Hotel Seela

Hotel Seela
Das Hotel Seela 1971, vier Jahre nach der Übernahme durch Helmut Seela.

Hotel Seela

An der Bundesstraße 4, der Nordhäuserstraße, gelegen, gibt es seit nunmehr über 40 Jahren das Hotel Seela. Doch bevor es diesen Hotel-Namen in Bad Harzburg gab, standen zuvor an gleicher Stelle andere Gebäude mit wechselnden Funktionen.

Angefangen hatte alles mit der oberen Herzoglichen Sägemühle im Radautal. Dies zu Zeiten, als die Wasserkraft noch der wichtigste Energielieferant für die dort ansässigen Firmen war. Ende 1860 wurde dann besagte Wasser-Sägemühle von der Herzöglichen Kammer in Braunschweig an den Ingeneur F. A. Fischer, aus Holzminden stammend, verkauft.

Der Ingeneur Fischer macht aus der Sägemühle, deren Geschichte bis ins Jahr 1680 zurückreicht, die Nudel- und Maccaronifabrik Ettersgrund. Der Name wurde abgeleitet vom Ettersberg, an dessen Fuß das Anwesen lag.

Die Nudel und Maccaroni-Fabrik Ettersgrund um 1890 im Radautal.

1868 wurde die Nudel- und Maccaronifabrik an den Weißgerbermeister August Hoeppner aus Wolfenbüttel verkauft. Später kam noch ein Teilhaber mit Namen Wrede hinzu und die Firma hieß jetzt Hoeppner und Wrede. Im Volksmund kannte man den Betrieb aber nur als Hoeppnersche Nudelmühle.

Erste Schlafgelegenheiten wurden ebenfalls schon um 1876 im Zeichen des aufkommenden Tourismus von Familie Hoeppner vermietet. Es handelte sich um zwei Kammern mit sechs Betten, die für Fremde angeboten wurden. Vermietet wurden die Zimmer in einem 1860 erbauten Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, dem Landhaus Ettersgrund.

Georgine, so hieß August Hoeppners Ehefrau, kannte sich mit dem Vermieten von Zimmern und dem Umgang mit Erholungssuchenden aus. Ihr Vater Eduard Roeder besaß zur damaligen Zeit zuerst das Hotel Bellevue und danach das Hotel Belvedere. Beide lagen an der Herzog-Julius-Straße und existieren schon viele Jahre nicht mehr.

Verkehrsmäßig stellte sich damals die Lage im Radautal nicht so dar wie in heutiger Zeit. Es gab als einzige Anbindung für größere Fuhrwerke die 1831 fertiggestellte Chaussee von Bad Harzburg nach Braunlage. Wobei dies aus heutiger Sicht nichts als ein besserer Schotterweg gewesen ist, auf dem man an andere Ziele im Radautal zum Torfhaus und nach Braunlage gelangte.

Die anderen Ziele waren unter anderem der 1838 angelegte Gabbro-Steinbruch und der durch einen künstlichen Kanal gespeiste Radau-Wasserfall, gebaut im Jahr 1859, sowie einige Forellenzuchtbetriebe. Ferner die beiden mit Wasserkraft betriebenen Holzstoff-Fabriken von Gustav Grätz und Adolf Weyland. Wobei die letzte Firma schon 1578 urkundlich erwähnt wurde, als Sägemühle des Andreas Weyland im Radauthal.

Beschäftigt wurden bei der Fa. Hoeppner und Wrede ca. 20 Leute. Hergestellt wurden Nudeln und Maccaroni, sowie Mehl allerfeinster Qualität. Für die Verteilung der Waren standen damals Pferdefuhrwerke oder Handkarren bereit. Durch die Anbindung Harzburgs an die erste Deutsche Staatseisenbahn seit 1838, konnte man die Erzeugnisse auch in entfernteren Gegenden präsentieren.

Das Hotel Waldmühle um das Jahr 1910.

1904 pachtete die Stadt Harzburg wegen der lange anhaltenden Dürre Quellen, die sich auf dem Hoeppnerschen Anwesen befanden. Danach wurden in Nähe des Grundstücks von der Stadt eigene Quellen erschlossen und man baute in den Jahren 1906/07 ein Wasserreservoir, um dem bestehenden Wassermangel vorzubeugen.

Nach dem Tod der Begründer leiteten die Wwe. Georgine Hoeppner, sowie August Hoeppner der Sohn des Firmenbegründers, die Nudelmühle. Der letzte Nudelmeister der Hoeppnerschen Nudel- und Maccaroni-Fabrik hieß Fritz Reinecke.

Der Betrieb der Nudelmühle lief dann bis etwa 1908. Danach wurde aus dem dreiteiligen Gebäudekomplex 1910 das Hotel Waldmühle. Die beiden anderen Sägemühlen im Radautal standen immer noch unter herzoglicher Verwaltung. Administrator war der Forstmeister Hermann Retemeyer. Beisitzer der Sägemühlenmeister Wilhelm Bülte und die Sägemühlenkasse verwaltete der Steuerinspektor Vogeley.

Erster Besitzer des Hotels Waldmühle war Arthur Schulz, doch schon 1912 gab es mit Hans und Walter Hüne dessen Nachfolger. Im September 1914 gab es einen Brand in dem Hotelgebäude. Alles wurde so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass an einen Wiederaufbau in bisheriger Form nicht zu denken war.

Das Einzige, was wohl noch funktionierte, war eine Turbine, die Wasserkraft in Strom umwandelte und auch noch lange Zeit ihren Dienst versehen hat. Das Wasser für die Turbine kam vom Philosophenbach, der hinter den Gebäuden seinen Verlauf hatte. Über ein Wehr gelangte das Wasser mit einem Sturz von ca. 15 Metern in den Turbinenraum, gelegen in einem Kellergeschoss des Hotels.

Danach lag das Areal einige Zeit brach und um 1917 entstand ein neues Hotel mit ebenfalls drei Gebäudeteilen. Es trug den Namen Waldheim von Hindenburg. Zusammen mit den Dependancen Villa Irmgard und Villa Anne-Marie wurden 50 Zimmer mit ca. 80 Betten angeboten.

Besitzer war Fam. Josef van Howe, mit Abstammung aus Flandern in Belgien. Die Nachkommen dieser Familie lebten noch bis zum Ende der 1980er Jahre in Bad Harzburg.

Aber auch diesen Hotelnamen gab es nicht lange im Radautal. Mitte der zwanziger Jahre wurde aus dem Hotel ein Ferienheim für Handel und Industrie. Zugehörig zur Deutschen Gesellschaft für Kaufmännische Erholungsheime e. V. mit Sitz in Wiesbaden.

Der Vorgänger dieses Heimes war zuvor an der Waldsiedlung Wolfsklippen untergebracht, gegründet 1912 als Erholungsstätte für Braunschweiger Kaufleute. Zu jener Zeit wurden 45 Heime von dieser Gesellschaft in Deutschland unterhalten. Sie galten insgesamt als gemeinnützige Unternehmen.

Aufgenommen wurden solche Personen, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Lage nicht im Stande waren, sich selbst oder Familienangehörigen eine Kur zu ermöglichen. Einer der ersten Verwalter des Hauses hieß Hermann Bender und das ehemalige Hotel nannte sich jetzt Harzheim.

Auch rund um das Harzheim und ehemalige Hotelgelände hatte sich einiges verändert, so wurde unter anderem die jetzige Reichsstraße 4 (spätere Bundesstraße 4) ausgebaut. Deren Verlauf ging von Kiel über Hamburg durch den Harz bis nach Nürnberg. Das Kopfsteinpflaster am Ortsausgang in Richtung Torfhaus gab es noch bis um 1960.

Ebenso hatte eine der letzten Schleif- und Sägemühlen im Radautal, die mit Wasser betrieben wurden, ihren Betrieb eingestellt. Auf dem ehem. Gelände in Kurparknähe, gab es seit 1930 das neue Schwimmbad und Anlagen der Kurgärtnerei.

Dann kamen die Kriegsjahre und sicherlich änderte sich auch in dem Erholungsheim der Alltagsbetrieb. Nachfolger des Verwalters Bender wurde für viele Jahre Kurt Rixecker. Er leitete das Heim bis in die 1960er Jahre. Mitte der 1960er Jahre wurde aus der Deutschen Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime die Europäische Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime, ebenfalls mit Sitz in Wiesbaden. Die Verwaltung des Heimes lag jetzt in den Händen von Frau Elisabeth Picolin.

Die Gebäude des Kaufmanns-Erholungsheims im Jahr 1932. 

Im Februar 1967 erwarb der Hotelier Helmut Seela aus Braunschweig das dreiteilige Anwesen. Nach diversen Umbauten und erheblichen Investitionen, konnten schon im Herbst des Jahres Hotelbetten angeboten werden.

Das Stammhaus der Firma Seela gab es seit 1954 in Braunschweig und nannte sich Landhaus Seela, der ältere Name des Hauses war Gasthof Alte Mühle. Firma Seela hatte außer in Braunschweig und Bad Harzburg auch noch Hotels in Bad Lauterberg und Bad Kissingen.

Nach Übernahme des Hotels in Bad Harzburg mit ca. 100 Betten, wurde zusätzlich zum Hotelbetrieb eine Ferienfahrschule angegliedert. Zu Hochsaisonzeiten wurden bis zu 30 Fahrschulfahrzeuge eingesetzt. Die Fahrlehrer wurden damals im Stammhaus in Braunschweig geschult.

In diesen Jahren wurde erneut die jetzige Bundesstraße 4 ausgebaut, um eine bessere und schnellere Anbindung an den Hochharz zu ermöglichen. Vergessen waren die Zeiten, in denen vorherige Generationen auf gefährlichen und rutschigen Kopfsteinpflastern unterwegs waren.

Verschwunden war auch ein letztes Relikt, das noch an die jahrhundertlange Nutzung der Wasserkraft im Radautal erinnerte. Es war eine alte wassergetriebene Turbine im Hotel Seela, die bis 1968 ihren Dienst versah und Strom lieferte. Die Wartung und Betreuung der Turbine lag in Händen der Stadtwerke. Letzter verantwortlicher Monteur war Martin Blumeier.

Ab 1970 wurde dann das Hotel Seela vergrößert, die beiden alten Villen wurden abgerissen und durch größere Gebäude ersetzt. Zusätzlich kamen ein Hallenbad und eine Schönheitsfarm hinzu und so konnten im Jahr 1971 schon 193 Betten angeboten werden. Inzwischen wurde auch die Schnellstraße fertiggestellt, ebenso wie der Großparkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Das Hotel Seela, das 1999 schon rund 250 Betten bot.

Nach Fertigstellung aller drei neuen Hotelbauten in den 1970 Jahren waren es insgesamt 124 Zimmer mit 250 Betten, die den Erholungssuchenden zur Verfügung standen. Beschäftigt werden in dem Harzburger Betrieb ca. 60 Personen.

Im März 1980 gab es einen Großbrand in dem Gebäudetrakt. Das Feuer richtete beträchtlichen Schaden an. Besonders betroffen waren Einrichtungen und Räume der Kegelbahn. Letztgenannte wurde zusammen mit dem Kegelbahnrestaurant im Spätsommer dieses Jahres wieder umgestaltet. Das Restaurant hat jetzt den Namen „Zum Zwölfender“ und wurde mit vielen Geweihen und zusätzlich mit ca. 50 alten Harzburger Motiven ausgestattet.

Bis heute werden alle Annehmlichkeiten geboten, die einen modernen Hotelbetrieb auszeichnen. Einzig der ältere Mittel- und Eingangsbereich erinnert noch an vergangene Zeiten und das ehem. Hotel Waldheim v. Hindenburg. Auch die Villa Ettersgrund gegenüberliegend gibt es noch. Sie ist heute im Besitz von Fam. Resa, Nachkommen von August und Georgine Hoeppner, den ehemaligen Besitzern der alten Nudelmühle im Radautal.


Der Beitrag entstand in den 2000er Jahren

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Die aktuelle Website (2025) des Harz-Hotel & Spa Seela in Bad Harzburg

Central-Hotel

Central-Hotel
Das Central-Hotel an der Herzog-Wilhelm-Straße in den 1920er Jahren

Das Central-Hotel

Werbung 1932

Auf der Herzog-Wilhelm-Straße, die früher einmal Hauptallee bzw. Neue Chaussee hieß, gibt es heute an der Ecke Holzhof ein Gebäude das, angefangen mit City-Markt und HL-Markt, stets Supermärkte und Drogerieketten beherbergte.  An dieser Stelle stand einmal aber das Central-Hotel, erbaut 1904 als Hotel Moritzburg von Moritz Arndt.

Dieser war Altwarenhändler wie in alten Geschäftsanzeigen zu sehen ist und hatte am Kupferbach Nr. 1 schon ein kleineres Hotel mit gleichen Namen. Aus diesem Haus wurde dann in späteren Jahren das Hotel und Gasthaus Albertsburg.

In Zusammenhang mit dem neuen Hotel von Moritz Arndt gibt es die Anekdote von Friedrich Erhardt, dass Neider folgenden Spruch an die Hauswand malten: Hier wohnt Moritz Arndt, vor seiner großen Schnauze wird gewarnt.

Markttreiben gab es an diesem Ort auch schon in früheren Zeiten, bevor 1904 die Morizburg gebaut wurde, fand hier der Harzburger Wochenmarkt statt.  

1910 war Besitzerwechsel und das Haus hieß einige Jahre Königs Hotel, wiederum nach dem Besitzer benannt. 1919 heißt es noch immer Königs Hotel, in den zwanziger Jahren kommt mit F. Hoppen der nächste Besitzer. Dieser gibt dem Haus auch einen anderen Namen, fortan nennt es sich Central-Hotel. In dieser Zeit wird auch der Saal umgebaut und vergrößert, 1929 steht F. Hoppen noch als Besitzer in den Unterkunftsverzeichnissen.

Das Restaurant Bräustübl im Central-Hotel in den 1950er Jahren

Im Jahr 1932 gibt es mit Bruno Bartel einige Jahre den nächsten Hotelier im Central Hotel. Bruno Bartel stammte wahrscheinlich aus Berlin, eine Anzeige der damaligen Zeit weist ihn als Mitglied der Gastwirtsinnung in Berlin aus.

1938 wurde Hanni Dörfer mit Sohn nächste Besitzerin des Hauses. Im Krieg wurde auch hier alles beschlagnahmt und das Hotel als Lazarettabteilung benutzt.

Das Ende 1976…

Gleich nach Kriegsende war das Central-Hotel einer der ersten Beherbergungsbetriebe, der in der englischen Besatzungszone wieder für Gäste offenstand.

Im Jahr 1948 verstarb Hanni Dörfer und ihr Sohn Adolf Bitzhenner übernahm vollends die Leitung des Hotels. In dieser Zeit und im Zeichen der Normalisierung nach den Kriegsjahren, fanden im Central-Hotel viele Vereine Möglichkeiten zur Zusammenkunft. So z. B. einige Gesangvereine, die AWO, der Schachclub, der HAC und der Skiclub, um nur einige zu nennen. Einige Zeit ist in den 1950er Jahren auch eine Geschäftsstelle des Harzburger Rennvereins im Central-Hotel untergebracht.

Im Zeichen des Wirtschaftswunders werden auch wieder Werbe-Verkaufsveranstaltungen durchgeführt. Busse mit dänischen und holländischen Gästen kamen wieder in den Harz und waren im Central Hotel herzlich willkommen.

1976 kommt auch für dieses Hotel das Aus, zusammen mit dem direkt angrenzenden Nebengebäude wurde es abgerissen. An gleicher Stelle stehen seither Supermärkte.


Mehr Fotos rund um das Central-Hotel auf Harz-History

Eggelings Hotel

Eggelings Hotel

Von Eggelings Hotel zum Rathaus

Titelblatt eines Prospekts um 1900

„Eggelings Hotel“ gab es früher an der Bergstraße, der heutigen Sternstraße. Gegründet 1856 von der Ehefrau des Bündheimer Gastwirtes Heinrich Meyer.

Der nächste Besitzer ist 1862 Heinrich Grünhage, ebenfalls aus Bündheim stammend. Im Jahr 1882 übernimmt die Witwe des Neustädter Kaufmanns Heinrich Bokelmann das Hotel. Danach heiratet die Witwe Bokelmann den Tonkünstler Eduard Eggeling, das Haus heißt nun Eggelings Hotel.

Zugehörig zum Hauptgebäude an der Bergstraße war auch ein Haus an der nahegelegenen Herzog-Julius-Straße. Dies nannte sich Hotel-Pensionat zu den Eichen, die Leitung hatte 1885 Else Eggeling.

Den Namen Eggeling gibt es später in Zusammenhang mit dem Burgberghotel, so gab es dort oben den Kaufmann Henricus Eggeling und den Hotelier Ludwig Eggeling.

1890 übernimmt der Hotelier Hermann Bokelmann das Geschäft, dieser steht bis etwa 1920 in den Harzburger Unterkunftsverzeichnissen. Anschließend wird noch kurzzeitig W. Funke als Besitzer aufgeführt.

Das einstige „Eggelings Hotel“ um das Jahr 1925 als Rathaus der Stadt Bad Harzburg.

1922 wird der Hotelbetrieb eingestellt und in dem Gebäude wird das Harzburger Rathaus untergebracht. Davor hatte die Verwaltung an der Schmiedestraße in der ehemaligen Villa Hansa ihren Sitz, dieses Gebäude gibt es heute noch. Es befindet sich am Eingang zum Badepark und beherbergt ein Senioren- und Pflegeheim.

Verwaltungssitz bleibt das ehemalige „Eggelings Hotel“ bis zum 20. Juli 1970, danach muss es mit einigen anderen Häusern dem Bau der Schnellstraße weichen. Betroffen sind u. a. Gebäude an der Herzog-Julius-Straße, der Kirchstraße (heute Lutherstraße), Burgstraße und der Wiesenstraße (Heute Amtswiese).

Mit dem Abriss ds einstigen Hotels und Rathauses wurde 1970 Platz für die B4-Ortsdurchfahrt geschaffen.

Danach wird ein neues Rathaus in zentraler Lage zwischen Herzog-Wilhelm- und Herzog-Julius-Straße in der Forstwiese errichtet, die Einweihung fand am 7. August 1970 statt.


Der Beitrag stammt aus den Jahren um 2000

Weitere Fotos zu „Eggelings Hotel“ unter Harz-History

Bodes Hotel

Bodes Hotel
Werbung für Bodes Hotel in den frühen 1960er Jahren.

Bodes Hotel: Aus „Asche“ entstanden

An der Ecke Papenbergstraße und der Straße Am Stadtpark in Bad Harzburg stand bis Ende des Jahres 1988 „Bodes Hotel“ mit seinen Nebengebäuden. Dies waren das Haus Bode und die Villa Bode. Nach dem Abriss von Villa Bode entstand in späteren Jahren ein Neubau, der sogenannte Londoner Flügel.

Aufenthaltsraum etwa 1955

Zuvor war an dem Ort, an dem später ein großes Hotel entstand, ein Bauplatz. 1886 kauft der Tischlermeister Hermann Nordmann diesen Platz an der Dommesstraße vom Konsul H.H. Meier aus Bremen.

Selbiger besaß zur damaligen Zeit schon einige Grundstücke und Häuser in Bad Harzburg, 1890 gab Hermann Nordmann den Bauplatz an die Gebrüder Hermann und Robert Asche wieder ab. 1891 bauten diese das Hotel Asche, es wurde ein großes Gebäude mit 55 Zimmern und etwa 70 Betten.

In dieser Zeit müssen auch schon Nebengebäude auf dem Grundstück hinzugekommen sein. In einem Unterkunftsverzeichnis von 1904 gibt es zugehörig zum Hotel eine Villa Asche an der Amsbergstraße.

Im Jahr 1910 wurde das Hotel an die Gebrüder Bode verkauft. Christian und Carl Bode führten das Haus danach viele Jahre als Hotel Asche weiter.

Um 1925 wurde das Haus dann in Bodes Hotel umbenannt. Während Carl Bode für den Hotelbetrieb zuständig ist, bewirtschaftet Christian Bode noch das Kurhaus, das Casino und Restaurationen Unter den Eichen.

Das Casino war die ehemalige Villa Radau, einstmals 1854 als Sommerwohnung von Konsul Meier erbaut. Das Casino nannte sich zur damaligen Zeit auch Winterkurhaus, heute befinden sich in dem Gebäude u. a. eine Orthopädische Arztpraxis, die Stadtbücherei und ein Therapiezentrum.

Der Name Bode bleibt viele Jahre mit dem Hotel verbunden, so stehen die Gebrüder Bode in den fünfziger und sechziger Jahren immer noch als Besitzer in den Verzeichnissen.

Ein ebenso häufiger wie gern gesehener und prominenter Gast: Uwe Seeler mit Derek und Thea Alton-Nagel in Bodes Hotel.

Im Krieg wurde auch Bodes Hotel als Lazarett gebraucht, zwei Söhne der Familie Bode fallen ebenfalls im Krieg. Der eine wird als vermisst gemeldet, der andere fällt tragischerweise einige Tage vor Kriegsende bei Kämpfen im Harz.

Nach dem Krieg diente Bodes Hotel als Lazarett und Rehabilitationsort für englische Offiziere. Die englischen Besatzer hatten zur damaligen Zeit rund 30 Hotels und Fremdenheime, sowie öffentliche Einrichtungen wie Casino, Kurhaus und Schwimmbad, um nur einige zu nennen, beschlagnahmt. Dies alles diente als Freizeiteinrichtung für englische Soldaten und hatte den Namen Leave Center.

Im Jahr 1949 wohnte laut Einwohnerverzeichnis von Bad Harzburg in Villa oder Haus Bode auch noch eine Amalie Asche, ein Name, den es schon 1890 gab.

Nach dem Abzug der englischen Truppen Mitte der 1950er Jahre, normalisiert sich der Hotelbetrieb und auch in Bad Harzburg blüht das Kur- und Bäderleben wieder auf. Auch die Gebrüder Bode gab es noch, wobei Christian der ältere von beiden war. Er wurde 1875 geboren und starb 1962. Carl Bode, der jüngere Bruder, war Jahrgang 1883 und verstarb 1957. Beide Brüder waren übrigens mit zwei Schwestern verheiratet. Christian mit Theodora und Carl mit Marta, beide Damen waren geborene Kröckel.

Das Schreibzimmer in den 1930er Jahren.

In der Zwischenzeit hatte ein weiteres Mitglied der Familie Bode, Thea Bode, den englischen Offizier Derek Alton-Nagel geheiratet. Auch die Straßennamen hatten sich geändert, aus der Dommesstraße, benannt nach dem ersten Badekommissar Hermann Dommes, wurde die Straße Am Stadtpark.

Nach dem Tod der Gebrüder Bode übernahmen Derek und Thea Alton-Nagel den Betrieb. Da die beiden aber oft im Ausland weilten, leitete in der Regel Frau E. Luther das Hotel.

Integriert in den Hotelbetrieb waren zur damaligen Zeit die Kosmetik-Institute bzw. Schönheitsfarmen der Firmen Ritter und Lutter.

In der Zeit von Derek und Thea Alton-Nagel, gab es im April 1972 einen Großbrand, bei dem die Villa Bode schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Schäden sind so groß, dass die Gebäudereste abgerissen werden, an gleicher Stelle wurde der schon erwähnte Neubau als Londoner Flügel errichtet.

Im Haus Bode, das durch einen überdachten und mit großen Panoramascheiben versehenen Gang mit dem Haupthaus verbunden war, gab es außerdem viele Jahre die Massagepraxis der Firma Kregel.

1986 erwarb Gerda Hoppe aus Berlin Bodes Hotel zusammen mit der Kurvilla Amsberg und dem Londoner Flügel, der Pächter des Geschäfts war H. W. May.

In der Nacht zum Heiligabend 1988, war dann die Zeit von Bodes Hotel vorüber. Ein Großbrand zerstört den dreiteiligen Gebäudetrakt so schwer, dass die Gebäudereste in deren Mauern auch viel Prominenz weilte, abgerissen werden mussten.

Schauplatz legendärer Partys: Die Schottenbar in Bodes Hotel.

Somit war wieder einmal eines der großen Hotels alter Prägung aus dem Bad Harzburger Stadtbild verschwunden. Ursache des Großbrandes war laut der Ermittlungen der Polizei Brandstiftung, die Schadenshöhe wurde auf rund zwei Millionen DM beziffert.

Das letzte Bad Harzburger Mitglied der Familie Bode, Thea Alton-Nagel, geboren 1920, wurde 1996 beerdigt. Ihr Ehemann Derek verstarb schon im Jahr 1983.

Heute stehen moderne Wohnanlagen auf dem einstigen Hotelgelände.

Nach dem Brand 1988 blieb das große Eckgrundstück viele Jahre ungenutzt. Seitens der Stadt wurde es lange als Standort für erneute Hotelbebauung ausgewiesen. Auch am stehengebliebenen und ungenutzten Londoner Flügel nagte der Zahn der Zeit.

Zusammen mit den wild wuchernden Büschen und Bäumen auf dem Grundstück ergab alles einen unschönen Anblick für Kurgäste und Anwohner.

In letzter Zeit wurde der Bebauungsplan geändert und die Firmen Behning und Junicke werden dort eine größere Wohnanlage nach bewährtem Muster errichten. Die Vorarbeiten begannen im April 2003 mit dem Abriss des Londoner Flügels und einiger baufälligen Garagen, die sich ebenfalls noch auf dem Grundstück befanden.


Der Beitrag stammt aus dem Jahr 2003

Mehr Bilder zur Geschichte von „Bodes Hotel“ im Internet unter Harz-History

 Beitrag von Harry Plaster zu „Bodes Hotel“ im Uhlenklippenspiegel Ausgabe 120/2017