Wiener Hof

Wiener Hof
Das Hotel „Wiener Hof“ an der Bummelallee im Jahr 1970.

Das Hotel Wiener Hof

Zwischen der Herzog-Wilhelm-Straße und verbunden mit einer Einfahrt zur Herzog-Julius-Straße gab es seit 1929das Hotel Wiener Hof. In früheren Zeiten nannte man die Herzog-Julius-Straße  Alte Chaussee und die Herzog-Wilhelm-Straße wurde Neue Chaussee genannt.

Frühere Chronisten beschrieben das Grundstück mit der Ass-Nr. 63 im Besitz eines Zacharias Dammeyer. Etwa südlich der Saline Juliushall und dem ehemaligen Salzwerk liegend. Wahrscheinlich war auf dem Grundstück in Nähe der Saline und dem alten Salzwerk früher der sogenannte Salzkrug untergebracht

Bevor der Name Wiener Hof an dieser Stelle erschien, war dort Willes Kaiserrestaurant und Logierhaus untergebracht. Angegliedert waren auch die damals bekannten Rheingauer Weinstuben. Erwähnt wurden diese schon in einer Anzeige von 1885. Das ungefähre Baujahr der älteren Gebäude wurde mit 1871 angegeben.

Ansichtskarte von „Wille’s Logirhaus u. KaiserRestraurant.“, der Vorläufer des Hotels „Wiener Hof“ um 1900

Eigentümer der Restaurationen war lange Zeit Albert Wille sen. Der Familie Wille gehörte das ganze Grundstück zwischen dem ehemaligen Rheinischen Hof/Haus Vordereck und dem heutigen Berliner Platz. Erworben wurde es von der damaligen Harzburger Aktiengesellschaft, zu der neben dem Harzburger Hof und Kurhaus auch der naheliegende Konzertplatz „Unter den Eichen“ gehörte.

Das 1885 erbaute neue Wohnhaus von Familie Wille wurde Villa Flora genannt. Das markante an dem Gebäude, das es heute noch gibt, ist die Figur, die sich an der Südseite des Hauses befindet. Die Figur stellt die altitalienische Göttin der blühenden Vegetation dar. Hier von einem Künstler als junge Frau mit Blumenschale geschaffen.

Neben dem Restaurations- und Beherbergungsbetrieb unterhielt Albert Wille noch ein privates Fuhr- und Droschkengeschäft. Angeboten wurden fahrplanmäßige Fahrten in den Harz und zum Brocken. Platz für Pferde und Kutschen gab es auf dem großen Grundstück genug. Heute befindet sich dort das Cafe Sax, wo einstmals die Unterkünfte für Pferde waren.

Zusätzlich besaß Familie Wille noch ein Grundstück an der Schützenstraße, in dem ebenfalls Platz für Pferde und Droschken war. Außerdem gab es ein Haus und Grundstück der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Zimmermann an der Herzog-Julius-Straße, in die A. Wille sen. eingeheiratet hatte.

Im Kaiserrestaurant und Logierhaus mit einem Angebot von 16 Zimmern und 22 Betten, waren noch einige kleinere Läden untergebracht. Auch in der Villa Flora gab es elf Zimmer mit 19 Betten für Harztouristen. Einer der Läden war das Fotoatelier von Albert Wille.  Die Fotografie war das dritte Standbein von Albert Wille.

Das Hotel Wiener Hof in den 1930er Jahren.

Eine Rarität zur damaligen Zeit war 1896 ein fahrbares Fotoatelier auf dem Brocken, installiert auf einem Pferdewagen. Diese Zeit dauerte jedoch nur von Mai bis Oktober des erwähnten Jahres. Durch Querelen um den Standort des fahrbaren Ateliers und aufgrund zu geringen Gewinnes wurde das Unternehmen bald wieder eingestellt.

In einem Sommerwohnungsverzeichnis von 1904 führte immer noch Albert Wille sen. das Kaiserrestaurant und Hotel. In der Villa Flora indes stand schon Albert Wille jun. (geb. 1875) in den Verzeichnissen.

In diesen Jahren wurde das Kaiserrestaurant zwischenzeitlich auch verpachtet. So gab es 1905 einen Wirt namens Richard Weber. 1907 wieder A. Wille sen. und ab 1910 hieß der Wirt und Hotelier Fritz Köhler. Der Name des Hotels war jetzt nur noch Kaiserrestaurant, ebenso gab es auch Willes Fotoatelier nicht mehr. Das Fotoatelier leiteten inzwischen die Herren Köhler und Saemann. 1920 taucht der nächste Name im Kaiserrestaurant auf, der Pächter hieß A. Possow.

Das Hotel „wiener Hof“ Anfang der 1970er Jahre vor dem Bau der Bummelallee.

Danach übernahm der Wiener Benedikt Radek mit seiner Ehefrau Auguste das Geschäft. Im Jahr 1927 wurde das Gebäude um eine Etage erhöht und ab 1929 hieß es Wiener Hof. Das Fotoatelier hatte die Firma H. Fischer übernommen. Aus den ehemaligen Stallungen zwischen der Villa Flora und dem jetzigen Wiener Hof waren in den dreißiger Jahren längst Autogaragen geworden.

Auch eine kleine Tankstelle gab es nun und es wurden hauptsächlich Kraftfahrzeuge der Marken Borgward, Goliath und Tempo von der Firma Eugen Dienstbach betreut. Die Geschäfte in der Villa Flora, wozu das kleinere Gebäude immer noch gehörte, führte Emmi Wille, die Witwe von Albert Wille jun., der 1931 verstorben war.

1936 erwarb der Geschäftsmann Willi Bormann aus Westerode das Hotel. Familie Bormann besaß dort u. a. ein Milchgeschäft am Hohen Weg. Das Fotoatelier leitete noch einige Zeit die Fa. Carl Hartmann. Für Erholungssuchende standen inzwischen 26 Zimmer zur Verfügung. Die Kriegsjahre unterbrachen auch hier den Alltagsbetrieb.

Danach wurde der Wiener Hof von den englischen Besatzern als Leave-Center für Unteroffiziere und Mannschaften genutzt. 1952 stand der Wiener Hof wieder in den Unterkunftsverzeichnissen. Die Leitung des Hauses hatte immer noch Willi Bormann.

In der Villa Flora wurden von Emmi Wille noch Zimmer vermietet. Dies galt bis Ende der 1950er Jahre. Danach stand ein weiterer A. Wille mit Wohnsitz in New York als Hauseigentümer in den Einwohnermeldebüchern. Die Geschäfte der Pension führte inzwischen Frau E. Lehrmann. Aus der Tempo- und Goliath-Werkstatt war eine Fiat-Vertretung der Fa. Dienstbach geworden.

Am Wiener Hof war in jener Zeit das Kastanienbad untergebracht, die Leitung hatte Frau Elly Fritzke. Mit dem Extrakt von Rosskastanien wurden vielfach Venenleiden, Gewebeerkrankunken und auch Rheuma- und Gelenkerkrankungen behandelt. Anfang der sechziger Jahre wurden diese alten Gebäudeteile, in denen auch Fa. Moesgard ein Einzelhandelsgeschäft hatte, abgerissen.

Café Tolle (später Café Sax) am Hotel Wiener Hof um 1985

Im Jahr 1963 kam am Wiener Hof zusätzlich zum Altbau ein neuer Hoteltrakt dazu. Das Dachgeschoss beherbergte bis 1979 ein Terrassencafé und im Erdgeschoss gab es bis 1980 weiterhin den Lebensmittelhändler Moesgard, bekannt als der „Dänische Koopmann“.

Bei den Bauarbeiten Anfang der 1960er Jahre wurde ein Brunnen freigelegt, der in früheren Jahren das Wasser für die Pferde Ponys und Esel lieferte. Diesen Brunnen gibt es noch heute.

Im alten und neuen Hoteltrakt konnten jetzt ca. 45 Betten in 36 Zimmern vermietet werden. 1981 übernahm Peter Bormann als Nachfolger seines Vaters Willi das Hotel. Danach befand sich in dem Gesamtkomplex noch das Hotel mit Restaurant und Café. Das Bistro Cinema sowie ein Damen-Modegeschäft.

Im Jahr 2008 erwarb der Bad Harzburger Geschäftsmann Dirk Junicke den ganzen Komplex, um das Gesundheits- und Wellness-Hotel Plumbohms zu errichten. Aus dem Grund wurde im Mai 2009 das alte Gebäude komplett abgerissen und der jüngere Hoteltrakt aus den sechziger Jahren wurde zeitgleich von Grund auf saniert.

Aus der Villa Flora wurde inzwischen ein Privathaus. Zimmer wurden dort noch bis zum Jahr 2000 von Frau Lehrmann vermietet. Auch den ehemaligen Pferdestall zwischen beiden Häusern gibt es noch. Nach der Fiat-Vertretung gab es dort bis 1983 eine LADA-Agentur der Fa. Seifert. Danach war dort Tolles-Café und bis in die heutige Zeit befindet sich das Café Sax in den alten Mauern.


Der Beitrag stammt aus dem Jahr 2009

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Heute steht auf dem Areal das Hotel/Feriensuiten „Plumbohms“

Rheinischer Hof

Rheinischer Hof
Das Hotel Rheinischer Hof an der Herzog-Wilhelm-Straße zwischen Karl-Franke- und Berliner Platz.

Hotel Rheinischer Hof

An der oberen Herzog-Wilhelm-Straße in Bad Harzburg, zwischen Haus Vordereck und dem Wiener Hof, gab es das nächste Bad Harzburger Hotel im alten Stil. Es handelte sich um den ehemaligen Rheinischen Hof, so der letzte Name des Hauses bis zu seinem Ende.

Gegründet wurde das Hotel alten Überlieferungen zufolge 1887 von H. Bockmann als Bockmanns Hotel. Diesen Namen behält es bis um 1908, danach heißt das Haus kurzzeitig Central-Hotel, Besitzer Carl Müller.

Im Jahr 1909 übernimmt eine Harzer Hotel Gesellschaft, zu der u. a. die Gebrüder Vieth vom Hotel Victoria gehören, das Hotel. Eine Anzeige und alte Fotos von 1910 zeigen das Haus dann mit neuem Namen als Hotel Monopol, unter der Leitung von F. Bode. 1914 steht das Haus als Vieths Hotel Monopol unter der Geschäftsführung von Gustav Kahl in den Verzeichnissen.

Einige Jahre später, 1919, hat das Hotel den Namen Hansa Hof und ist immer noch im Besitz der Harzer Hotel Gesellschaft unter der Leitung von Carlos Asmus. Danach gibt es um 1920 mit G. Reinke die nächste Leitung des Hotels. Mitte der zwanziger Jahre übernimmt Bruno Heske für viele Jahre das Hotel, inzwischen in Rheinischer Hof umbenannt. 1938 steht dann Annemarie Heske in den Unterkunftslisten. Ab 1941 wird auch der Rheinische Hof als Lazarett benötigt.

Im Frühjahr 1945 verhandeln die Siegermächte in dem Hotel in Bad Harzburg über den Grenzverlauf zwischen Ost und West im Harz und Harzvorland. Die Sowjetischen Verhandlungsführer forderten etwa den Verlauf der Radau sowie der B 4 als Grenze der zukünftigen Sektoren. Nach schwierigen Verhandlungen und dem Beharren der westlichen Siegermächte, einigte man sich auf den Grenzverlauf an der Ecker zwischen Stapelburg und Eckertal.

Nach dem Krieg bis zum Ende der Hotel-Ära steht Frau A. Heske in den Verzeichnissen, aber immer wechselweise als Besitzerin bzw. Geschäftsführerin der Harzer Hotel GmbH. Einige Jahre nach dem Krieg kommt zusätzlich zum Hotel- und  Restaurations-Betrieb noch eine Milchbar hinzu.

Kurzfristig kommt auch eine Spielbank in den Rheinischen Hof, diese wird aber bald wieder geschlossen. In diesen Jahren bot auch die Tanzschule der Firma Seidewitz aus Göttingen im Rheinischen Hof Tanzkurse nur für Ehepaare an, zusätzlich gibt es an diesen Tagen nachmittags Kurse für Jugendliche und Kinder.

Auch für Unterhaltung ist gesorgt, am Anfang der 1960er Jahre gibt es an Wochenenden Tanz unter anderem mit der Band „The Four Gun-Men“. In dem Zeitraum von März 1965 bis November 1968, bringt die ehemalige Bad Harzburger Bekleidungsfirma Schmidt und Tischmeier zumeist türkische Gastarbeiter in dem Hotel unter.

Das Ende des Hotels kommt im Januar 1970, danach steht das Gebäude einige Jahre leer, im Februar 1979 geht das Haus an die Delta Bau GmbH über und wird im Lauf dieses Jahres abgerissen. Die Firma errichtet bis zum Jahr 1984, verbunden mit einigen Bauverzögerungen, an gleicher Stelle ein Wohngebäude, untergebracht sind auch mehrere Ladengeschäfte im Erdgeschoss.


Der Beitrag stammt aus den 1990er Jahren

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