Hotel Fürstenhof

Hotel Fürstenhof
Das Rex-Filmtheater im ehemaligen Hotel Fürstenhof an der Herzog-Julius-Straße in den frühen 1970er Jahren, nachdem der Mord an Besitzerin Dora Bräutigam Schlagzeilen gemacht hatte.

Das Hotel Fürstenhof

Ein größeres Hotel an der alten Chaussee, der heutigen Herzog-Julius-Straße, war der Fürstenhof. So der letzte Name des Hauses.

Erbaut 1876 von dem Restaurateur Gustav Maas aus Heudeper unter dem Namen Englischer Hof. Vermietet wurden damals 14 Zimmer mit 30 Betten. Auch eine Kegelbahn war schon erwähnt.  Nächster Gastwirt und Hotelier wurde 1881 Carl Niehus und 1888 dessen Schweizer Landsmann Johann Huber. Dieser war vorher auf der Waldgaststätte Sennhütte ansässig.

Der Englische Hof an der Alten Chaussee (Herzog-Julius-Straße) um 1880.

1889 nannte man den Gastwirt Adolf Schrader als nächsten Besitzer. Einige Zeit hieß das Haus deshalb auch Schraders Hotel und Gasthof. In diesen Jahren fanden die ersten Harzburger Pferderennen hinter dem Hotel statt.

Veranstaltet auf der sogenannten Großen Wiese zwischen Herzog-Julius-Straße, Ilsenburger Straße und der Kirchstraße von 1880 bis 1908. Danach wurden bis in die heutige Zeit die Pferderennen in Bündheim Am weißen Stein ausgetragen. Später war auf dem ehemaligen Rennbahngelände unter anderem ein Sportplatz beheimatet.

August Buhs hieß 1899 der nächste Besitzer des Hauses. Der Name des Hotels war wieder Englischer Hof. Alte Fotos zeigen, dass auch schon Theateraufführungen stattfanden. Im Jahr 1901 erwarb Gustav Böhmer das Hotel und nennt es in späteren Jahren dann Fürstenhof, in dieser Zeit wurde das Haus vergrößert, sowie der vorhandene Theatersaal erweitert.

Um 1898 firmierte das Haus unter „Schrader’s Hotel“ und wies bereits einen Theatersaal auf.

Angeboten werden jetzt 56 Zimmer mit ca. 90 Betten, der Hotel- und Theaterkomplex bestand aus zwei Gebäudeteilen. Davon ein Teil direkt an der Herzog-Julius-Straße und das größere Gebäude etwas erhöht dahinter liegend. Der Name Böhmer blieb bis in die zwanziger Jahre mit dem Hotel verbunden.

Nächster Besitzer war 1920 O. Richter danach um 1925 Otto Buge. 1932 standen Kurt und Wilhelm Wilke in den Verzeichnissen, 1936 übernimmt August Gierschewski das Hotel, danach W. Haberland. Prominentester Gast in dieser Zeit war der frühere Reichskanzler Adolf Hitler mit Gefolge.

Im Krieg ruhte auch hier der Hotelbetrieb, danach war das Haus zum Teil mit Heimatvertriebenen belegt. Letzter Hotelbesitzer bzw. Pächter ist 1949 Ferdinand Schwandt. Danach gab es nur noch Kino- und Theaterbetrieb im Fürstenhof.

Der Name des Lichtspieltheaters war Schauburg und es war neben den Kammerlichtspielen in der Radauburg und der Filmbühne im Juliushall das dritte Bad Harzburger Kino.  Kinobetreiber war Carl W. Bonse, dieser stammte aus Braunschweig und besaß dort schon ein Lichtspielhaus, welches jedoch in den Kriegsjahren ausgebombt wurde.

Kinowerbung für die Schauburg im Jahr 1953

Besitzer des Gesamtkomplexes Fürstenhof wurde um 1950 der Landwirt Botho v. Gamb Massauen. Ab 1956 dann eine Hotel Fürstenhof GmbH. Das Kino betrieb inzwischen die Fa. Dammeyer aus Bad Harzburg, diese besaß auch die erwähnten Kammerlichtspiele und die Filmbühne, die späteren Kur-Lichtspiele. Neben dem Kino war auch noch die Fürstenhofbar in den Räumlichkeiten untergebracht.

Hinter dem Gebäudekomplex vom Fürstenhof, wurde inzwischen auch wieder Sport geboten. Hier hatte der Fußballverein des BSV Harzburg seine Heimstatt. Dies galt bis zum Bau der neuen Durchgangsstraße in den sechziger Jahren. Danach ging der Sportbetrieb noch an der Waldhöhe weiter.

Der Abriss des „Fürstenhof“ im Jahr 1978.

Ende der fünfziger Jahre übernahm der Kaufmann Rudi Bräutigam als Pächter die Schauburg. Einige Zeit später erwarb er das ganze Anwesen an der Herzog-Julius-Straße. Überbleibsel des Fürstenhofes war ein Wohngebäude mit dem Fürstenhofkeller, besser bekannt als „Lilliputbar“, die in der Nachkriegs- und Besatzungszeit ihre besten Jahre hatte.

Pächter waren u. a. Mitte der fünfziger Jahre Kurt Camp und vom 1. November 1958 bis zum Ende im März 1962 Käte Ptach/Pfad. In der Zeit von Rudi Bräutigam wurde das Kino und Theatersaal von Grund auf modernisiert und umgebaut und hieß nun Rex-Filmtheater.  Auch Theateraufführungen fanden noch statt, bekannt war in dieser Zeit der sogenannte Künstlertreff. Hier saßen nach der Vorstellung Schauspieler und Theaterbesucher zusammen und diskutierten über das Stück und manches andere mehr.

Nach dem Tod von Rudi Bräutigam übernahm dessen Ehefrau Dora Mitte der sechziger Jahre das Anwesen und das Kino. Im Jahr 1972 kam diese dann bei einem heimtückischen Brand- und Mordanschlag ums Leben. Die Gebäude werden danach vollends abgerissen und die lange Zeit vom Fürstenhof, Theater und Kino war vorüber. Einige Zeit blieb das Areal unbebaut, bis 1979 mit dem Bau der Wohnanlage Fürstenhof begonnen wurde und diese 1980 bezugsfertig ist. Auch die kleine Zufahrtsstraße bekam den Namen Fürstenhof Weg als Erinnerung an längst vergangene Zeiten.

An die Stelle des einstigen Hotels und Kinos rückte die Wohnanlage am Fürstenhofweg (1999).

Quellenverzeichnis:  Einwohnermeldeb.; Hotelrospekte; HZ; Eig. Bildarchiv; Fotoarchiv Ahrens.


Der Beitrag stammt aus den 1990er Jahren

Mehr Bilder rund um das Hotel Fürstenhof und das Kino unter Harz-History