
Hotel Seela
An der Bundesstraße 4, der Nordhäuserstraße, gelegen, gibt es seit nunmehr über 40 Jahren das Hotel Seela. Doch bevor es diesen Hotel-Namen in Bad Harzburg gab, standen zuvor an gleicher Stelle andere Gebäude mit wechselnden Funktionen.
Angefangen hatte alles mit der oberen Herzoglichen Sägemühle im Radautal. Dies zu Zeiten, als die Wasserkraft noch der wichtigste Energielieferant für die dort ansässigen Firmen war. Ende 1860 wurde dann besagte Wasser-Sägemühle von der Herzöglichen Kammer in Braunschweig an den Ingeneur F. A. Fischer, aus Holzminden stammend, verkauft.
Der Ingeneur Fischer macht aus der Sägemühle, deren Geschichte bis ins Jahr 1680 zurückreicht, die Nudel- und Maccaronifabrik Ettersgrund. Der Name wurde abgeleitet vom Ettersberg, an dessen Fuß das Anwesen lag.

1868 wurde die Nudel- und Maccaronifabrik an den Weißgerbermeister August Hoeppner aus Wolfenbüttel verkauft. Später kam noch ein Teilhaber mit Namen Wrede hinzu und die Firma hieß jetzt Hoeppner und Wrede. Im Volksmund kannte man den Betrieb aber nur als Hoeppnersche Nudelmühle.
Erste Schlafgelegenheiten wurden ebenfalls schon um 1876 im Zeichen des aufkommenden Tourismus von Familie Hoeppner vermietet. Es handelte sich um zwei Kammern mit sechs Betten, die für Fremde angeboten wurden. Vermietet wurden die Zimmer in einem 1860 erbauten Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, dem Landhaus Ettersgrund.
Georgine, so hieß August Hoeppners Ehefrau, kannte sich mit dem Vermieten von Zimmern und dem Umgang mit Erholungssuchenden aus. Ihr Vater Eduard Roeder besaß zur damaligen Zeit zuerst das Hotel Bellevue und danach das Hotel Belvedere. Beide lagen an der Herzog-Julius-Straße und existieren schon viele Jahre nicht mehr.
Verkehrsmäßig stellte sich damals die Lage im Radautal nicht so dar wie in heutiger Zeit. Es gab als einzige Anbindung für größere Fuhrwerke die 1831 fertiggestellte Chaussee von Bad Harzburg nach Braunlage. Wobei dies aus heutiger Sicht nichts als ein besserer Schotterweg gewesen ist, auf dem man an andere Ziele im Radautal zum Torfhaus und nach Braunlage gelangte.
Die anderen Ziele waren unter anderem der 1838 angelegte Gabbro-Steinbruch und der durch einen künstlichen Kanal gespeiste Radau-Wasserfall, gebaut im Jahr 1859, sowie einige Forellenzuchtbetriebe. Ferner die beiden mit Wasserkraft betriebenen Holzstoff-Fabriken von Gustav Grätz und Adolf Weyland. Wobei die letzte Firma schon 1578 urkundlich erwähnt wurde, als Sägemühle des Andreas Weyland im Radauthal.
Beschäftigt wurden bei der Fa. Hoeppner und Wrede ca. 20 Leute. Hergestellt wurden Nudeln und Maccaroni, sowie Mehl allerfeinster Qualität. Für die Verteilung der Waren standen damals Pferdefuhrwerke oder Handkarren bereit. Durch die Anbindung Harzburgs an die erste Deutsche Staatseisenbahn seit 1838, konnte man die Erzeugnisse auch in entfernteren Gegenden präsentieren.

1904 pachtete die Stadt Harzburg wegen der lange anhaltenden Dürre Quellen, die sich auf dem Hoeppnerschen Anwesen befanden. Danach wurden in Nähe des Grundstücks von der Stadt eigene Quellen erschlossen und man baute in den Jahren 1906/07 ein Wasserreservoir, um dem bestehenden Wassermangel vorzubeugen.
Nach dem Tod der Begründer leiteten die Wwe. Georgine Hoeppner, sowie August Hoeppner der Sohn des Firmenbegründers, die Nudelmühle. Der letzte Nudelmeister der Hoeppnerschen Nudel- und Maccaroni-Fabrik hieß Fritz Reinecke.
Der Betrieb der Nudelmühle lief dann bis etwa 1908. Danach wurde aus dem dreiteiligen Gebäudekomplex 1910 das Hotel Waldmühle. Die beiden anderen Sägemühlen im Radautal standen immer noch unter herzoglicher Verwaltung. Administrator war der Forstmeister Hermann Retemeyer. Beisitzer der Sägemühlenmeister Wilhelm Bülte und die Sägemühlenkasse verwaltete der Steuerinspektor Vogeley.
Erster Besitzer des Hotels Waldmühle war Arthur Schulz, doch schon 1912 gab es mit Hans und Walter Hüne dessen Nachfolger. Im September 1914 gab es einen Brand in dem Hotelgebäude. Alles wurde so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass an einen Wiederaufbau in bisheriger Form nicht zu denken war.
Das Einzige, was wohl noch funktionierte, war eine Turbine, die Wasserkraft in Strom umwandelte und auch noch lange Zeit ihren Dienst versehen hat. Das Wasser für die Turbine kam vom Philosophenbach, der hinter den Gebäuden seinen Verlauf hatte. Über ein Wehr gelangte das Wasser mit einem Sturz von ca. 15 Metern in den Turbinenraum, gelegen in einem Kellergeschoss des Hotels.
Danach lag das Areal einige Zeit brach und um 1917 entstand ein neues Hotel mit ebenfalls drei Gebäudeteilen. Es trug den Namen Waldheim von Hindenburg. Zusammen mit den Dependancen Villa Irmgard und Villa Anne-Marie wurden 50 Zimmer mit ca. 80 Betten angeboten.

Besitzer war Fam. Josef van Howe, mit Abstammung aus Flandern in Belgien. Die Nachkommen dieser Familie lebten noch bis zum Ende der 1980er Jahre in Bad Harzburg.
Aber auch diesen Hotelnamen gab es nicht lange im Radautal. Mitte der zwanziger Jahre wurde aus dem Hotel ein Ferienheim für Handel und Industrie. Zugehörig zur Deutschen Gesellschaft für Kaufmännische Erholungsheime e. V. mit Sitz in Wiesbaden.
Der Vorgänger dieses Heimes war zuvor an der Waldsiedlung Wolfsklippen untergebracht, gegründet 1912 als Erholungsstätte für Braunschweiger Kaufleute. Zu jener Zeit wurden 45 Heime von dieser Gesellschaft in Deutschland unterhalten. Sie galten insgesamt als gemeinnützige Unternehmen.
Aufgenommen wurden solche Personen, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Lage nicht im Stande waren, sich selbst oder Familienangehörigen eine Kur zu ermöglichen. Einer der ersten Verwalter des Hauses hieß Hermann Bender und das ehemalige Hotel nannte sich jetzt Harzheim.
Auch rund um das Harzheim und ehemalige Hotelgelände hatte sich einiges verändert, so wurde unter anderem die jetzige Reichsstraße 4 (spätere Bundesstraße 4) ausgebaut. Deren Verlauf ging von Kiel über Hamburg durch den Harz bis nach Nürnberg. Das Kopfsteinpflaster am Ortsausgang in Richtung Torfhaus gab es noch bis um 1960.
Ebenso hatte eine der letzten Schleif- und Sägemühlen im Radautal, die mit Wasser betrieben wurden, ihren Betrieb eingestellt. Auf dem ehem. Gelände in Kurparknähe, gab es seit 1930 das neue Schwimmbad und Anlagen der Kurgärtnerei.
Dann kamen die Kriegsjahre und sicherlich änderte sich auch in dem Erholungsheim der Alltagsbetrieb. Nachfolger des Verwalters Bender wurde für viele Jahre Kurt Rixecker. Er leitete das Heim bis in die 1960er Jahre. Mitte der 1960er Jahre wurde aus der Deutschen Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime die Europäische Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime, ebenfalls mit Sitz in Wiesbaden. Die Verwaltung des Heimes lag jetzt in den Händen von Frau Elisabeth Picolin.

Im Februar 1967 erwarb der Hotelier Helmut Seela aus Braunschweig das dreiteilige Anwesen. Nach diversen Umbauten und erheblichen Investitionen, konnten schon im Herbst des Jahres Hotelbetten angeboten werden.
Das Stammhaus der Firma Seela gab es seit 1954 in Braunschweig und nannte sich Landhaus Seela, der ältere Name des Hauses war Gasthof Alte Mühle. Firma Seela hatte außer in Braunschweig und Bad Harzburg auch noch Hotels in Bad Lauterberg und Bad Kissingen.
Nach Übernahme des Hotels in Bad Harzburg mit ca. 100 Betten, wurde zusätzlich zum Hotelbetrieb eine Ferienfahrschule angegliedert. Zu Hochsaisonzeiten wurden bis zu 30 Fahrschulfahrzeuge eingesetzt. Die Fahrlehrer wurden damals im Stammhaus in Braunschweig geschult.
In diesen Jahren wurde erneut die jetzige Bundesstraße 4 ausgebaut, um eine bessere und schnellere Anbindung an den Hochharz zu ermöglichen. Vergessen waren die Zeiten, in denen vorherige Generationen auf gefährlichen und rutschigen Kopfsteinpflastern unterwegs waren.
Verschwunden war auch ein letztes Relikt, das noch an die jahrhundertlange Nutzung der Wasserkraft im Radautal erinnerte. Es war eine alte wassergetriebene Turbine im Hotel Seela, die bis 1968 ihren Dienst versah und Strom lieferte. Die Wartung und Betreuung der Turbine lag in Händen der Stadtwerke. Letzter verantwortlicher Monteur war Martin Blumeier.
Ab 1970 wurde dann das Hotel Seela vergrößert, die beiden alten Villen wurden abgerissen und durch größere Gebäude ersetzt. Zusätzlich kamen ein Hallenbad und eine Schönheitsfarm hinzu und so konnten im Jahr 1971 schon 193 Betten angeboten werden. Inzwischen wurde auch die Schnellstraße fertiggestellt, ebenso wie der Großparkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Nach Fertigstellung aller drei neuen Hotelbauten in den 1970 Jahren waren es insgesamt 124 Zimmer mit 250 Betten, die den Erholungssuchenden zur Verfügung standen. Beschäftigt werden in dem Harzburger Betrieb ca. 60 Personen.
Im März 1980 gab es einen Großbrand in dem Gebäudetrakt. Das Feuer richtete beträchtlichen Schaden an. Besonders betroffen waren Einrichtungen und Räume der Kegelbahn. Letztgenannte wurde zusammen mit dem Kegelbahnrestaurant im Spätsommer dieses Jahres wieder umgestaltet. Das Restaurant hat jetzt den Namen „Zum Zwölfender“ und wurde mit vielen Geweihen und zusätzlich mit ca. 50 alten Harzburger Motiven ausgestattet.
Bis heute werden alle Annehmlichkeiten geboten, die einen modernen Hotelbetrieb auszeichnen. Einzig der ältere Mittel- und Eingangsbereich erinnert noch an vergangene Zeiten und das ehem. Hotel Waldheim v. Hindenburg. Auch die Villa Ettersgrund gegenüberliegend gibt es noch. Sie ist heute im Besitz von Fam. Resa, Nachkommen von August und Georgine Hoeppner, den ehemaligen Besitzern der alten Nudelmühle im Radautal.
Der Beitrag entstand in den 2000er Jahren
Mehr Fotos rund um das Hotel Seela und die Vorgängerbauten auf Harz-History
Die aktuelle Website (2025) des Harz-Hotel & Spa Seela in Bad Harzburg
