliefert ist.
Von 1954 bis 1959 leitet den Burgkeller Fam. Behne. Eigentümer des Hauses waren immer noch die Geschwister Meyer. Nach 1959 wechselt Fam. Behne zum Burgberg und übernahm das gleichnamige Hotel bis 1971. Abgerissen wurde das Burgberghotel dann im Jahr 1973
Der Burgkeller im Jahr 1897, sechs Jahre vor Einweihung der Lutherkirche geleich nebenan.
Um 1960 wurde Robert Wagner für einige Jahre Eigentümer des Burgkeller-Gebäudes. Der Pächter des Lokals hieß Bernhard Brewka. Dessen Nachfolger war Ende der sechziger Jahre Bruno Baumhäckel im Burgkeller.
Danach gab es noch einige Wechsel in dem Lokal, auch die Namen änderten sich. So wurde aus dem Burgkeller der Jugendtreff Amadeus, danach hieß es einige Zeit Simpl, bevor wieder der Name Amadeus erschien. Inzwischen gibt es dieses Lokal im ehemaligen Burgkeller nicht mehr. Das Amadeus hat jetzt seinen Sitz schon mehrere Jahre einige Häuser weiter an derselben Straße.
Der Beitrag entstand in den 1990er Jahren
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Direkt am Eingang des Casinoparks von der Herzog-Wilhelm-Straße kommend befand sich Hotel Rebstock bzw. Hotel zum Rebstock. Der ältere Name des Hauses war um 1900 aber Niemeyers Hotel. Benannt nach seinem Besitzer August Niemeyer.
Erwähnt wird das Grundstück schon um 1835 und dabei als Castiessches Anwesen bezeichnet. Auch dieses Areal wird in späteren Jahren von Konsul Meier erworben, im Ganzen waren es ungefähr 3,5 Morgen Gemeindeland, die er in dieser Gegend in Bad Harzburg besaß. Konsul Meier fand auch Erwähnung in dem Buch von Friedrich Ehrhardt mit dem Titel: Namen aus der Harzburger Geschichte.
Das Hotel Rebstock in den 1930er Jahren.
Im Jahr 1899 kauft der Weinhändler August Niemeyer aus Schlewecke das Grundstück aus dem Nachlass von Konsul Meier. Er erbaut daraufhin Niemeyers Hotel, die Eröffnung war am 1. Juli 1900.
Zuvor musste ein kleineres Gebäude abgerissen werden, das an gleicher Stelle stand. Nach dem Abbau dieses Hauses wird es etwas später in der Herzog-Julius-Straße wieder aufgebaut und steht dort heute noch. August Niemeyer war von Beruf Küfer und kam von dieser Tätigkeit zum Weinhandel und zum Hotelfach.
Das Gebäude am Casinopark, das einst das Hotel Rebstock beherbergte, im Jahr 2000.
Die Zeit von August Niemeyer ging bis 1933, danach übernahm seine Ehefrau Gertrud, aus Berlin stammend, den Besitz. Hotel- und Restaurationspächter der Rebstockklause im Kellergeschoss des Gebäudes wird für viele Jahre Erich Straube.
Im Krieg diente Hotel Rebstock wie fast alle Bad Harzburger Hotels als Lazarett, nach dem Krieg wird der Hotelbetrieb schrittweise verkleinert. Die Hotelzimmer werden in Wohnungen umgewandelt, aus einstmals 24 Zimmern mit 36 Betten, bleiben z. B. im Jahr 1958 noch 12 Betten für Hotelgäste übrig.
Um 1960 steht Hotel Rebstock zum letzten Mal in einem Unterkunftsverzeichnis, die Leitung des Hauses hat inzwischen Frau M. Heisig, die Tochter von Gertrud und August Niemeyer.
Die Restaurationsbetriebe leitet G. Zisowsky und nennen sich jetzt Rebstock-Betriebe. Dies sind die Rebstock-Klause und ein Tanzlokal mit Namen „Party-Club“ bzw. „Hexen ein mal eins“.
Am 17. September 1989 kommt das Ende des Hotels Rebstock und der dazugehörigen Lokale. Danach befinden sich in dem Gebäude Wohnungen, mehrere Büros und Geschäfte, die Besitzer sind heute Nachkommen von Frau Heisig.
Der Beitrag stammt aus den 2000er Jahren
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Das Rex-Filmtheater im ehemaligen Hotel Fürstenhof an der Herzog-Julius-Straße in den frühen 1970er Jahren, nachdem der Mord an Besitzerin Dora Bräutigam Schlagzeilen gemacht hatte.
Das Hotel Fürstenhof
Ein größeres Hotel an der alten Chaussee, der heutigen Herzog-Julius-Straße, war der Fürstenhof. So der letzte Name des Hauses.
Erbaut 1876 von dem Restaurateur Gustav Maas aus Heudeper unter dem Namen Englischer Hof. Vermietet wurden damals 14 Zimmer mit 30 Betten. Auch eine Kegelbahn war schon erwähnt. Nächster Gastwirt und Hotelier wurde 1881 Carl Niehus und 1888 dessen Schweizer Landsmann Johann Huber. Dieser war vorher auf der Waldgaststätte Sennhütte ansässig.
Der Englische Hof an der Alten Chaussee (Herzog-Julius-Straße) um 1880.
1889 nannte man den Gastwirt Adolf Schrader als nächsten Besitzer. Einige Zeit hieß das Haus deshalb auch Schraders Hotel und Gasthof. In diesen Jahren fanden die ersten Harzburger Pferderennen hinter dem Hotel statt.
Veranstaltet auf der sogenannten Großen Wiese zwischen Herzog-Julius-Straße, Ilsenburger Straße und der Kirchstraße von 1880 bis 1908. Danach wurden bis in die heutige Zeit die Pferderennen in Bündheim Am weißen Stein ausgetragen. Später war auf dem ehemaligen Rennbahngelände unter anderem ein Sportplatz beheimatet.
August Buhs hieß 1899 der nächste Besitzer des Hauses. Der Name des Hotels war wieder Englischer Hof. Alte Fotos zeigen, dass auch schon Theateraufführungen stattfanden. Im Jahr 1901 erwarb Gustav Böhmer das Hotel und nennt es in späteren Jahren dann Fürstenhof, in dieser Zeit wurde das Haus vergrößert, sowie der vorhandene Theatersaal erweitert.
Um 1898 firmierte das Haus unter „Schrader’s Hotel“ und wies bereits einen Theatersaal auf.
Angeboten werden jetzt 56 Zimmer mit ca. 90 Betten, der Hotel- und Theaterkomplex bestand aus zwei Gebäudeteilen. Davon ein Teil direkt an der Herzog-Julius-Straße und das größere Gebäude etwas erhöht dahinter liegend. Der Name Böhmer blieb bis in die zwanziger Jahre mit dem Hotel verbunden.
Nächster Besitzer war 1920 O. Richter danach um 1925 Otto Buge. 1932 standen Kurt und Wilhelm Wilke in den Verzeichnissen, 1936 übernimmt August Gierschewski das Hotel, danach W. Haberland. Prominentester Gast in dieser Zeit war der frühere Reichskanzler Adolf Hitler mit Gefolge.
Im Krieg ruhte auch hier der Hotelbetrieb, danach war das Haus zum Teil mit Heimatvertriebenen belegt. Letzter Hotelbesitzer bzw. Pächter ist 1949 Ferdinand Schwandt. Danach gab es nur noch Kino- und Theaterbetrieb im Fürstenhof.
Der Name des Lichtspieltheaters war Schauburg und es war neben den Kammerlichtspielen in der Radauburg und der Filmbühne im Juliushall das dritte Bad Harzburger Kino. Kinobetreiber war Carl W. Bonse, dieser stammte aus Braunschweig und besaß dort schon ein Lichtspielhaus, welches jedoch in den Kriegsjahren ausgebombt wurde.
Kinowerbung für die Schauburg im Jahr 1953
Besitzer des Gesamtkomplexes Fürstenhof wurde um 1950 der Landwirt Botho v. Gamb Massauen. Ab 1956 dann eine Hotel Fürstenhof GmbH. Das Kino betrieb inzwischen die Fa. Dammeyer aus Bad Harzburg, diese besaß auch die erwähnten Kammerlichtspiele und die Filmbühne, die späteren Kur-Lichtspiele. Neben dem Kino war auch noch die Fürstenhofbar in den Räumlichkeiten untergebracht.
Hinter dem Gebäudekomplex vom Fürstenhof, wurde inzwischen auch wieder Sport geboten. Hier hatte der Fußballverein des BSV Harzburg seine Heimstatt. Dies galt bis zum Bau der neuen Durchgangsstraße in den sechziger Jahren. Danach ging der Sportbetrieb noch an der Waldhöhe weiter.
Der Abriss des „Fürstenhof“ im Jahr 1978.
Ende der fünfziger Jahre übernahm der Kaufmann Rudi Bräutigam als Pächter die Schauburg. Einige Zeit später erwarb er das ganze Anwesen an der Herzog-Julius-Straße. Überbleibsel des Fürstenhofes war ein Wohngebäude mit dem Fürstenhofkeller, besser bekannt als „Lilliputbar“, die in der Nachkriegs- und Besatzungszeit ihre besten Jahre hatte.
Pächter waren u. a. Mitte der fünfziger Jahre Kurt Camp und vom 1. November 1958 bis zum Ende im März 1962 Käte Ptach/Pfad. In der Zeit von Rudi Bräutigam wurde das Kino und Theatersaal von Grund auf modernisiert und umgebaut und hieß nun Rex-Filmtheater. Auch Theateraufführungen fanden noch statt, bekannt war in dieser Zeit der sogenannte Künstlertreff. Hier saßen nach der Vorstellung Schauspieler und Theaterbesucher zusammen und diskutierten über das Stück und manches andere mehr.
Nach dem Tod von Rudi Bräutigam übernahm dessen Ehefrau Dora Mitte der sechziger Jahre das Anwesen und das Kino. Im Jahr 1972 kam diese dann bei einem heimtückischen Brand- und Mordanschlag ums Leben. Die Gebäude werden danach vollends abgerissen und die lange Zeit vom Fürstenhof, Theater und Kino war vorüber. Einige Zeit blieb das Areal unbebaut, bis 1979 mit dem Bau der Wohnanlage Fürstenhof begonnen wurde und diese 1980 bezugsfertig ist. Auch die kleine Zufahrtsstraße bekam den Namen Fürstenhof Weg als Erinnerung an längst vergangene Zeiten.
An die Stelle des einstigen Hotels und Kinos rückte die Wohnanlage am Fürstenhofweg (1999).
Das Hotel „Wiener Hof“ an der Bummelallee im Jahr 1970.
Das Hotel Wiener Hof
Zwischen der Herzog-Wilhelm-Straße und verbunden mit einer Einfahrt zur Herzog-Julius-Straße gab es seit 1929das Hotel Wiener Hof. In früheren Zeiten nannte man die Herzog-Julius-Straße Alte Chaussee und die Herzog-Wilhelm-Straße wurde Neue Chaussee genannt.
Frühere Chronisten beschrieben das Grundstück mit der Ass-Nr. 63 im Besitz eines Zacharias Dammeyer. Etwa südlich der Saline Juliushall und dem ehemaligen Salzwerk liegend. Wahrscheinlich war auf dem Grundstück in Nähe der Saline und dem alten Salzwerk früher der sogenannte Salzkrug untergebracht
Bevor der Name Wiener Hof an dieser Stelle erschien, war dort Willes Kaiserrestaurant und Logierhaus untergebracht. Angegliedert waren auch die damals bekannten Rheingauer Weinstuben. Erwähnt wurden diese schon in einer Anzeige von 1885. Das ungefähre Baujahr der älteren Gebäude wurde mit 1871 angegeben.
Ansichtskarte von „Wille’s Logirhaus u. KaiserRestraurant.“, der Vorläufer des Hotels „Wiener Hof“ um 1900
Eigentümer der Restaurationen war lange Zeit Albert Wille sen. Der Familie Wille gehörte das ganze Grundstück zwischen dem ehemaligen Rheinischen Hof/Haus Vordereck und dem heutigen Berliner Platz. Erworben wurde es von der damaligen Harzburger Aktiengesellschaft, zu der neben dem Harzburger Hof und Kurhaus auch der naheliegende Konzertplatz „Unter den Eichen“ gehörte.
Das 1885 erbaute neue Wohnhaus von Familie Wille wurde Villa Flora genannt. Das markante an dem Gebäude, das es heute noch gibt, ist die Figur, die sich an der Südseite des Hauses befindet. Die Figur stellt die altitalienische Göttin der blühenden Vegetation dar. Hier von einem Künstler als junge Frau mit Blumenschale geschaffen.
Neben dem Restaurations- und Beherbergungsbetrieb unterhielt Albert Wille noch ein privates Fuhr- und Droschkengeschäft. Angeboten wurden fahrplanmäßige Fahrten in den Harz und zum Brocken. Platz für Pferde und Kutschen gab es auf dem großen Grundstück genug. Heute befindet sich dort das Cafe Sax, wo einstmals die Unterkünfte für Pferde waren.
Zusätzlich besaß Familie Wille noch ein Grundstück an der Schützenstraße, in dem ebenfalls Platz für Pferde und Droschken war. Außerdem gab es ein Haus und Grundstück der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Zimmermann an der Herzog-Julius-Straße, in die A. Wille sen. eingeheiratet hatte.
Im Kaiserrestaurant und Logierhaus mit einem Angebot von 16 Zimmern und 22 Betten, waren noch einige kleinere Läden untergebracht. Auch in der Villa Flora gab es elf Zimmer mit 19 Betten für Harztouristen. Einer der Läden war das Fotoatelier von Albert Wille. Die Fotografie war das dritte Standbein von Albert Wille.
Das Hotel Wiener Hof in den 1930er Jahren.
Eine Rarität zur damaligen Zeit war 1896 ein fahrbares Fotoatelier auf dem Brocken, installiert auf einem Pferdewagen. Diese Zeit dauerte jedoch nur von Mai bis Oktober des erwähnten Jahres. Durch Querelen um den Standort des fahrbaren Ateliers und aufgrund zu geringen Gewinnes wurde das Unternehmen bald wieder eingestellt.
In einem Sommerwohnungsverzeichnis von 1904 führte immer noch Albert Wille sen. das Kaiserrestaurant und Hotel. In der Villa Flora indes stand schon Albert Wille jun. (geb. 1875) in den Verzeichnissen.
In diesen Jahren wurde das Kaiserrestaurant zwischenzeitlich auch verpachtet. So gab es 1905 einen Wirt namens Richard Weber. 1907 wieder A. Wille sen. und ab 1910 hieß der Wirt und Hotelier Fritz Köhler. Der Name des Hotels war jetzt nur noch Kaiserrestaurant, ebenso gab es auch Willes Fotoatelier nicht mehr. Das Fotoatelier leiteten inzwischen die Herren Köhler und Saemann. 1920 taucht der nächste Name im Kaiserrestaurant auf, der Pächter hieß A. Possow.
Das Hotel „wiener Hof“ Anfang der 1970er Jahre vor dem Bau der Bummelallee.
Danach übernahm der Wiener Benedikt Radek mit seiner Ehefrau Auguste das Geschäft. Im Jahr 1927 wurde das Gebäude um eine Etage erhöht und ab 1929 hieß es Wiener Hof. Das Fotoatelier hatte die Firma H. Fischer übernommen. Aus den ehemaligen Stallungen zwischen der Villa Flora und dem jetzigen Wiener Hof waren in den dreißiger Jahren längst Autogaragen geworden.
Auch eine kleine Tankstelle gab es nun und es wurden hauptsächlich Kraftfahrzeuge der Marken Borgward, Goliath und Tempo von der Firma Eugen Dienstbach betreut. Die Geschäfte in der Villa Flora, wozu das kleinere Gebäude immer noch gehörte, führte Emmi Wille, die Witwe von Albert Wille jun., der 1931 verstorben war.
1936 erwarb der Geschäftsmann Willi Bormann aus Westerode das Hotel. Familie Bormann besaß dort u. a. ein Milchgeschäft am Hohen Weg. Das Fotoatelier leitete noch einige Zeit die Fa. Carl Hartmann. Für Erholungssuchende standen inzwischen 26 Zimmer zur Verfügung. Die Kriegsjahre unterbrachen auch hier den Alltagsbetrieb.
Danach wurde der Wiener Hof von den englischen Besatzern als Leave-Center für Unteroffiziere und Mannschaften genutzt. 1952 stand der Wiener Hof wieder in den Unterkunftsverzeichnissen. Die Leitung des Hauses hatte immer noch Willi Bormann.
In der Villa Flora wurden von Emmi Wille noch Zimmer vermietet. Dies galt bis Ende der 1950er Jahre. Danach stand ein weiterer A. Wille mit Wohnsitz in New York als Hauseigentümer in den Einwohnermeldebüchern. Die Geschäfte der Pension führte inzwischen Frau E. Lehrmann. Aus der Tempo- und Goliath-Werkstatt war eine Fiat-Vertretung der Fa. Dienstbach geworden.
Am Wiener Hof war in jener Zeit das Kastanienbad untergebracht, die Leitung hatte Frau Elly Fritzke. Mit dem Extrakt von Rosskastanien wurden vielfach Venenleiden, Gewebeerkrankunken und auch Rheuma- und Gelenkerkrankungen behandelt. Anfang der sechziger Jahre wurden diese alten Gebäudeteile, in denen auch Fa. Moesgard ein Einzelhandelsgeschäft hatte, abgerissen.
Café Tolle (später Café Sax) am Hotel Wiener Hof um 1985
Im Jahr 1963 kam am Wiener Hof zusätzlich zum Altbau ein neuer Hoteltrakt dazu. Das Dachgeschoss beherbergte bis 1979 ein Terrassencafé und im Erdgeschoss gab es bis 1980 weiterhin den Lebensmittelhändler Moesgard, bekannt als der „Dänische Koopmann“.
Bei den Bauarbeiten Anfang der 1960er Jahre wurde ein Brunnen freigelegt, der in früheren Jahren das Wasser für die Pferde Ponys und Esel lieferte. Diesen Brunnen gibt es noch heute.
Im alten und neuen Hoteltrakt konnten jetzt ca. 45 Betten in 36 Zimmern vermietet werden. 1981 übernahm Peter Bormann als Nachfolger seines Vaters Willi das Hotel. Danach befand sich in dem Gesamtkomplex noch das Hotel mit Restaurant und Café. Das Bistro Cinema sowie ein Damen-Modegeschäft.
Im Jahr 2008 erwarb der Bad Harzburger Geschäftsmann Dirk Junicke den ganzen Komplex, um das Gesundheits- und Wellness-Hotel Plumbohms zu errichten. Aus dem Grund wurde im Mai 2009 das alte Gebäude komplett abgerissen und der jüngere Hoteltrakt aus den sechziger Jahren wurde zeitgleich von Grund auf saniert.
Aus der Villa Flora wurde inzwischen ein Privathaus. Zimmer wurden dort noch bis zum Jahr 2000 von Frau Lehrmann vermietet. Auch den ehemaligen Pferdestall zwischen beiden Häusern gibt es noch. Nach der Fiat-Vertretung gab es dort bis 1983 eine LADA-Agentur der Fa. Seifert. Danach war dort Tolles-Café und bis in die heutige Zeit befindet sich das Café Sax in den alten Mauern.
Der Beitrag stammt aus dem Jahr 2009
Mehr Bilder rund um den „Wiener Hof“ auf Harz-History
Heute steht auf dem Areal das Hotel/Feriensuiten „Plumbohms“
Vor dem Start eines der letzten Grasbahn-Rennens in Bad Harzburg im Jahr 1951.
Die Geschichte der legendären Grasbahnrennen
In den Jahren 1949 bis 1951 fanden auf der Galopprennbahn Am weißen Stein Motor-Grasbahnrennen statt. Die erste große Veranstaltung dieser Art war am 18. September 1949. Einige Wochen nach den Harzburger Renntagen, die immer im Juli ausgetragen wurden.
1949 war das zweite Jahr nach 1948, in dem der Harzburger Rennverein wieder Pferderennen nach den zurückliegenden Kriegsjahren bot. Veranstalter der Motor-Grasbahnrennen war der 1924 gegründete Harzburger Automobil-Club (HAC) und der ADAC Niedersachsen. Ein Hauptinitiator dieses Rennsports war Adolf Bitzhenner, Hotelier, Motorradfan und Vorsitzender des HAC.
Motorrad- und Autorennen zogen damals die Massen an. Es gab schon Rennstrecken im Braunschweiger Prinzenpark und den Eilenriedekurs in Hannover. Nicht zu vergessen auch die AVUS in Berlin und den Nürburgring, um nur einige zu nennen.
HAC-Vorsitzender und Rennleiter Adolf Blitzhenner (weiße Kappe) nach einer Siegerehrung 1950 auf der Rennbahn.
Also beschloss man, auch in Bad Harzburg solche Rennveranstaltungen anzubieten. Es war sicherlich ein großes Wagnis, keiner konnte das finanzielle Risiko einschätzen. Aber Deutschland war im Aufbruch. Es gab mit Theodor Heuss den ersten Bundespräsidenten, die erste Bundesregierung mit Konrad Adenauer und seit der Währungsreform 1948 die neu eingeführte Deutsche Mark.
Nachdem sich der Harzburger Rennverein und der HAC über die Austragungsmodalitäten geeinigt hatten, konnte das erste Motor-Grasbahnrennen ausgetragen werden. Letztendlich genehmigt wurden die Rennen von der britischen Besatzungsmacht. Bad Harzburg gehörte von 1945 bis 1954/55 zur Britischen Zone im geteilten Deutschland.
Im Vorfeld der Veranstaltung konnten fast 90 Nennungen entgegengenommen werden, wobei schließlich 65 Starter in sieben Rennläufen übrigblieben. Mit solch großer Resonanz hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Das eindeutige Schwergewicht lag bei den zweirädrigen Teilnehmern. Gefolgt von Seitenwagengespannen und den Sportwagen.
In diesen Jahren des bescheidenen Aufschwungs war der Autoverkehr längst noch nicht so weit fortgeschritten wie heute. Auf den Straßen sah man zumeist Fahrräder, Motorräder und Motorroller. Um 1950 gab es noch sehr viele Motorradhersteller in Westdeutschland. Mit Markennamen von Adler bis Zündapp. Die größten und bekanntesten Hersteller waren BMW, DKW (im Volksmund Dekawuppdich ), Horex und NSU.
Diese Markennamen fanden sich zum Teil auch in dem Rennen I des ersten Renntages am 18. September 1949 wieder. Es starteten in der Klasse 3-4, Motorräder bis 125 ccm. Gefahren wurden zehn Runden mit insgesamt 15 Kilometern. Sieger war Ferdinand Bock aus Hannover auf seiner DKW.
An diesem ersten Renntag waren rund 15.000 Zuschauer an der Strecke und die Begeisterung war groß. Im Rennen II der Klasse A, waren Motorräder bis 250 ccm am Start. Der Sieger nach 15 Runden kam ebenfalls aus Hannover und fuhr NSU.
Plakat und Programmheft der ersten Rennen im Jahr 1949.
Die größte Starterzahl hatte das Rennen IV der Klasse B bis 350 ccm mit 23 Teilnehmern. Hier fuhren unter anderem Maschinen der Marken Ariel, Blackborne, Horex , Norton, Triumph und Victoria. Einige Teilnehmer hatten, wie in den anderen Rennen auch, eigene Konstruktionen angemeldet. Der Sieger in diesem großen Fahrerfeld wurde Willi Walter aus Braunlage. Bekannt ist nicht mehr, ob alle 23 Teilnehmer heil das Ziel erreichten.
Dem gegenüber hatte das Rennen V nur fünf Starter. Es waren die schweren Motorräder mit Seitenwagen bis 1200 ccm. Alle fünf Maschinen kamen von der Firma BMW. Die Favoriten Breuer und Beifahrer Münnich, beide aus Braunschweig, hatten die Startnummer 30. Beide waren schon bekannt auf den damaligen Rennstrecken und wurden als „Rote Teufel von Braunschweig“ bezeichnet. In Bad Harzburg klappte es aber nicht mit dem Siegen, wegen eines Kupplungsschadens war das Rennen frühzeitig vorbei.
Im Rennen VI des Tages starteten Motorräder bis 500 ccm. Es waren unter anderem Maschinen der Marken BMW, NSU, Matschless, und Rudge. Absoluter Höhepunkt war das letzte Rennen mit Sportwagen bis 1100 ccm. Mit Alfred Stadermann und Richard Trenkel gab es gleich zwei Bad Harzburger Lokalmatadoren am Start. Alfred Stadermann mit Startnummer 43 fuhr einen Eigenbau der Marke Fiat. Richard Trenkel bevorzugte mit Nr. 48 ebenfalls ein Eigenbaumodell der jungen Marke VW. Auch die anderen fünf Teilnehmer fuhren allesamt selbst konstruierte Modelle. Sieger in diesem Rennen wurde ein Starter aus Peine mit einem Alpers-Eigenbau. Zweiter war Richard Trenkel, was das Publikum natürlich begeisterte.
Am Schluss dieses ersten „Grasbahnrenntages“ gab es für die Sieger wertvolle Ehrenpreise und Pokale. Gestiftet von der Stadt Bad Harzburg, der Kurverwaltung, vielen Geschäftsleuten und Privatleuten. Auch den Veranstaltern zollte man großes Lob für die glänzende Organisation. Trotz der welligen Bahn gab es keine größeren Unfälle und Personenschäden. Ausrichter, Fahrer und Zuschauer konnten sich somit auf die Rennen im folgenden Jahr freuen.
Diese Rennen fanden am 24. September 1950 statt. Es gab wieder viele Nennungen, und auch einige Tausend Zuschauer säumten die Rennstrecke. Die Rennverläufe waren ähnlich gestaffelt wie im Vorjahr. Lediglich die Motorräder mit Beiwagen starteten in zwei Kategorien. Einmal bis 1200 ccm und neu bis 600 ccm.
Leider spielte diesmal das Wetter nicht ganz mit. Es hatte einige Tage vor den Rennen heftig geregnet, und die Temperaturen waren wegen eines atlantischen Sturmtiefs im Keller. Die Bahn war dadurch glatt und aufgeweicht. So musste das Fahrertraining vom Wochenende auf den Sonntagmorgen verlegt werden. Die Rennleitung schaffte es aber, alle Rennen zu starten. Auch ließ der Regen stetig nach und es wurde trockener.
Trotzdem gab es in den ersten Rennen mehrere Karambolagen, die aber glimpflich abgingen. Den Zuschauern stockte immer wieder der Atem, wenn Motorräder oder die Sportwagen gefährlich ins Schlingern kamen. Und so passierte es, dass nach dem Start der schweren Beiwagenklasse ein Gespann in die Zuschauer raste und in der Göttingeröder Kurve zwei Jugendliche verletzte. Beide wurden sofort ins Fritz-König-Stift eingeliefert.
Bei diesen schweren Beiwagen waren wieder die „Roten Teufel aus Braunschweig“ dabei. Kurzfristig musste der erst 18-jährige Karl Bonte für den erkrankten Alfons Breuer einspringen. Mit seinem erfahrenen Beifahrer Werner Münnich fuhr er nach einem spannenden Rennen als Erster über die Ziellinie.
Zum Schluss der Veranstaltung starteten die meist silberhellen Sportwagen. Die rund 6000 Zuschauer sahen ein packendes Rennen, wozu auch die schwierigen Bahnverhältnisse mit beitrugen. Für Stadermann und Trenkel gab es diesmal nichts zu gewinnen. Von sieben Startern kamen nur vier ins Ziel, der Sieger hieß Hubert Bolm aus Wolfenbüttel.
Im Verlauf des Rennens gab es einen kleinen Unfall mit glimpflichem Ausgang. Gegenüber der Tribüne 2 streifte ein Wagen die innere Barriere und wurde dabei erheblich beschädigt. Glücklicherweise kam der Fahrer mit dem Schrecken davon.
Auch der zweite Renntag auf der Pferderennbahn in Bündheim hatte sicherlich dazu beigetragen, den Motorsport in der hiesigen Region populär zu machen. So wurde das dritte große Motorsportereignis am 29. Juli 1951 ausgetragen. Es fand im Rahmen der Bündheimer Festwoche zum 700-jährigen Orts-Jubiläum statt.
Start des Beiwagen-Rennens 1951.
Nennungen gab es weit über hundert. Darunter viele Beteiligte der zurückliegenden Rennen. Wie schon im Reglement der Vorjahre durften nur Starter aus der Britisch besetzten Zone teilnehmen. Das Interesse der Zuschauer war wieder groß und schon bei den Trainingsläufen am Sonnabend gab es viele Zaungäste. Anfang der 1950er Jahre herrschte allgemeines Rennfieber in Deutschland. So kamen bei großen Motorradrennen auf der Stuttgarter Solitude über 300.000 Zuschauer und wollten ihre Idole wie Schorsch Meier und Walter Zeller sehen.
Bei den Sportwagen war es genauso in Hockenheim und auf anderen Rennstrecken. Hier gab es Duelle von Altmeister Hans Stuck mit Herrmann Lang, Karl Kling und J. M. Fangio aus Argentinien. Damals noch für Alfa Romeo auf den Pisten, später für Mercedes in den berühmten Silberpfeilen unterwegs.
Zum Renntag am Sonntag säumten dann über 15.000 Zuschauer die Strecke auf der Galopprennbahn in Bündheim, um wieder sieben spannende und rasante Rennduelle zu erleben. In den Trainingsläufen konnte man schon ahnen, dass die Rundenrekorde der Vorjahre fallen würden. Der Sieger des ersten Laufes in der 125 ccm Klasse, Heinz Boß auf einer Ilo war schon gut 12 km/h schneller als der Vorjahressieger. Den schnellsten Rundendurchschnitt schaffte Karl Hoppe auf seiner 500er Englischen Triumph mit 82,4 km/h.
Auch bei den nächsten Rennen, erzielten die Fahrer immer neue Bahnrekorde. Die Rennen verliefen trotzdem fast unfallfrei. Lediglich im 250ccm-Lauf gab es nach einem Gerangel um die Spitzenposition einen Überschlag, zum Glück ohne Personenschäden. Das lag auch daran, dass die Sicherheitsvorkehrungen für die Teilnehmer und das Publikum stark verbessert wurden.
Dramatisch verlief es trotzdem beim vorletzten Rennen der schweren Beiwagenklasse bis 1200 ccm. Neun Starter nahmen am Lauf teil, auch der Vorjahressieger Karl Bonte. In einer der letzten Runden passierte es dann: Die Nr. 39 mit Kurt Knop und Beifahrer stürzten vor den Tribünen, nachdem die Strohballen am Rand der Piste gestreift wurden. Das Gespann überschlug sich vor den entsetzten Zuschauern. Zunächst sah noch alles glimpflich aus. Doch anschließend musste der Beifahrer ins Krankenhaus transportiert werden und es stellte sich später heraus, dass er lebensgefährliche Verletzungen erlitten hatte.
Davon merkten die Zuschauer wenig. Sie fieberten schon dem letzten Rennen entgegen. Hier starteten wieder die Sportwagen, deren Motorenklänge vom Warmlaufen über die Rennbahn dröhnten. Dabei waren auch Alfred Stadermann und Richard Trenkel. Nach einem furiosen Start ging Trenkel mit Nr. 50 schnell in Führung und gab diese bis zum Zieleinlauf nicht wieder ab.
Richard Trenkel startete auch in der Deutschen Meisterschaft für Sportwagen und führte mit sechs Punkten. Autos waren seine Leidenschaft, wie er in einem Interview selbst sagte. Er verstarb bei einem tragischen Autounfall im Juli 1964.
Lokalmatador und einer der großen Rennfahrer seiner Zeit: Der Bündheimer Richard Trenkel bei den ersten Rennen 1949.
Zweiter wurde der „Löwe von Flethma“ Karl Busse, der als Beinamputierter am Rennen teilnahm. A. Stadermann hatte jedoch großes Pech. Nach einer Berührung mit einem anderen Fahrzeug verlor er die Motorhaube, was für ihn das Aus bedeutete. So ging das größte rennsportliche Ereignis im Harzgebiet mit großem Erfolg zu Ende.
Die Erinnerung des Autors besteht noch an riesige Menschenmassen, auch außerhalb des eigentlichen Geländes. An blauen Benzindunst, viele Maschinen waren Zweitakter mit Benzin-Ölgemisch. An den großen Contiballon über dem Gelände schwebend. Mit etwas Glück gab es auf dem Heimweg noch eine Wiener Wurst beim Rennbahnwirt W. Hoffmann im Lokal Stadt Harzburg.
Die breite Öffentlichkeit dachte, dass auch 1952 wieder Rennen stattfinden. Doch es war wohl das letzte Mal, dass Motorenklänge bei einer Motorsportveranstaltung über die Galopprennbahn hallten. Gründe gab es einige: So dürften Sicherheitsbedenken wegen des schweren Unfalls vom Vorjahr im Vordergrund gestanden haben. Als nächstes könnte auch der Zustand der Bahn nach den Rennen ausschlaggebend gewesen sein.
Darüber hinaus wurde vom HAC versucht, den sogenannten Harzring als neue Strecke mit rund drei Kilometern Länge zu präsentieren. Der Verlauf sollte vom Rennbahngelände in Richtung Silberborn führen, dann etwa zum Café Goldberg. Von dort zum Langenberg und zurück zur Rennbahn. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht genehmigt, weil damals sicherlich Naturschutzinteressen schon berücksichtigt werden mussten.
Quellennachweis: Privatsammler, HAC Bad Harzburg, HZ, Goslarer Stadtarchiv, Hannoversche Allgemeine, Heimatarchiv Plaster.
Der Beitrag stammt aus den 2010er Jahren
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Ansichtskarte von Albert Seebachs Kur-Bad im Krodotal im Jahr 1905.
Kaltwasser-Heilanstalt im Krodotal
Heute so gut wie vergessen, gab es versteckt im Krodotal um 1900 eine Institution, die der Gesundheit des Volkes und dem Fremdenverkehr dienen sollte. Es handelte sich um eine Kaltwasser-Heilanstalt, gelegen in Schulenrode, wie es damals noch hieß.
Die Anlage lag auf einem großen Grundstück am heutigen Kapellenweg. Damals noch als Obere Krodostraße bzw. Krodostraße benannt. Auf dem Grundstück gab es zunächst ein Gebäude, das schon 1759 in einem Ass-Nr. Verzeichnis mit der Nr. 42 erwähnt wurde. Erstellt wurde dieses Verzeichnis 1938 mit den ersten 92 Harzburger Ass-Nummern von Robert Heinemann für den Harzburger Geschichtsverein.
Die niedrige Ass Nr. 42 des Hauses, lässt auf ein hohes Alter schließen. Ein genaues Baujahr, ist dem Autor nicht bekannt. Auch dürfte das Gebäude noch nicht die heutige Größe gehabt haben. Dazu passt auch eine Eintragung im Herzoglichen Baubestandsbuch des Kreises Wolfenbüttel/Amt Harzburg.
Der Kapellenweg und die Kaltwasser-Heilanstalt Anfang des 20. Jahrhunderts.
Daraus geht hervor, dass ein Wilhelm Brandes erst 1897 die Kaltwasser-Heilanstalt erbaute. Heute am Kapellenweg 5 liegend. 1898 erfolgte dann eine Wohnhaus Erweiterung des alten Gebäudes, heute Kapellenweg 4. Diese Wohnhauserweiterung kommt sicherlich fast einem Neubau gleich, weil Robert Heinemann in seinem Verzeichnis unter Ass Nr. 43 in der damaligen Krodostraße das Haus Nr. 15, heute Kapellenweg 4, als neues Haus bezeichnet.
Auch ist das große Wiesengrundstück inzwischen zweigeteilt. Den Namen Kapellenweg, früher im Volksmund Kirchweg genannt, gibt es seit den fünfziger Jahren. Er erinnert an eine kleine Kapelle am Fuß des Kleinen Burgbergs. Vorherige Chronisten geben das Baujahr mit 1075 an. Das Bauwerk war ca. 20 m lang und 11,90 m breit. Es stand dann rund 300 Jahre im Krodotal.
Danach gab es einige Ausgrabungen auf dem Areal. So auch 1899 unter Mitwirkung von Forstrat Nehring. Später war dieser 1902 Mitbegründer des Harzburger Altertums und Geschichtsvereins, wie sich der heutige Harzburger Geschichtsverein damals nannte.
Die schon erwähnte Wohnhauserweiterung vom Kapellenweg 4, diente für zusätzliche Unterkünfte und eine Restauration in dieser abgelegenen Ecke von Bad Harzburg. Ab 1892 durfte Harzburg sich Bad nennen und 1894 kamen die Stadtrechte hinzu.
Die Kaltwasserheilanstalt, nannte man im Volksmund auch Kitzelkammer. Nachfolger von W. Brandes wurden Albert Seebach und der Schlachtermeister Gustav Kühlewind. Letzterer besaß zusätzlich eine Fleischerei in der nahegelegenen Bergstraße, seit den 1970er Jahren in Sternstraße umbenannt.
Wie lange das Badewesen und die Restauration existierten, ist nicht genau bekannt. Vorherige Chronisten berichteten, dass der Kaltwasserheilanstalt keine lange Zeit beschieden war. Dies hatte sicherlich mehrere Gründe. Einer könnte die Abgelegenheit der Anlage gewesen sein.
Außerdem gab es seit 1898 das neue Badehaus Juliushall, das sicherlich mit mehr Komfort und mit Thermal- und Solewasser aufwarten konnte. Direkt gegenüber lag die Trink- und Wandelhalle, in der die Kurgäste bis heute das Heilwasser verkosten können.
Ganz in der Nähe gab es zudem noch weitere Heilstätten in dieser Zeit. Das waren die Jungborn Anstalt der Gebrüder Just, seit März 1896 im Eckertal in Stapelburg. Weiterhin noch der Gesundborn des Herrn Hanke an der Ilsenburger Straße/Abzweig Wolfsklippen. Später nannte man die Anlage Sophienhöhe, unter anderem war dort lange Jahre ein Hamburger Schullandheim untergebracht. 2019 wurde das Gebäude abgerissen, nachdem es lange Zeit keine Verwendung fand.
Eine weitere Ansichtskarte aus dem Jahr 1905 wirbt für Albert Seebachs Kurhaus und Hotel.
Nach der Zeit der Kaltwasseranstalt im Krodotal gingen die beiden Gebäude in andere Hände über. Am Kapellenweg 4 gab es lange den Braunschweiger Kaufmann Walter Mewes als Eigentümer. Danach einige Zeit Mewes Erben.
In der heutigen Zeit hat sich dort eine junge Familie in der immer noch ruhigen Gegend angesiedelt. Einzig ein Gehweg und Zufahrt zum Gebäude Kapellenweg 5 führen am Haus vorbei.
In der Nr. 5 als Endgrundstück im Kapellenweg, war Frl. Anneliese Tuellmann Eigentümerin der ehemaligen Kaltwasser-Heilanstalt. Danach diente das Gebäude lange Zeit dem nahe gelegenen Diakonissen-Mutterhaus Kinderheil als Wohnraum für die betreuenden Geistlichen und der zugehörigen Bugenhagen-Kapelle. Zu nennen wären in diesem Zusammenhang Gustav Winner, Siegfried Gumpert und Hermann Flake als Geistliche der ersten Zeit nach dem Krieg und 1954 zur Einweihung der Bugenhagenkapelle.
Sprachen vorherige Chronisten noch von einer Siedlung im Verborgenen und Heimstatt im Geborgenen, so hat sich in heutiger Zeit einiges verändert. Zum Diakonissenhaus gehört nun unter anderem die Pflegeeinrichtung Haus Felsengrund. Für diese neue Bauten mussten einige alte typisch Schulenröder Häuser weichen. Damit war die Beschaulichkeit und Ruhe im Krodotal vorbei und gebaut wird dort immer noch. Nur am Ende des Krodotales, am Kapellenweg 4 und 5, gibt es noch Beschaulichkeit und Ruhe für die Bewohner.
In der Stadtmitte in bester Lage stand auf dem Areal, auf dem später und zum Teil noch heute der EDEKA-Markt, Kaffee Decker und das Verkehrsbüro standen, ein weiteres großes Bad Harzburger Hotel. Es hieß Löhrs Hotel, schon 1876 wurden 120 Betten vermietet. Die Zimmerpreise lagen zwischen 1,50 und 2,50 Mark.
Übertroffen wurde diese Bettenkapazität damals nur vom Harzburger Hof mit 270, sowie vom Kurhotel Juliushall mit 180 Betten. Das gegenüber liegende Hotel Viktoria, hatte erheblich weniger Betten. Gegründet wurde das Hotel 1867 vom Schaffner Löhr, hervorgehend aus Löhrs Pensionat. Dieses wurde schon 1862 in einem Unterkunftsverzeichnis erwähnt.
Löhrs Hotel im Bereich des späteren Platz Stadtmitte im Jahr 1918.
Angeboten wurden damals 13 Stuben und 14 Kammern mit ca. 50 Betten. Nach der Zeit vom Schaffner Löhr geht der Besitz an dessen Sohn Carl Löhr über. Zugehörig zum Hotel war die Villa Löhr an der Amsbergstraße. Aus dieser wurde in späteren Jahren u. a. das Irenenhaus, bzw. Hotel am Papenberg.
Nachfolgende Besitzer des Hotels im Stadtzentrum wurden ab 1887 Fritz Vogeler und ca. 1910 übernahm Fritz Bürchl das Hotel. Umgeben war das Hotel von einer parkähnlichen Anlage, diese verlief von der Herzog-Wilhelm-Str. bis an die Mitte der heutigen Goslarschen Straße.
Anfang der zwanziger Jahre erwarb Christian Ludwig Harig das Hotel und schenkte es wenig später seiner Pflegetochter Anna, im Jahr 1921 zur Hochzeit mit Fritz Wasmus. 1933 gab es mit Walter Ankermann den wahrscheinlich letzten Hotelpächter. Auch eine Frau Anna Wasmus gab es noch im Einwohnerverzeichnis dieses Jahres.
1936 wurde das Grundstück für 60.000 RM von der Stadt Bad Harzburg erworben und das Hotel abgerissen. Danach wurde an der Stelle der Platz Stadtmitte geschaffen. Gebaut wurde damals ein kleines Gebäude mit Platz für ein Büro der Kurbetriebsgesellschaft, der Buchhandlung Göebel und später dem Reisebüro der Firma Müller.
Mitte der 1960er Jahre wurde dieses Gebäude durch den heutigen größeren Komplex ersetzt. Direkt angrenzend an das ehemalige Verkehrsbüro befand sich lange Zeit ein Modegeschäft und bis in die heutige Zeit Café Decker. In dem Modegeschäft befinden sich jetzt Räumlichkeiten der Nord-LB. Das Verkehrsbüro findet sich heute in der Schmiedestraße wieder, an dessen Position am Platz Stadtmitte gibt es jetzt Bäckerei Wolf am Jungbrunnen.
Den Vorplatz ziert seit einiger Zeit der Jungbrunnen, initiiert von Dirk Junicke und durch Spenden finanziert. Daneben gibt es noch in der Sommersaison einen großen Pfau als Blumenschmuck. Ungefähr dort, wo der erste Brunnen 1936/37 seinen Platz hatte.
Der Beitrag entstand in den 1990er Jahren
Weitere Bilder rund um Löhrs Hotel auf Harz-History
Das Hotel Käsewieter-Busch 1955 an der Herzog-Wilhelm-Straße.
Hotel Käsewieter-Busch
In Nachbarschaft des Café Peters und des Hotels Parkhof stand das Hotel Käsewieter-Busch, Herzog-Wilhelm-Straße 41a. Eingerahmt wurde das Gebäude vom ehemaligen Haus Busse mit der alten Hausnummer 41 unterhalb und vom Parkhof mit Hausnummer 41b oberhalb, Café Peters als Eckgrundstück hatte die Hausnummer 41c.
Alle vier Grundstücke gehörten einstmals Konsul Meyer und gingen um die Jahrhundertwende an andere Besitzer über. Das Gebäude von Café Peters beispielsweise gab es im Jahr 2000 bereits seit 100 Jahren, vorher stand dort ein Haus mit Namen Villa Frieda bzw. Haus Friedensburg, wie in alten Stadtplänen zu sehen ist.
Neben Café Peters in der Dommesstraße standen noch die Villen Brunhilde und Wartburg, diese Häuser gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr. Unter der Leitung von Emil Peters gab es in dem Cafe auch einige Fremdenzimmer, so wurden 1904 drei Zimmer mit sechs Betten angeboten.
Die Villa Käsewieter, so der frühere Name, ist einige Jahre älter, dieses Gebäude gab es schon 1894, Gründer und Erbauer war August Käsewieter. Den Namen Käsewieter gab es schon einige Jahrhunderte im Harzburger Raum, auch heute gibt es noch Nachkommen aus dieser Linie.
August Käsewieter selbst war Schuhmacher, seine Werkstatt lag in einem kleineren Gebäude hinter der Pension. Ebenso war dort Platz für eigene und fremde Pferdegespanne, sowie Kammern für die Bediensteten der Reisenden.
Im Jahr 1904 gibt es in der Villa Käsewieter 16 Zimmer mit 26 Betten zu vermieten, die Leitung des Hauses hat immer noch August Käsewieter. 1924 wird das Gebäude umgebaut und vergrößert, in den dreißiger Jahren heißt es Fremdenpension Käsewieter-Busch, Chef ist jetzt Friedrich Käsewieter-Busch.
Außerdem gibt es in dem Gebäude noch den Friseur W. Henninger und die Buch- und Papierhandlung von Frau Pannier. Von 1941 bis 1945 ist in dem Gebäude ein Reservelazarett untergebracht, nach dem Krieg steht das Haus als Hotel Käsewieter-Busch unter der Regie von Fritz Busch in den Verzeichnissen.
In einer Liste von 1962 sind Else und Fritz Busch als Besitzer verzeichnet, 1965 F. Busch-Moch. Nächster Besitzer ist um 1967 Heinz Moch, der Hotelpächter heißt Erwin Auge. Um 1970 übernimmt Rosemarie Moch-Busch die Leitung des Hotels, jetzt an der Herzog-Wilhelm-Straße 102 liegend.
Im Jahr 1974 wurde das Hotel Käsewieter-Busch an der Herzog-Wilhelm-Straße ein Raub der Flammen.
1974 wird das Hotel durch einen Großbrand zerstört, danach gibt es 1975 einen Neubau mit gleichen Namen. Außerdem gibt es in dem Gebäude noch einen Restaurationsbetrieb, sowie ein Damenkonfektionsgeschäft.
Frau Moch-Busch hat die Leitung des Hauses bis 1985, nächste Besitzerin ist Frau Meyer-Hamm. Diese nennt das Hotel am Anfang der neunziger Jahre Hotel am Park, seit 1993 steht nach Frau Meyer-Hamm und Fam. Hansen bis heute C. Werner in den aktuellen Unterkunftsverzeichnissen.
Der Beitrag stammt aus den 1990er Jahren
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Das Hotel Seela 1971, vier Jahre nach der Übernahme durch Helmut Seela.
Hotel Seela
An der Bundesstraße 4, der Nordhäuserstraße, gelegen, gibt es seit nunmehr über 40 Jahren das Hotel Seela. Doch bevor es diesen Hotel-Namen in Bad Harzburg gab, standen zuvor an gleicher Stelle andere Gebäude mit wechselnden Funktionen.
Angefangen hatte alles mit der oberen Herzoglichen Sägemühle im Radautal. Dies zu Zeiten, als die Wasserkraft noch der wichtigste Energielieferant für die dort ansässigen Firmen war. Ende 1860 wurde dann besagte Wasser-Sägemühle von der Herzöglichen Kammer in Braunschweig an den Ingeneur F. A. Fischer, aus Holzminden stammend, verkauft.
Der Ingeneur Fischer macht aus der Sägemühle, deren Geschichte bis ins Jahr 1680 zurückreicht, die Nudel- und Maccaronifabrik Ettersgrund. Der Name wurde abgeleitet vom Ettersberg, an dessen Fuß das Anwesen lag.
Die Nudel und Maccaroni-Fabrik Ettersgrund um 1890 im Radautal.
1868 wurde die Nudel- und Maccaronifabrik an den Weißgerbermeister August Hoeppner aus Wolfenbüttel verkauft. Später kam noch ein Teilhaber mit Namen Wrede hinzu und die Firma hieß jetzt Hoeppner und Wrede. Im Volksmund kannte man den Betrieb aber nur als Hoeppnersche Nudelmühle.
Erste Schlafgelegenheiten wurden ebenfalls schon um 1876 im Zeichen des aufkommenden Tourismus von Familie Hoeppner vermietet. Es handelte sich um zwei Kammern mit sechs Betten, die für Fremde angeboten wurden. Vermietet wurden die Zimmer in einem 1860 erbauten Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, dem Landhaus Ettersgrund.
Georgine, so hieß August Hoeppners Ehefrau, kannte sich mit dem Vermieten von Zimmern und dem Umgang mit Erholungssuchenden aus. Ihr Vater Eduard Roeder besaß zur damaligen Zeit zuerst das Hotel Bellevue und danach das Hotel Belvedere. Beide lagen an der Herzog-Julius-Straße und existieren schon viele Jahre nicht mehr.
Verkehrsmäßig stellte sich damals die Lage im Radautal nicht so dar wie in heutiger Zeit. Es gab als einzige Anbindung für größere Fuhrwerke die 1831 fertiggestellte Chaussee von Bad Harzburg nach Braunlage. Wobei dies aus heutiger Sicht nichts als ein besserer Schotterweg gewesen ist, auf dem man an andere Ziele im Radautal zum Torfhaus und nach Braunlage gelangte.
Die anderen Ziele waren unter anderem der 1838 angelegte Gabbro-Steinbruch und der durch einen künstlichen Kanal gespeiste Radau-Wasserfall, gebaut im Jahr 1859, sowie einige Forellenzuchtbetriebe. Ferner die beiden mit Wasserkraft betriebenen Holzstoff-Fabriken von Gustav Grätz und Adolf Weyland. Wobei die letzte Firma schon 1578 urkundlich erwähnt wurde, als Sägemühle des Andreas Weyland im Radauthal.
Beschäftigt wurden bei der Fa. Hoeppner und Wrede ca. 20 Leute. Hergestellt wurden Nudeln und Maccaroni, sowie Mehl allerfeinster Qualität. Für die Verteilung der Waren standen damals Pferdefuhrwerke oder Handkarren bereit. Durch die Anbindung Harzburgs an die erste Deutsche Staatseisenbahn seit 1838, konnte man die Erzeugnisse auch in entfernteren Gegenden präsentieren.
Das Hotel Waldmühle um das Jahr 1910.
1904 pachtete die Stadt Harzburg wegen der lange anhaltenden Dürre Quellen, die sich auf dem Hoeppnerschen Anwesen befanden. Danach wurden in Nähe des Grundstücks von der Stadt eigene Quellen erschlossen und man baute in den Jahren 1906/07 ein Wasserreservoir, um dem bestehenden Wassermangel vorzubeugen.
Nach dem Tod der Begründer leiteten die Wwe. Georgine Hoeppner, sowie August Hoeppner der Sohn des Firmenbegründers, die Nudelmühle. Der letzte Nudelmeister der Hoeppnerschen Nudel- und Maccaroni-Fabrik hieß Fritz Reinecke.
Der Betrieb der Nudelmühle lief dann bis etwa 1908. Danach wurde aus dem dreiteiligen Gebäudekomplex 1910 das Hotel Waldmühle. Die beiden anderen Sägemühlen im Radautal standen immer noch unter herzoglicher Verwaltung. Administrator war der Forstmeister Hermann Retemeyer. Beisitzer der Sägemühlenmeister Wilhelm Bülte und die Sägemühlenkasse verwaltete der Steuerinspektor Vogeley.
Erster Besitzer des Hotels Waldmühle war Arthur Schulz, doch schon 1912 gab es mit Hans und Walter Hüne dessen Nachfolger. Im September 1914 gab es einen Brand in dem Hotelgebäude. Alles wurde so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass an einen Wiederaufbau in bisheriger Form nicht zu denken war.
Das Einzige, was wohl noch funktionierte, war eine Turbine, die Wasserkraft in Strom umwandelte und auch noch lange Zeit ihren Dienst versehen hat. Das Wasser für die Turbine kam vom Philosophenbach, der hinter den Gebäuden seinen Verlauf hatte. Über ein Wehr gelangte das Wasser mit einem Sturz von ca. 15 Metern in den Turbinenraum, gelegen in einem Kellergeschoss des Hotels.
Danach lag das Areal einige Zeit brach und um 1917 entstand ein neues Hotel mit ebenfalls drei Gebäudeteilen. Es trug den Namen Waldheim von Hindenburg. Zusammen mit den Dependancen Villa Irmgard und Villa Anne-Marie wurden 50 Zimmer mit ca. 80 Betten angeboten.
Besitzer war Fam. Josef van Howe, mit Abstammung aus Flandern in Belgien. Die Nachkommen dieser Familie lebten noch bis zum Ende der 1980er Jahre in Bad Harzburg.
Aber auch diesen Hotelnamen gab es nicht lange im Radautal. Mitte der zwanziger Jahre wurde aus dem Hotel ein Ferienheim für Handel und Industrie. Zugehörig zur Deutschen Gesellschaft für Kaufmännische Erholungsheime e. V. mit Sitz in Wiesbaden.
Der Vorgänger dieses Heimes war zuvor an der Waldsiedlung Wolfsklippen untergebracht, gegründet 1912 als Erholungsstätte für Braunschweiger Kaufleute. Zu jener Zeit wurden 45 Heime von dieser Gesellschaft in Deutschland unterhalten. Sie galten insgesamt als gemeinnützige Unternehmen.
Aufgenommen wurden solche Personen, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Lage nicht im Stande waren, sich selbst oder Familienangehörigen eine Kur zu ermöglichen. Einer der ersten Verwalter des Hauses hieß Hermann Bender und das ehemalige Hotel nannte sich jetzt Harzheim.
Auch rund um das Harzheim und ehemalige Hotelgelände hatte sich einiges verändert, so wurde unter anderem die jetzige Reichsstraße 4 (spätere Bundesstraße 4) ausgebaut. Deren Verlauf ging von Kiel über Hamburg durch den Harz bis nach Nürnberg. Das Kopfsteinpflaster am Ortsausgang in Richtung Torfhaus gab es noch bis um 1960.
Ebenso hatte eine der letzten Schleif- und Sägemühlen im Radautal, die mit Wasser betrieben wurden, ihren Betrieb eingestellt. Auf dem ehem. Gelände in Kurparknähe, gab es seit 1930 das neue Schwimmbad und Anlagen der Kurgärtnerei.
Dann kamen die Kriegsjahre und sicherlich änderte sich auch in dem Erholungsheim der Alltagsbetrieb. Nachfolger des Verwalters Bender wurde für viele Jahre Kurt Rixecker. Er leitete das Heim bis in die 1960er Jahre. Mitte der 1960er Jahre wurde aus der Deutschen Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime die Europäische Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime, ebenfalls mit Sitz in Wiesbaden. Die Verwaltung des Heimes lag jetzt in den Händen von Frau Elisabeth Picolin.
Die Gebäude des Kaufmanns-Erholungsheims im Jahr 1932.
Im Februar 1967 erwarb der Hotelier Helmut Seela aus Braunschweig das dreiteilige Anwesen. Nach diversen Umbauten und erheblichen Investitionen, konnten schon im Herbst des Jahres Hotelbetten angeboten werden.
Das Stammhaus der Firma Seela gab es seit 1954 in Braunschweig und nannte sich Landhaus Seela, der ältere Name des Hauses war Gasthof Alte Mühle. Firma Seela hatte außer in Braunschweig und Bad Harzburg auch noch Hotels in Bad Lauterberg und Bad Kissingen.
Nach Übernahme des Hotels in Bad Harzburg mit ca. 100 Betten, wurde zusätzlich zum Hotelbetrieb eine Ferienfahrschule angegliedert. Zu Hochsaisonzeiten wurden bis zu 30 Fahrschulfahrzeuge eingesetzt. Die Fahrlehrer wurden damals im Stammhaus in Braunschweig geschult.
In diesen Jahren wurde erneut die jetzige Bundesstraße 4 ausgebaut, um eine bessere und schnellere Anbindung an den Hochharz zu ermöglichen. Vergessen waren die Zeiten, in denen vorherige Generationen auf gefährlichen und rutschigen Kopfsteinpflastern unterwegs waren.
Verschwunden war auch ein letztes Relikt, das noch an die jahrhundertlange Nutzung der Wasserkraft im Radautal erinnerte. Es war eine alte wassergetriebene Turbine im Hotel Seela, die bis 1968 ihren Dienst versah und Strom lieferte. Die Wartung und Betreuung der Turbine lag in Händen der Stadtwerke. Letzter verantwortlicher Monteur war Martin Blumeier.
Ab 1970 wurde dann das Hotel Seela vergrößert, die beiden alten Villen wurden abgerissen und durch größere Gebäude ersetzt. Zusätzlich kamen ein Hallenbad und eine Schönheitsfarm hinzu und so konnten im Jahr 1971 schon 193 Betten angeboten werden. Inzwischen wurde auch die Schnellstraße fertiggestellt, ebenso wie der Großparkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Das Hotel Seela, das 1999 schon rund 250 Betten bot.
Nach Fertigstellung aller drei neuen Hotelbauten in den 1970 Jahren waren es insgesamt 124 Zimmer mit 250 Betten, die den Erholungssuchenden zur Verfügung standen. Beschäftigt werden in dem Harzburger Betrieb ca. 60 Personen.
Im März 1980 gab es einen Großbrand in dem Gebäudetrakt. Das Feuer richtete beträchtlichen Schaden an. Besonders betroffen waren Einrichtungen und Räume der Kegelbahn. Letztgenannte wurde zusammen mit dem Kegelbahnrestaurant im Spätsommer dieses Jahres wieder umgestaltet. Das Restaurant hat jetzt den Namen „Zum Zwölfender“ und wurde mit vielen Geweihen und zusätzlich mit ca. 50 alten Harzburger Motiven ausgestattet.
Bis heute werden alle Annehmlichkeiten geboten, die einen modernen Hotelbetrieb auszeichnen. Einzig der ältere Mittel- und Eingangsbereich erinnert noch an vergangene Zeiten und das ehem. Hotel Waldheim v. Hindenburg. Auch die Villa Ettersgrund gegenüberliegend gibt es noch. Sie ist heute im Besitz von Fam. Resa, Nachkommen von August und Georgine Hoeppner, den ehemaligen Besitzern der alten Nudelmühle im Radautal.
Der Beitrag entstand in den 2000er Jahren
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