Kaltwasser-Heilanstalt

Kaltwasser-Heilanstalt
Ansichtskarte von Albert Seebachs Kur-Bad im Krodotal im Jahr 1905.

Kaltwasser-Heilanstalt im Krodotal

Heute so gut wie vergessen, gab es versteckt im Krodotal um 1900 eine Institution, die der Gesundheit des Volkes und dem Fremdenverkehr dienen sollte.  Es handelte sich um eine Kaltwasser-Heilanstalt, gelegen in Schulenrode, wie es damals noch hieß.

Die Anlage lag auf einem großen Grundstück am heutigen Kapellenweg. Damals noch als Obere Krodostraße bzw. Krodostraße benannt. Auf dem Grundstück gab es zunächst ein Gebäude, das schon 1759 in einem Ass-Nr. Verzeichnis mit der Nr. 42 erwähnt wurde. Erstellt wurde dieses Verzeichnis 1938 mit den ersten 92 Harzburger Ass-Nummern von Robert Heinemann für den Harzburger Geschichtsverein.

Die niedrige Ass Nr. 42 des Hauses, lässt auf ein hohes Alter schließen. Ein genaues Baujahr, ist dem Autor nicht bekannt. Auch dürfte das Gebäude noch nicht die heutige Größe gehabt haben. Dazu passt auch eine Eintragung im Herzoglichen Baubestandsbuch des Kreises Wolfenbüttel/Amt Harzburg.

Der Kapellenweg und die Kaltwasser-Heilanstalt Anfang des 20. Jahrhunderts.

Daraus geht hervor, dass ein Wilhelm Brandes erst 1897 die Kaltwasser-Heilanstalt erbaute. Heute am Kapellenweg 5 liegend. 1898 erfolgte dann eine Wohnhaus Erweiterung des alten Gebäudes, heute Kapellenweg 4. Diese Wohnhauserweiterung kommt sicherlich fast einem Neubau gleich, weil Robert Heinemann in seinem Verzeichnis unter Ass Nr. 43 in der damaligen Krodostraße das Haus Nr. 15, heute Kapellenweg 4, als neues Haus bezeichnet.

Auch ist das große Wiesengrundstück inzwischen zweigeteilt. Den Namen Kapellenweg, früher im Volksmund Kirchweg genannt, gibt es seit den fünfziger Jahren. Er erinnert an eine kleine Kapelle am Fuß des Kleinen Burgbergs. Vorherige Chronisten geben das Baujahr mit 1075 an. Das Bauwerk war ca. 20 m lang und 11,90 m breit. Es stand dann rund 300 Jahre im Krodotal.

Danach gab es einige Ausgrabungen auf dem Areal. So auch 1899 unter Mitwirkung von Forstrat Nehring. Später war dieser 1902 Mitbegründer des Harzburger Altertums und Geschichtsvereins, wie sich der heutige Harzburger Geschichtsverein damals nannte.

Die schon erwähnte Wohnhauserweiterung vom Kapellenweg 4, diente für zusätzliche Unterkünfte und eine Restauration in dieser abgelegenen Ecke von Bad Harzburg. Ab 1892 durfte Harzburg sich Bad nennen und 1894 kamen die Stadtrechte hinzu.

Die Kaltwasserheilanstalt, nannte man im Volksmund auch Kitzelkammer. Nachfolger von W. Brandes wurden Albert Seebach und der Schlachtermeister Gustav Kühlewind. Letzterer besaß zusätzlich eine Fleischerei in der nahegelegenen Bergstraße, seit den 1970er Jahren in Sternstraße umbenannt.

Wie lange das Badewesen und die Restauration existierten, ist nicht genau bekannt. Vorherige Chronisten berichteten, dass der Kaltwasserheilanstalt keine lange Zeit beschieden war. Dies hatte sicherlich mehrere Gründe. Einer könnte die Abgelegenheit der Anlage gewesen sein.

Außerdem gab es seit 1898 das neue Badehaus Juliushall, das sicherlich mit mehr Komfort und mit Thermal- und Solewasser aufwarten konnte. Direkt gegenüber lag die Trink- und Wandelhalle, in der die Kurgäste bis heute das Heilwasser verkosten können.

Ganz in der Nähe gab es zudem noch weitere Heilstätten in dieser Zeit. Das waren die Jungborn Anstalt der Gebrüder Just, seit März 1896 im Eckertal in Stapelburg.  Weiterhin noch der Gesundborn des Herrn Hanke an der Ilsenburger Straße/Abzweig Wolfsklippen. Später nannte man die Anlage Sophienhöhe, unter anderem war dort lange Jahre ein Hamburger Schullandheim untergebracht. 2019 wurde das Gebäude abgerissen, nachdem es lange Zeit keine Verwendung fand.

Eine weitere Ansichtskarte aus dem Jahr 1905 wirbt für Albert Seebachs Kurhaus und Hotel.

Nach der Zeit der Kaltwasseranstalt im Krodotal gingen die beiden Gebäude in andere Hände über. Am Kapellenweg 4 gab es lange den Braunschweiger Kaufmann Walter Mewes als Eigentümer. Danach einige Zeit Mewes Erben.

In der heutigen Zeit hat sich dort eine junge Familie in der immer noch ruhigen Gegend angesiedelt. Einzig ein Gehweg und Zufahrt zum Gebäude Kapellenweg 5 führen am Haus vorbei.

In der Nr. 5 als Endgrundstück im Kapellenweg, war Frl. Anneliese Tuellmann Eigentümerin der ehemaligen Kaltwasser-Heilanstalt. Danach diente das Gebäude lange Zeit dem nahe gelegenen Diakonissen-Mutterhaus Kinderheil als Wohnraum für die betreuenden Geistlichen und der zugehörigen Bugenhagen-Kapelle. Zu nennen wären in diesem Zusammenhang Gustav Winner, Siegfried Gumpert und Hermann Flake als Geistliche der ersten Zeit nach dem Krieg  und 1954 zur Einweihung der Bugenhagenkapelle.

Sprachen vorherige Chronisten noch von einer Siedlung im Verborgenen und Heimstatt im Geborgenen, so hat sich in heutiger Zeit einiges verändert. Zum Diakonissenhaus gehört nun unter anderem die Pflegeeinrichtung Haus Felsengrund. Für diese neue Bauten mussten einige alte typisch Schulenröder Häuser weichen. Damit war die Beschaulichkeit und Ruhe im Krodotal vorbei und gebaut wird dort immer noch. Nur am Ende des Krodotales, am Kapellenweg 4 und 5, gibt es noch Beschaulichkeit und Ruhe für die Bewohner.


Dieser Beitrag stammt aus den 2000er Jahren

Der Beitrag erschien auch im Uhlenklippenspiegel | Ausgabe 128 / 2020

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