Hotel Stadt Hannover

Hotel Stadt Hannover
Die Hotels Lindenhof (links) und Stadt Hannover (rechts) Ende der 1940er Jahre am Bahnhofsvorplatz Bad Harzburg.

Hotel Stadt Hannover

Direkt neben dem Lindenhof gelegen, aber mit Hausnummer an der Herzog-Wilhelm-Straße, gab es das Hotel Stadt Hannover. Durch Besitzerwechsel wurde der Lindenhof einstmals zweigeteilt, es gab das Hotel Lindenhof zum einen und ein angrenzendes Materialwarengeschäft sowie die Bierstube des Chr. Bruns zum anderen.

Das Hotel Stadt Hannover in den 1960er Jahren.

Zuvor leitete Johann Heinrich Schröder den Kramladen und die Bierstube in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Bierstuben gab es einige zur damaligen Zeit rund um den Bahnhof, es waren Treffpunkte von Handwerkern und Gewerbetreibenden.

Christian Bruns baut das Lokal im Lauf der Zeit zum Hotel aus und nennt es Hotel Hannover, wie es noch in einem Artikel der Harzburger Zeitung von November 1927 zu lesen ist. Nachfolgende Besitzer sind Bruns Erben und um 1930 heißt das Hotel dann Stadt Hannover.

Später wird auch das Hotel Stadt Hannover geschäftlich zweigeteilt. Frau Meta Bruns ist zuständig für den Hotelbetrieb und Wilhelm Reiche betreibt die Gastwirtschaft. Dies bleibt bis zum Ende des Hotels Stadt Hannover um 1968.

Farbenfroh, aber nicht mehr Hotel Stadt Hannover: Das Gebäude im Jahr 2000.

Von 1969 bis 1985 war das Schuhhaus Litten in den Räumen untergebracht, diese Firma zieht dann in die untere Herzog-Wilhelm-Straße. Nach einigen Modernisierungen und Umbauten in den 1980er und 1990er Jahren gibt es in der heutigen Zeit Wohnungen und einen Spielsalon in dem ehemaligen Hotel.


Der Beitrag stammt aus den 2000er Jahren.

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Hotel Richthofen

Hotel Richthofen

Blick in den 1880er Jahren auf die Papenbergstraße. In der Bildmitte mit Doppelgiebel das damlige Haus Mon Repos, später Hotel Richthofen.

Hotel Richthofen

Ein weiteres altes Gebäude an der Papenbergstraße ist das heutige Hotel Richthofen. Erwähnt wurde es schon 1870 in Harzburger Fremdenlisten, die vom Badekommissariat erstellt wurden.

Damaliger Name des Hauses war Villa Mon Repos (Mein Zuhause). Ein späteres Verzeichnis von 1876 mit den Vermieternamen von Hotels und Pensionen führte den Namen Nicolai im Zusammenhang mit Mon Repos auf.

Der Gebäudekomplex gliederte sich in zwei Teile, versehen jeweils mit den alten Ass-Nummern 177 und 193. Angeboten wurden damals 35 Zimmer mit 58 Betten für Erholungssuchende.

Das Hotel Haus Richthofen in den 1930er Jahren.

Jahre später, etwa um 1895, wurde aus Teilen des Beherbergungsbetriebs ein Töchterpensionat des C. von Schmidt mit seiner Ehefrau, einer geb. von Münchhausen. Die Leiterin der Töchterschule war längere Zeit Fräulein Lia von Zobelditz. In der Hauptsache wurde Deutsch, Französisch und Englisch gelehrt.

Man empfahl sich als vorzügliches Lehr- und Haushaltspensionat für in- und ausländische Schülerinnen und auch andere Annehmlichkeiten wie eigene Warmwasserheizung sowie elektrisches Licht in allen Räumen wurde geboten.

Ältere Aufnahmen aus der Zeit zum 1910, zeigen das Gebäude dann mit der Bezeichnung Haus von Zobelditz. Inzwischen wurden auch bauliche Veränderungen in Form eines größeren Anbaues mit Balkonen zur Burgbergseite hin vorgenommen

Nach Fräulein von Zobelditz übernahm Familie W. Funke das Haus und gestaltete es wieder um in eine Hotel-Pension. Jetziger Name war Haus Manfred Freiherr v. Richthofen. Benannt nach dem Jagdflieger des ersten Weltkriegs, mit rund 80 feindlichen Abschüssen. Laut früherer Chronisten soll er einige Male in der Pension genächtigt haben. Deshalb auch die Namensgebung. Bekannt war der junge Mann als Roter Baron, weil er meist mit einem roten Doppeldecker auf Feindflug war. 1918 fiel er in Frankreich im Alter von 26 Jahren.

Um 1920 gab es nach W. Funke die Namen Hettling und Brocke in einem Harzburger Hotelverzeichnis. Mitte der zwanziger Jahre übernahm Frau Else Funke das Geschäft. Angeboten wurden jetzt noch 17 Zimmer, davon sieben mit Veranden bzw. Balkon, mit insgesamt 38 Betten. Der Preis für Vollpension lag zwischen acht und zehn Mark.

Ende 1929 übernahm der Major a. D. Hans von Haeseler (Ein Onkel des Freiherrn v. Richthofen) den Betrieb. Umbauten wurden auch vorgenommen, ausgeführt von der Bad Harzburger Baufirma Koch und Winkler. Es konnten nun noch einige Zimmer mehr mit Balkonen angeboten werden.

Blick vom Balkon eines Richthofen-Zimmers 1967 auf den Burgberg.

In den Kriegsjahren war Haus Richthofen, wie es inzwischen abgekürzt hieß, auch Lazarettstation. In der darauffolgenden englischen Besatzungszeit diente es einige Jahre als Erholungsheim für weibliche Angehörige der Royal Air Force.

Neue Besitzer gab es nach dem Krieg ebenfalls. Es waren Frau Frieda Schröder und Frau Dora Ilse Schwidopp. Diese Zeit geht bis um 1958, dann steht Frieda Schröder allein in den Unterkunftsverzeichnissen. Ältere Anzeigen aus den sechziger Jahren zeigen Haus Richthofen, Haus Elisabeth und Haus Irene gemeinsam.

Die beiden anderen Häuser lagen jeweils an der Straße Hinterm Kurhaus und man warb zusammen mit dem Oberbegriff „Insel der Ruhe“. Die drei Häuser hatten zusammen rund 80 Betten. Heute heißt die kurze Stichstraße, die von der Papenbergstraße zur Kurhausstraße führt, Am Kurpark.

Hotel Haus Richthofen und Café Rosé im Jahr 1977.

Pensionsbetreiber aller drei Häuser war damals einige Zeit Familie Kleeberg. Auch räumlich waren alle drei Häuser verbunden. Andere Pächter – und Besitzernamen vom Haus Irene und Haus Elisabeth waren früher und heute u. a. Fam. Sander, Geschw. Förster, Fam. Dieckmann und Fam. Valentin. Anfang der fünfziger Jahre war Haus Elisabeth auch eine Dependance des Burgbergsanatoriums.

Ende der sechziger Jahre hießen die neuen Besitzer im Hotel Richthofen Gertrud und Guido Bruns. Diese Ära ging bis 1984, zwischenzeitlich wurden weitere bauliche Veränderungen vorgenommen und das Café Rose der Konditorei Falkenhagen integriert.

Ab 1984 stehen dann Helga und Joachim Dolata für ca. zehn Jahre als Vermieter in den Hotelprospekten. Im Jahr 1995 gab es mit Familie Ramm die Nachfolger bis in die heutige Zeit in der Papenbergstraße Nummer drei und fünf.


Der Beitrag stammt aus den 1990er Jahren

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Hotel Schlemm

Hotel Schlemm
Das Hotel Schlemm wartete 1968 unter Leitung der Familie Kamski auch mit einem französischen Restaurant in einem Anbau auf.

Hotel Schlemm

Vis-a-vis dem Bodes Hotel stand an der Kurhausstraße Hotel Schlemm mit seinen Nebengebäuden. Vorher war das Haus bekannt als Villa Rautmann, schon erwähnt 1894 in einem alten Stadtplan von Harzburg. Dicht daneben an der Radau gab es ein 1876 als Eikens Haus bezeichnetes Gebäude, das wahrscheinlich in späteren Jahren zur Villa Rautmann gehörte.

Das Haus Schlemm in den 1920er Jahren

Um 1900 gibt es auf dem Grundstück drei Häuser, die Villa Rautmann als Hauptgebäude, eine Villa Ida und die Dependance von Villa Ida. Besitzer der Anlage war Carl Rautmann, zur damaligen Zeit waren in den drei Gebäudeteilen 50 Zimmer mit 86 Betten untergebracht.

Das Hotel Schlemm in den 1960er Jahren von innen und außen.

Carl Rautmann war auch Besitzer der Radauburg an der Herzog-Wilhelm-Straße, in dem Gebäude hatte er auch ein Geschäft mit Glas und Porzellanwaren. Die Radauburg wurde 1899 fertiggestellt und seit 1913 gab es ca. 70 Jahre Kinobetrieb in dem Gebäude. Auch in den alten Kolonaden Unter den Eichen hatte Carl Rautmann ein kleineres Geschäft ähnlicher Art.

Mitte der 1920er Jahre wird aus der Villa Rautmann das Hotel Schlemm, aufgegliedert in Hotel und Villa Schlemm. Besitzer war Richard Schlemm, das Hotel hatte jetzt noch 33 Zimmer mit 50 Betten, aus dem schon erwähnten dritten Gebäudeteil war ein Wohnhaus geworden.

Die Familie Schlemm leitet das Haus bis Mitte der 1950er Jahre, dann gab es mit E. G. Scheele den Nachfolger. In dem Wohnhaus auf dem Grundstück wohnten 1959 aber auch noch der Rentner Richard Schlemm sowie das Frl. Katinka Schlemm.

Anfang der sechziger Jahre gibt es für kurze Zeit den nächsten Wechsel, jetzige Hotelpächterin war Frau Ursula Helmel, die Besitzerin der Anlage war Gertrud Scheele. Im Jahr 1965 geht das Hotel in andere Hände über, Pächter wurde jetzt Romain Kamski.

Familie Kamski blieb lange Jahre mit dem Haus verbunden, zusätzlich zum Hotel gab es noch ein französisches Restaurant in einem Seitenflügel des Gebäudes. Mitte der achtziger Jahre wurde der Hotel- und Restaurationsbetrieb eingestellt, danach stehen die Gebäude einige Zeit leer.

Im Jahr 1989 gibt es in dem ehemaligen Hotelgebäude einen Brand im Dachgeschoss, hervorgerufen durch Brandstiftung. Im Dezember 1889 geht der Gesamtkomplex an die Firmen Hochbau Wolf und HSB GmbH, diese bauen das denkmalgeschützte Haus um und modernisieren es von Grund auf. Desweiteren gibt es heute auf dem ehemaligen Rautmannschen Grundstück noch zwei Wohnanlagen in Radaunähe.


Dieser Beitrag stammt aus den 1990er Jahren

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Hotel Germania  

Hotel Germania  
Das Hotel Germania am heutigen Derliner Platz in den späten 1950er Jahren mit Kiosk und Restaurant Hexenklause.

Hotel Germania  

An der ehemaligen oberen Herzog-Wilhelm-Straße, dem heutigen Berliner Platz, gibt es das Hotel Germania. In früheren Jahren hatte das Gebäude an der rechten Radauseite die alte Assekuranz Nr. 17. Erwähnt wurde diese Nummer unter anderem schon in alten Chroniken und Verzeichnissen von 1759, 1873 und 1875.

Dies jedoch für ein Gebäude an der Herzog-Julius-Straße. Hier hatte der Bäckermeister Herrmann Casties sein Geschäft und vermietete 1876 schon als Nebenerwerb drei Kammern mit sechs Betten. Der Preis für eine Kammer mit zwei Betten betrug 75 Mark pro Monat.

Es handelte sich dabei um das Haus, in dem auch zuletzt die Bäckerei Ebeling von 1935 bis 1996 ihren Sitz hatte. Im Jahr 1886 fand man die gleiche Feuerversicherungsnummer 17 an dem Haus an der Radau. Spätere Besitzerin wurde 1890 Witwe Johanne Casties geb. Warnecke, wie es in alten Beschreibungen hieß.

Erworben wurde das Grundstück von der damaligen Harzburger Aktiengesellschaft, zu der unter anderem das nahegelegene Kurhaus und der Harzburger Hof gehörten. Bedingung an eine Baugenehmigung war, dass man auf dem Grundstück kein Hotelgebäude errichten durfte.

Sicherlich war das spätere Anwesen der Familie Casties als Altersruhesitz gedacht und bekam deshalb die gleiche Ass-Nr. wie das Geschäft in der Herzog-Julius-Straße. In einem Sommerwohnungsverzeichnis von 1904 stand weiterhin Frau Johanne Casties in den Beschreibungen. Vermietet wurden im Parterre und Obergeschoss 12 Zimmer mit 20 Betten

Inzwischen gab es eine neue Adresse, das Gebäude stand jetzt an der Herzog-Wilhelm-Straße 49. Es war das letzte Haus, bevor der Straßenverlauf in die Nordhäuser Straße überging. Im Jahr 1907 wurde Villa Germania im damaligen Adressbuch als Hotel Garni bezeichnet. Eigentümerin ist immer noch Frau Johanne Casties. Mitbewohner im Haus war der Oberpostassistent Hermann Kleine.

Um 1918 hieß die Pensionsbetreiberin der Villa Germania Frl. Berta Vorkauf. Mitte der zwanziger Jahre gab es mit dem Bauunternehmer Wilhelm Sumburg einen neuen Eigentümer des Gebäudes.

Das Fremdenheim Haus Germania um das Jahr 1955

Ein Mitbewohner in dem Haus war unter anderem der Elektromeister Karl Petermann. Die Zimmervermietung lag in Händen der Familie von Wilucki. Anfang der 1930er Jahre gab es mit dem Reichsbahnobersekretär i. R. Heinrich Laue aus Hannover den nächsten Eigentümer des Hauses. Die Pensionsleitung hatte zunächst Frl. Lena Schrader und Mitte der dreißiger Jahre Frau E. Jergolla.

In dieser Zeit wurde ein Kiosk gegenüber der Villa errichtet. Verkauft wurden dort die Andenken und Spielwaren der Fa. Bertram, die in der Stadtmitte ihr Hauptgeschäft hatte. Erbaut wurde der aus Holz gefertigte Kiosk im Baustil der alten „Kolonaden Unter den Eichen“, die in der damaligen Zeit festen Bauten weichen mussten. In späteren Jahren wurde aus dem Gebäude das Café Germania und danach das Restaurant Hexenklause

Nach dem Krieg stand Ella Laue als Eigentümerin der Villa Germania im Einwohnerverzeichnis. Den Pensionsbetrieb leitete Hildegard Kauke. In den 1950er Jahren erfolgte auch der Zusammenschluss des Fremdenheims Germania mit dem ehemaligen Kiosk der Firma Bertram, jetziger Name war Café Germania an der Herzog- Wilhelm Straße 49a.

Die Leitung beider Betriebe hatte Hildegard Kauke inne. Pächter des Cafés war Erwin Mischke. An dem Gebäude befand sich auch seit 1951 der Durchgang in die Kuranlagen, ein Zigarrengeschäft und öffentliche Toiletten der Kurbetriebsgesellschaft.

Mitte der fünfziger Jahre war Hildegard Walter geb. Kauke Eigentümerin vom Haus Germania und der jetzigen Hexenklause. 1959 stand wieder Ella Laue als Eigentümerin in den Unterkunftslisten und Frau H. Kauke leitete die Pension und die Hexenklause. In dieser Zeit wurde aus dem Fremdenheim Germania das Kurheim Germania. Angeboten wurden 20 Betten. Preis pro Bett zwischen 4,- und 8,- DM, ein Frühstück gab es ab 2,- DM. Vollpension kostete je nach Beschaffenheit der Mahlzeiten 12,- bis 16,- DM. Leitender Arzt war Dr. med. H. Würschmidt. Kneippanwendungen gab es durch Fachpersonal im Haus.

Mitte der sechziger Jahre wurde wieder Frau Kauke Eigentümerin vom Kurheim Germania und der Hexenklause. Pächter war dort seit Anfang 1961 Werner Christmann und den Tabakladen nebenan leitete Martha Kluske. In dieser Zeit gab es wieder eine Änderung, aus der Herzog-Wilhelm-Straße wurde der Berliner Platz.

Ende der sechziger Jahre erwarb der Bad Harzburger Kaufmann Heinz Adam beide Geschäfte. Vorher hatte er einen Gemüseladen an der Burgstraße. Einige Häuser wurden dort aber im Rahmen des Straßenbaues der neuen Bundesstraße 4 abgerissen.

Am 1. September 1970, gab es einen erneuten Wechsel der Eigentumsverhältnisse. Nachfolger von Herrn Adam wurde Familie Wagner. Im Lauf der Jahre baute Familie Wagner die Fremdenpension und Kurheim nach und nach zum Hotel aus. So wurden 1975 36 Betten angeboten und 1980 waren es 49 Betten, die zur Verfügung standen.

In der Hexenklause war zwischenzeitlich ein Wechsel eingetreten. Neue Eigentümer nach Familie Christmann, war seit dem 1. April 1978 Familie Döpelheuer. Mitte der achtziger Jahre wurde der Anbau an der Hexenklause abgerissen. Dies geschah im Rahmen der Innenstadtsanierung und des Ausbaues der Herzog-Wilhelm-Straße zur kompletten Fußgängerzone.

Abgerissen wurde ebenfalls ein Kiosk und Infostand unterhalb der Hexenklause. In früheren Jahren hatte auch die Südharzeisenbahn und das Harzburger Busunternehmen Dreisvogt hier einen Stützpunkt. In dieser Zeit wurde die Hexenklause nach und nach ausgebaut und vergrößert.

Die 1892 gepflanzte „Kaisereiche“ im Jahr 2002 auf dem Berliner Platz.

Das Einzige, was damals wie heute noch am Berliner Platz an alte Zeiten erinnerte, war die 1892 gepflanzte Eiche. Gewidmet zu Ehren des 100 Geburtstages von Kaiser Wilhelm I., deshalb auch Kaisereiche genannt.

Ferner gibt es noch den Hinweisstein mit dem Berliner Bären, der auf die Entfernung zwischen Bad Harzburg und Berlin mit 262 Kilometern hinweist. Er steht heute auf einer Verkehrsinsel an der Papenbergstraße, am Abzweig nach „Berlin“ und Braunlage. Nach weiteren Erweiterungsbauten wurden 1990 im Hotel Germania  55 Betten angeboten.

1994 übernahm Vince Luthmann von Familie Döpelheuer die Hexenklause und nach dem Ende des Ausbaues am Hotel Germania gibt es in der heutigen Zeit 65 Betten für erholungssuchende Urlauber.


Der Beitrag erschien in den 1990er Jahren

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Die Website des Kurparkhotel „Germania“ in Bad Harzburg 2025

Rheinischer Hof

Rheinischer Hof
Das Hotel Rheinischer Hof an der Herzog-Wilhelm-Straße zwischen Karl-Franke- und Berliner Platz.

Hotel Rheinischer Hof

An der oberen Herzog-Wilhelm-Straße in Bad Harzburg, zwischen Haus Vordereck und dem Wiener Hof, gab es das nächste Bad Harzburger Hotel im alten Stil. Es handelte sich um den ehemaligen Rheinischen Hof, so der letzte Name des Hauses bis zu seinem Ende.

Gegründet wurde das Hotel alten Überlieferungen zufolge 1887 von H. Bockmann als Bockmanns Hotel. Diesen Namen behält es bis um 1908, danach heißt das Haus kurzzeitig Central-Hotel, Besitzer Carl Müller.

Im Jahr 1909 übernimmt eine Harzer Hotel Gesellschaft, zu der u. a. die Gebrüder Vieth vom Hotel Victoria gehören, das Hotel. Eine Anzeige und alte Fotos von 1910 zeigen das Haus dann mit neuem Namen als Hotel Monopol, unter der Leitung von F. Bode. 1914 steht das Haus als Vieths Hotel Monopol unter der Geschäftsführung von Gustav Kahl in den Verzeichnissen.

Einige Jahre später, 1919, hat das Hotel den Namen Hansa Hof und ist immer noch im Besitz der Harzer Hotel Gesellschaft unter der Leitung von Carlos Asmus. Danach gibt es um 1920 mit G. Reinke die nächste Leitung des Hotels. Mitte der zwanziger Jahre übernimmt Bruno Heske für viele Jahre das Hotel, inzwischen in Rheinischer Hof umbenannt. 1938 steht dann Annemarie Heske in den Unterkunftslisten. Ab 1941 wird auch der Rheinische Hof als Lazarett benötigt.

Im Frühjahr 1945 verhandeln die Siegermächte in dem Hotel in Bad Harzburg über den Grenzverlauf zwischen Ost und West im Harz und Harzvorland. Die Sowjetischen Verhandlungsführer forderten etwa den Verlauf der Radau sowie der B 4 als Grenze der zukünftigen Sektoren. Nach schwierigen Verhandlungen und dem Beharren der westlichen Siegermächte, einigte man sich auf den Grenzverlauf an der Ecker zwischen Stapelburg und Eckertal.

Nach dem Krieg bis zum Ende der Hotel-Ära steht Frau A. Heske in den Verzeichnissen, aber immer wechselweise als Besitzerin bzw. Geschäftsführerin der Harzer Hotel GmbH. Einige Jahre nach dem Krieg kommt zusätzlich zum Hotel- und  Restaurations-Betrieb noch eine Milchbar hinzu.

Kurzfristig kommt auch eine Spielbank in den Rheinischen Hof, diese wird aber bald wieder geschlossen. In diesen Jahren bot auch die Tanzschule der Firma Seidewitz aus Göttingen im Rheinischen Hof Tanzkurse nur für Ehepaare an, zusätzlich gibt es an diesen Tagen nachmittags Kurse für Jugendliche und Kinder.

Auch für Unterhaltung ist gesorgt, am Anfang der 1960er Jahre gibt es an Wochenenden Tanz unter anderem mit der Band „The Four Gun-Men“. In dem Zeitraum von März 1965 bis November 1968, bringt die ehemalige Bad Harzburger Bekleidungsfirma Schmidt und Tischmeier zumeist türkische Gastarbeiter in dem Hotel unter.

Das Ende des Hotels kommt im Januar 1970, danach steht das Gebäude einige Jahre leer, im Februar 1979 geht das Haus an die Delta Bau GmbH über und wird im Lauf dieses Jahres abgerissen. Die Firma errichtet bis zum Jahr 1984, verbunden mit einigen Bauverzögerungen, an gleicher Stelle ein Wohngebäude, untergebracht sind auch mehrere Ladengeschäfte im Erdgeschoss.


Der Beitrag stammt aus den 1990er Jahren

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Hotel Radau

Hotel Radau
Das Parkhotel Radau 1959, am rechten Bildrand das Café Peters

Parkhotel Radau 

Ein weiteres Hotel, das es im Stadtbild Bad Harzburgs nicht mehr gibt, ist das Hotel Radau mit seinen einstigen Dependancen Villa Livonia und Villa Radau. Das Hotel Radau stand gegenüber dem heutigen Café Peters an der Herzog-Wilhelm-Straße. Die Villa Radau befand sich an der Dommesstraße und Villa Livonia stand oberhalb des Hauptgebäudes in Richtung Burgberg.

Im Lauf der Jahre wechselten auch die Namen des Hotels. So hieß es in früheren Jahren Grand Hotel Radau und Hotel Radau, später dann Parkhotel an der Radau. Bevor jedoch auf dem Grundstück ein Hotel entstand, befand sich auf dem Gelände ein zur Saline Juliushall gehörendes Gradierwerk. Der Besitzer des damaligen Juliushall, F. Pfeiffer, verkauft das Grundstück an den Kaufmann August Strohmeyer. Dieser baut dann das Hotel, erwähnt im Jahr 1875, als Hotel Radau.

Das Hotel Radau und die dazugehörigen Villen im Jahr 1925

In dieser Zeit wird auch schon das Wohn- und Pensionshaus des Partikuliers Wolff genannt, versehen mit der seinerzeitigen Assekuranznummer 235. Ein Partikulier war im damaligen Sprachgebrauch ein Privatmann, bzw. Rentner oder Pensionär. Aus diesem Gebäude entstand in späteren Jahren die Villa Livonia, der Partikulier Wolff selber hatte drei Zimmer mit 16 Betten zur Verfügung.

Im Jahr 1892 übernahm Heinrich Assmann das Hotel, dieser leitete das Haus bis 1911. In der Zeit von Heinrich Assmann wird auch die spätere Villa Radau erwähnt. Zur damaligen Zeit war noch ein Sanatorium in dem Gebäude an der Dommesstraße untergebracht. In einem Stadtplan von 1894 wurde es als Sanatorium des Dr. Berliner bezeichnet. Im Jahr 1896 hieß es dann Sanatorium Dr. Plathner.

1911 übernimmt Carl Ebbinghaus das Hotel für rund 20 Jahre. In dieser Zeit wurden Villa Livonia und Villa Radau einige Jahre mit in den Hotel- und Pensionsbetrieb einbezogen. Um 1930 erscheint Friedrich Fründt als Besitzer in den Chroniken und Verzeichnissen. Im Jahr 1938 gab es dann Hans Friedrich Fründt in den Unterkunftsverzeichnissen.

Eine frühe Ansichtskarte des Hotel Radau.

1938 gibt es laut Einwohnerverzeichnis auch noch ein Fräulein Marie Assmann im Hotel Radau, sicherlich eine Verwandte von Heinrich Assmann, der das Hotel 1892 übernahm. Im Krieg werden auch Hotel Radau und Villa Radau als Lazarett genutzt. Aus der Villa Livonia war inzwischen ein Privathaus geworden.

Die ersten Bewohner der Villa Radau, die nach dem Krieg in das Haus eingewiesen wurden, berichteten, dass die meisten Räumlichkeiten noch mit Verbandsmaterialien versehen waren. Nachfolger der Familie Fründt wurde nach dem Krieg für lange Jahre Kurt Freudrich als Hotelpächter.

Als Besitzer des Hotels steht eine Harzer Hotel GmbH in den Verzeichnissen. Eine Gesellschaft die es um 1910 mit ähnlichen Namen schon einmal gab. Ende der fünfziger Jahre wurde Kurt Freudrich einige Jahre Besitzer vom Parkhotel an der Radau und der ehemaligen Villa Radau.

Diese wird in diesen Jahren zum Teil als Pension genutzt und heißt inzwischen Haus Margarethe, die Leitung hatten die Geschwister Henze. In der Zeit von Kurt Freudrich gab es auch die bekannte Jägerstube Suhle im Untergeschoss des Gebäudes. Pächter dieses Lokals war u. a. Rolf Mai. Ebenfalls gab es noch Billardsäle und einige Zeit die Weinstube Domizil von Gerhard Thrun in dem Hoteltrakt.

Im Jahr 1967 übernahm mit Otto Kumpe der nächste Besitzer beide Gebäude. Auch Fräulein Marie Assmann steht immer noch im Einwohnerverzeichnis der Stadt. 1967/68 wird auf dem parkähnlichen Gelände zwischen den beiden Gebäuden eine Wohnanlage errichtet. Die Leitung des Hotels hatten im Jahr1968 Frauke Berkefeld und Ernst Laube.

Optisch ganz sicher keine Verbesserung war der Nachfolgebau des Hotel Radau – trotz der Discothek Limerick.

Das Ende kommt für Hotel Radau nach rund 100 Jahren im Sommer 1970, danach wird das Gebäude abgerissen. Ungefähr ein Jahr später wurde ein großer Wohnkomplex an gleicher Stelle fertiggestellt, der Besitzer hieß Hans Joachim Anklam. Übriggeblieben sind aber die beiden ehemaligen Villen, in der heutigen Zeit als Wohnhäuser genutzt.


Der Beitrag stammt aus den 1990er Jahren

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Die Lutherkirche

Die Lutherkirche
Blick über Bad Harzburg im Jahr 1902, links im Bild der eingerüstete Rohbau der Lutherkirche.

Die Lutherkirche

Der Anfang

In Neustadt-Schulenrode, wie Bad Harzburg damals noch hieß, gab es schon 1891 ernsthafte Bestrebungen, eine größere Kirche zu bauen. Das Fassungsvermögen der alten Dorfkirche war zu gering und so wurde beschlossen, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen.

Etwa zeitgleich wurde der Antrag bei der Herzöglich-Braunschweigischen Administration gestellt, um eine Geldsammlung für den Kirchenfonds durchzuführen. Das Vermögen der Kirche belief sich damals auf ca. 6500 Mark und von der Stadt floss ein jährlicher Zuschuss von 500 bis 600 Mark in die Kirchenkasse.

Des Weiteren gab es noch Einkünfte von jährlich 25 Mark aus zwei Morgen Kirchenbesitz. Alles in allem bei weiten nicht genug, um ein größeres Kirchengebäude zu errichten. Die Hauptinitiatoren der Spendenaktion waren Pastor Hermann Eyme und der Hofbuchhändler Rudolf Stolle.

Ein erster Entwurf von Gustav Heine für einen Kirchenbau in Bad Harzburg. Der fehlende Turmbau könnte zum Scheitern des Entwurfs beigetragen haben.

Pastor Hermann Eyme wirkte von 1885 bis zu seinem Tod 1908 in Bad Harzburg. Geboren wurde er am 5. September 1838 in Langelsheim. Sein Weg führte ihn über Göttingen, Greene, Sauingen und Bettingerode nach Harzburg. Rudolf Stolles Geburtsort war Holzminden. Sein Geburtsdatum ist der 2. Juli 1858. Bevor er nach Harzburg kam, absolvierte er eine Lehre als Buchhändler in Hannover. Danach hatte Rudolf Stolle eine Anstellung bei der Fa. Zickfeldt, einem pädagogischen Verlag in Osterwieck.

Am 15. April 1892 gab es dann von der Herzoglichen Verwaltung in Wolfenbüttel die Genehmigung, für eine Spendensammlung zum Bau eines neuen und größeren Gotteshauses. Die Ortsteile Neustadt und Schulenrode wuchsen stetig und auch der Fremdenverkehr nahm konstant zu.

Die Einwohnerzahl beider Ortsteile belief sich auf ca. 3300. Die Gäste- und Passantenzahlen, wurden in damaligen Statistiken mit ca. 16.000 Besuchern angegeben. In dieser Zeit entstanden viele neue Hotels und Pensionsbetriebe. Neustadt und Schulenrode bekam ebenfalls 1892 den Status eines Heilbades zuerkannt. Neuer Name wurde jetzt Bad Harzburg.

In nächster Nachbarschaft des Kirchenareals gab es das Hotel Burgkeller und das Hotel Bellevue, die in dem aufstrebenden Ort Zimmer für Erholungssuchende anboten. Im Jahr 1894 wurden Bad Harzburg die Stadtrechte verliehen. Erster Bürgermeister war August Flotho.

Nachdem Bad Harzburg jetzt den Status Heilbad und Stadt hatte, vermehrten sich die Stimmen zum Bau einer neuen Kirche. Der ganze Ort war in euphorischer Stimmung, es gab viele besondere Veranstaltungen im Hinblick auf die Stadtgründung.

Sogar das Pferderennen auf der sogenannten großen Wiese wurde 1894 einmal im Juli und nochmals im September ausgetragen. Es gab inzwischen einen Spendenausschuss, um nach neuen Geldquellen für den Bau der neuen Kirche zu suchen.

Der Spendenfluss war nicht so üppig, wie man erhofft hatte. Im Jahr 1892 waren es bescheidene 676,80 Mark, die im Spendentopf landeten. 1893 kam mit 135,57 Mark noch weniger Geld zusammen. Auch im Jahr der Stadtwerdung 1894 hielt sich der Geldfluss in Grenzen, gesammelt wurden für den Kirchenfonds ganze 560,62 Mark.

So kamen viele Ideen zusammen, um mehr Geld in den Kirchenfonds zu bekommen. Pastor Eyme z. B. verfasste eigene Gedichte im Harzburger Anzeiger und der Erlös kam ebenfalls in den Spendentopf. Auch der von Kantor Otto Meyer gegründete Kirchenchor spendete das bei wohltätigen Konzerten eingenommene Geld. Im Lauf der Jahre kamen dabei über 1000 Mark zusammen.

Zusätzlich gab es im Harzburger Anzeiger, dem Vorläufer der Harzburger Zeitung, regelmäßig eine Spenderliste und den Aufruf zur Kirchenspende. Vermehrt wurden wohlhabende Harzburger Bürger angesprochen, für den Kirchenfonds Geld bereitzustellen.

In dieser Zeit kam vom Herzoglich-Braunschweigischen Konsistorium der Vorschlag, aus Kostengründen das Baumodell der 1888 erbauten Kirche St. Martini in Rhüden zu übernehmen. Die Harzburger waren davon nicht begeistert, eine andere Kirche zu kopieren. Ein Grund war, der Kirchenbau in Rhüden am Harz hatte lediglich ein Fassungsvermögen von 440 Personen.

Der Plan wurde schnell verworfen und man hoffte zuversichtlich, ein größeres Gotteshaus bauen zu können. Anlass war auch der höhere Spendenfluss einiger Bürger des Ortes. So gab es u. a. größere Geldzuwendungen vom Konsul Berkenbusch von insgesamt 3000 Mark.

Ein Blick in die Kostenrechnung der Lutherkirche

1897 hatte der Kirchenfonds Mittel in Höhe von 3490,64 Mark zur Verfügung. Ein Jahr später waren es 4960,68 Mark. Es gab auch Vorankündigungen von Geldspenden. So teilte der Rentner König mit, für den Fall des Kirchenbaues 6000 Mark bereitzustellen, daraus wurden letztendlich 10.700 Mark. Der Stationsvorsteher Geißmar spendete 1000 Mark, später dann noch einmal 3700 Mark.

Das Jahr 1899 war sicherlich mit entscheidend für den späteren Kirchenbau. Zum einen gab es eine beachtliche Schenkung von Frau „Hauptmann Clausius“. Die Summe betrug 20.000 Mark und in der  Spendenkasse befanden sich jetzt 27.574,61 Mark.

Des Weiteren nahmen Pastor Eyme sowie der damalige Stadtrat Landwehr Kontakt mit dem Architekten Gustav Heine auf. Dieser war auch Erbauer des neuen Städtischen Badehauses und der Wandelhalle im Badepark, die beide 1898 eingeweiht wurden.

Zusätzlich gab es am 16. Mai 1899 eine Sitzung des Kirchenvorstandes mit dem Ziel, die Vorarbeiten für den Kirchenbau in Angriff zu nehmen. Am 27. Feb. 1900 gab es eine weitere Sitzung des Gremiums. In dieser stellte Stadtrat Landwehr den ersten Kostenvoranschlag und einen Entwurf von Gustav Heine zum Kirchenbau vor.

Der erste Kostenvoranschlag belief sich auf die Summe von 170.000 Mark. Die Pläne des Architekten Heine fanden allgemeinen Anklang und es wurde beschlossen, diese zum Preis von 1,3 % Prozent der Bausumme zu erwerben.

Im Kirchenfonds befanden sich jetzt 36.659,42 Mark. Bei den Städtischen Behörden fanden Heines Pläne ebenfalls Zustimmung, und es wurden 74.000 Mark zum Kirchenbau bewilligt.

Auch das Herzogliche Konsistorium in Wolfenbüttel beurteilte die Heineschen Pläne wohlwollend und stellte ebenfalls einen Zuschuss in Aussicht.

Am 5. Sept. 1900 wurde Gustav Heine mit dem Bau des neuen Gotteshauses betraut. Inzwischen lag ein neuer Kostenvoranschlag von ihm vor, der eine Bausumme von 180.000 Mark beinhaltete.

Zusätzlich wurde eine Kommission zur Überwachung des Kirchenbaues gewählt. Die Kommission setzte sich aus sieben folgenden Personen zusammen: Vorsitzender und immer noch unermüdlich Pastor Eyme. Von den städtischen Behörden Bürgermeister von Stutterheim und Forstrat Nehring. Den Kirchenvorstand vertraten Zimmermeister Hartwieg, Stationsvorsteher Geißmar und Glasermeister Fricke.

Als idealer Bauplatz galt der Standort des alten Kirchengebäudes, das somit später dem Neubau weichen musste. Es verging dann fast noch ein Jahr, bis endlich die Vorarbeiten begannen. Seit den Anfängen und Denkanstößen zum Bau einer neuen Kirche im Jahr 1891, waren ca. zehn Jahre ins Land gegangen.

Am 06. Nov. 1901, stellte der Kirchenvorstand dann den offiziellen Antrag zum Bau des neuen Gotteshauses. Vermerkt unter der Nummer 1061 im Bau-Register des Amtsbezirks Harzburg, bei der Herzoglichen Kreisdirektion in Wolfenbüttel.

Der Kirchenfonds im Jahr 1901, wies die Summe von 44860,92 Mark aus. Ende des Jahres 1901 wurden die ersten Fundamentierungsarbeiten des Turmes begonnen. Es wurde so gearbeitet, das in der alten Kirche noch Gottesdienste abgehalten werden konnten.

Die Arbeit kam gut voran und schon am 10. Nov. 1901 fand die Grundsteinlegung des Neubaues statt. Anwesend war auch ein Vertreter der Kreisdirektion, sowie Abordnungen von städtischen Behörden. Auch die Harzburger Bevölkerung nahm großen Anteil an diesem feierlichen Akt. Am Totenfest dieses Jahres fand schließlich der letzte Gottesdienst und das Abendmahl statt.

Fast 500 Gläubige besuchten noch einmal ihre alte Kirche. Mit deren Abbruch wurde ein Tag später, dem 21. November begonnen. Das Gebäude mit angegebenen Baujahr 1592 war eigentlich noch in guten Zustand. Älteren Berichten zufolge gab es nur kleinere Mängel wie Schwamm an einigen Stellen und Stockflecke infolge von Wasserschäden.

Während der Bauzeit von 1901 bis 1903 diente die nahegelegene städtische Turnhalle in der Burgstraße, als   Ausweichquartier. Später gehörte das 1901 erbaute Gebäude zur Realschule und wurde 1992 abgerissen.

Die neue Kirche

Die Einweihung der Lutherkirche im Advent 1903

Der Harzburger Winter 1901/02 war sehr milde. Deshalb konnte fast ohne Unterbrechung an dem Bau gearbeitet werden. Im Januar 1901 verstarb der Leiter des Baues, Eduard Gustav Heine nach längerem Leiden im Alter von 57 Jahren. Der Architekt, 1843 in Halberstadt geboren und vorher in Hannover tätig, hatte seinen Wohnsitz schon einige Zeit in Bad Harzburg. Es war ihm nicht vergönnt, sein Bauwerk je vollendet zu sehen.

In Hannover war der Baumeister und Architekt Heine u. a. an Bauwerken wie dem Kestner- Museum und dem Umbau der Polytechnischen Schule zum Continental Hotel beteiligt. Die Bauaufsicht, sowie die Anfertigung der noch erforderlichen Detailzeichnungen zum Kirchenbau, wurde dem jungen Bauführer und Architekten Wilhelm Dohme übertragen. Bauführer Dohme war auch schon unter Heines Anleitung mit dem Bau der neuen Kirche vertraut. Die Oberleitung des Baues oblag jedoch Kreisbauinspektor Fricke in Wolfenbüttel

Im Jahr 1902 war der Spendentopf mit 45.599,04 Mark gefüllt. Am 30. August 1902 wurde unter großer Anteilnahme das Richtfest gefeiert. Wie allgemein zu sehen war, wurde es nach Fertigstellung ein imposantes Gebäude. Versehen war es mit drei Eingängen, u. a. dem Haupteingang von der Herzog-Julius-Straße. Daneben befand sich der Aufgang zum Turm. Gegenüber dem alten Pfarr- und Gemeindehaus an der damaligen Kirchstr. war der dritte Einlass. Dieses Bauwerk hatte nichts mehr mit dem ärmlichen kleinen Kirchlein gemein, wie spöttische Chronisten und Zeitgenossen das alte Kirchengebäude betitelten.

Die Außenmaße betragen ca. 40 Meter Länge und 20 Meter Breite. Der Turm sollte einmal die Höhe von 56 Metern erreichen. Der Kirchturm ist auch heute noch ein weithin sichtbares Wahrzeichen und wird von keinem anderen Gebäude in nächster Nähe überragt.

Erbaut wurde das Gotteshaus im frühgotischen Stil. Die Außenmauern wurden zum größten Teil aus weißem Sandstein hergestellt. Das Material stammte aus zwei Brüchen in der Nähe von Blankenburg im Harz. Ein Großteil der Innenausmauerung, besteht aus Braunschweiger Ziegelsteinen, die abwechselnd aus Kalkmörtel oder Zementmörtel hergestellt sind.

Sämtliche Dachkonstruktionen sind aus Tannenholz gezimmert und mit roten, glasierten Falzziegeln gedeckt. Die Dachziegel stammen von einer Fa. aus Möncheberg bei Kassel. Die oberste Spitze des Turmes ca. 11 Meter hoch, wurde mit Kupfer eingedeckt. Das darüber befindliche Kreuz hat eine Höhe von 2,60 Metern, der Querarm misst 1,50 Meter.

Diese Spitze wurde im April 1903 von 12 Zimmerleuten bei Sturm, Regen und Schnee errichtet. Es war für damalige Verhältnisse eine heikle Mission, aber alles verlief unfallfrei. Die elf Zimmerleute sowie ein Polier stammten aus Harlingerode, Schlewecke, Bündheim und Bad Harzburg.

Im 0,45 m Durchmesser großen und vergoldeten Turmknauf, hinterlegten die Handwerker einige Urkunden. Es waren eine Urkunde von der Grundsteinlegung, Belege über Spendenbescheinigungen und die Namen der am Turmbau beteiligten Zimmerleute.

Aus Bad Harzburg kamen Heinrich Schmidt, Heinrich Lohf, Carl Sievers, Wilhelm Sievers, Otto Bues, August Kasties, Wilhelm Wäterling und Heinrich Dahle. Wilhelm Bothe und Heinrich Niemeyer stammten aus Harlingerode. Aus Schlewecke kam Wilhelm Bothe, und aus Bündheim August Bothe.

Ende der fünfziger Jahre wurden Restaurationsarbeiten vorgenommen und auch der Turmknauf zum Teil erneuert. Leider war von den Urkunden nicht mehr viel übriggeblieben. Sie waren teils unleserlich, teils verwittert.

Damals muss ein reges Kommen und Gehen an der neuen Kirchenbaustelle geherrscht haben. Immerhin waren ca. 30 verschieden Firmen aus nah und fern am Bau beteiligt. Eigentlich sollte zu Pfingsten 1903 die Einweihung stattfinden, doch dieser Termin konnte nicht gehalten werden. Am 4. August 1903 gab es noch ein besonderes Ereignis zum Füllen des Spendentopfes. Der portugiesische Opernsänger Francesco d´Andrade gab eines von wenigen Konzerten in Bad Harzburg, und dies nur zum Wohle der Kirchenkasse. Der damals berühmte Sänger wohnte von 1899 bis 1921 zeitweilig in seiner schmucken Villa an der Nordhäuser Straße, um sich von seinen anstrengenden Konzerten in den großen Opernhäusern zu erholen.

Eingeweiht wurde das Gotteshaus schließlich am 1. Advent 1903. Eingeladen war auch Prinz Albrecht, der Regent des damaligen Herzogtums Braunschweig. Wichtige Staatsgeschäfte hielten ihn aber ab, an dem Festakt teilzunehmen. In seiner Vertretung nahm Geheimrat Trieps an der Feier teil. Die Feierlichkeiten begannen mit einer Abschiedsfeier in der Turnhalle, die als Ersatz für Gottesdienste und Abendmahlsfeiern gedient hatte. Danach gab es einen kurzen Festumzug, voraus gingen Schülerinnen und Schüler. Gefolgt von Geistlichen, welche die heiligen Gefäße und Bücher zur neuen Kirche trugen. Den Zug beschlossen Vertreter von Behörden, viele Ehrengäste und ein Großteil der Harzburger Bevölkerung.

Vor der neuen Kirche wurde der Kirchenschlüssel vom Baumeister an den Superintendenten und dann an Pastor Eyme überreicht. In der Kirche weihte Superintendent Wolleman assistiert von sieben Amtsbrüdern das Gebäude auf den Namen Lutherkirche. Die Namensgebung sollte an den Reformator Martin Luther erinnern. Geboren am 10. November 1483 und gestorben am 18. Februar 1546. Danach hielt Pastor Eyme die Festliturgie und die Festpredigt.

Die Kirche angelegt für über 800 Plätze, war zum Bersten voll. Die meisten Teilnehmer harrten draußen aus, obwohl schlechtes Wetter mit Schneeregen herrschte. Dem kirchlichen Festakt folgte nachmittags eine Festtafel mit 92 Teilnehmern im nahegelegenen Hotel Bellevue. Die Festschrift zur Einweihung verfasste der Baumeister Wilhelm Dohme.

Blick aus der Schmiedestraße auf die Lutherkirche im Jahr 1905

Etwas später wurden die genauen Baukosten bekannt gegeben. Letztendlich ergab sich die Gesamtsumme von 215.688,97 Mark. Gespendet, geschenkt und gestiftet wurde auch noch fleißig in der letzten Zeit vor der Fertigstellung. So u. a. noch einmal 10.250 Mark für die Orgel der bekannten Firma Sauer aus Frankfurt a. d. Oder, vom Ehepaar Fritz und Alette König. Die große Glocke mit Glockenstuhl im Wert von 4950 Mark war ein Geschenk der Eheleute Geißmar.

Die drei Chorfenster im Wert von je 1000 Mark stifteten die Herren Baron von Asche, Kommerzienrat Wessel und der wohlhabende Kaufmann Rautmann. Neben diesen größeren Geldzuwendungen gab es auch viele kleine Spenden. Dazu gehörten u. a. Altargedecke, Wachskerzen, Beleuchtungskörper und vieles Andere mehr. Die Opferbüchse war ein Geschenk der Bauhandwerker.

Frühere Chronisten berichten, dass fast jeder Harzburger Bürger ob arm oder reich, sein Scherflein zum Kirchenbau beigetragen hat. Auch ein Staatszuschuß in Höhe von 43.000 Mark wurde noch einmal gewährt. Die Stadt Harzburg bewilligte zu den ersten 74.000 Mark nochmals weitere 14.000 Mark für die anfallenden Baukosten.

Nachdem die Lutherkirche nun vollendet an ihrem Platz stand, verstummten auch die vielen Kritiker des Kirchenbaues. Es muss auf entscheidenden Sitzungen und Zusammenkünften hitzig zugegangen sein. Einigen erschien der Neubau zu teuer, anderen war er zu protzig. Von diesen Geschehnissen gab es später eine Posse in fünf Akten. Der Autor war kein geringerer als der bekannte Rechtsanwalt, Notar und Schriftsteller Rudolf Huch, der über vierzig Jahre in Bad Harzburg lebte.

Die Innenausstattung

Nach Betreten der Kirche durch den Haupteingang, befindet man sich unter der Orgelempore. Die dortigen Bänke sind wie im Kirchenparterre und der Gemeindeempore seitlich davon aus Kiefernholz. Die Sitzbänke sind geölt, gebeizt und lackiert. Der Fußboden unter den Bänken besteht aus Tannenholzdielen.

Die Gänge im Parterre und der Vorhallen sind mit roten Mettlacher Fliesen belegt, das Material der Türen im Innenbereich, besteht aus 46 mm starkem Kiefernholz. Die Türen im Außenbereich sind aus 65 mm starkem Eichenholz. Der Beschlag an diesen Türen, wurde von dem Kunstschlosser H. Bartels aus Braunschweig angefertigt. Die umfangreichen Decken- und Dekorationsmalereien, stammen vom Herzoglich-Braunschweigischen Hofmaler Adolf Quensen.

Einiges davon wurde 1958 mit Farbe übermalt. Damals wurden Teile der Kirche innen und außen renoviert. Mitbeteiligt war auch das Amt für Denkmalspflege in Braunschweig. Nach Ansicht der Behörde, sollte der neugotische Stil, was die Pfeiler und Decken betraf, stärker betont werden. Verschwunden waren die bunten Farben und man meinte, die Kirche sei schöner, klarer und heller geworden. Erst 1987 wurden Teile der Deckenmalerei bei Restaurationsarbeiten wieder freigelegt. Die Malerarbeiten übernahm Firma Linke aus Bettingerode. Der Chef selbst hatte einige Semester Kirchenmalerei studiert.

Es konnte damals aus Geldmangel nicht alles restauriert werden und wurde wieder gestrichen. In Richtung Altar und Kanzel, vor dem zweiten Kreuzgewölbe, hing lange Jahre ein großer Kronleuchter. Es war ein beeindruckendes  Kunstwerk aus Schmiedeeisen und Kupfer. Der größte Durchmesser betrug vier Meter. Ausgestattet war er mit 72 Kerzenhaltern. Hergestellt wurde er in Chemnitz in der Kronleuchter- und Brennwarenfabrik E. F. Barthel.

Einst der Blickfang beim Betreten der Lutherkirche: Der gigantische Kronleuchter der Kronleuchter- und Brennwarenfabrik E. F. Barthel.

Leider gibt es dieses markante Werk nicht mehr. Um 1965 verschwand der wertvolle Kronleuchter und die Nachfrage nach Verbleib des Leuchters blieb bisher ohne konkretes Ergebnis. Angeblich soll er von einer Harzburger Firma bei Restaurationsarbeiten in der Kirche mit dem Schneidbrenner zerstört worden sein. Das Warum und die Begründung der Zerstörung bleiben somit im Dunkeln.

Restaurations- und Reparaturarbeiten gab es in dieser Zeit einige. So wurden z. B. 1963/64 Sturmschäden am Turm beseitigt. Im Sommer 1965 gab es dann eine komplette Turm Reparatur. Ebenfalls repariert, wurden Teile des Daches. Verbraucht wurden ca. 10.000 glasierte Ziegel. Anfang der sechziger Jahre wurde auch im inneren der Kirche das Bildnis Glaube – Liebe – Hoffnung, von Prof. Kurt Edzard entworfen, an einer der Seitenwände angebracht.

Von den verbliebenen Kronleuchtern der Fa. Barthel, soll es in Deutschland nur noch vier ähnliche Exemplare geben wie einst in Bad Harzburg. Ein sogenannter Radleuchter ziert u. a. die Pfalzkapelle zu Aachen.  Der größte und älteste Leuchter mit ca. sechs Metern Durchmesser, hängt im Hildesheimer Dom.

Altar und Kanzel wurden aus Kalkstein gefertigt, der aus Königslutter stammte. Ebenso wie der Spitzbogen im Hauptportal, wurden die Ausstattungsstücke vom Hofbildhauer Wilhelm Sagebiel aus Braunschweig angefertigt.

Der Altar wurde im Baustil des Historisierenden Klassizismus erbaut. Im großen Altarfeld wurde u. a. die Kreuzigungsgruppe dargestellt. Hinter dem Altar befanden sich drei große Fenster. Ursprünglich wurden diese von dem Quedlinburger Glasmaler Ferdinand Müller angefertigt, wie alle anderen Fenster der Lutherkirche.

Das linke Fenster stellte Christi Geburt mit dem Stern von Bethlehem dar, dem Symbol für Weihnachten. Das mittlere Fenster zeigte das Bild der Auferstehung (Ostern) mit dem agnus dei, dem Lamm Gottes. Im rechten Fenster erblickte man die Ausgießung des hl. Geistes (Pfingsten), mit dem Symbol der Taube im runden Feld.

Alle drei Fenster, gibt es so nicht mehr. Sie wurden bei der Sprengung der Muna im Schimmerwald am Abend des 10. April 1945 zerstört. Erst viele Jahre später kamen neue wertvollere Fenster an die gleiche Stelle. Bis dahin gab es einfache Ersatzfenster.

Die neuen Fenster lieferte die Fa. Bucher aus Braunschweig, das Material war aus geschwammten Glas. Dabei passierte ein Missgeschick. Beim Einbau der Fenster stellte man fest, das mittlere Objekt war zu groß geraten, irgendjemand hatte sich beim Messen vertan. Aber da das Mittelfenster sich hinter dem Altar befindet, ist dieser Irrtum kaum sichtbar.

In den jetzigen Fenstern findet man die Symbole der Taufe und des hl. Abendmahls. Im mittleren Fenster ist das Christusmonogramm sichtbar.

Führt der Weg wieder dem Haupteingang zu, fällt der Blick auf die Orgelempore. Darauf steht die Orgel der Fa. Wilhelm Sauer aus Frankfurt a. d. Oder. Das Werk hatte 29 klingende Register, und ein erstes Manual mit elf Stimmen. Das zweite Manual hat zehn Stimmen, und acht Bässe. Die Orgel wurde 1903 als Opus 891 gebaut. Das Werk wurde damals in höchsten Tönen gelobt.

Sauer-Orgeln waren echte Meisterwerke. Die Harzburger Orgel konnte mit Instrumenten im Berliner Dom, im Bremer Dom oder in der Thomaskirche zu Leipzig konkurrieren. Abgenommen wurde die Orgel einige Tage vor der Kircheneinweihung am 25. Nov. 1903. Es spielte der Organist der Wolfenbüttler Hauptkirche und spätere Musikdirektor Ferdinand Saffe. Er bescheinigte der Orgel bezüglich ihrer musikalischen Wirkung und ihrer technischen Einrichtung das höchste Lob. Gehörte sie doch damals zu den neuesten und besten Werken, die es im Herzogtum Braunschweig gab.

Inzwischen mehrmals restauriert und verändert wurde die Orgel schon einige Male. Die erste Umbaumaßnahme sollte 1939 von der Orgelbaufirma Gebr. Sander übernommen werden. Dieses Vorhaben fand jedoch wegen der Kriegsereignisse nicht statt. Danach gab es Veränderungen in den Jahren 1951 sowie 1963. In diesem Jahr wurde die Orgel auf Wunsch des damaligen Kantors Herbert Spittler elektrifiziert und mit einem neuen Spieltisch versehen. Die nächsten Veränderungen an der Orgel gab es danach noch in den Jahren 1971 und 1974.

Beim letztgenannten Termin wurden die Manuale von 54 auf 56 Töne erweitert. Damalige Kritiker warnten davor, die Orgel zu sehr durch Veränderungen in Mitleidenschaft zu ziehen. Mit einer Sauerorgel hätte das Werk nichts mehr gemein.

Es dauerte bis 1997, als ein Fachmann für die Restauration speziell von Sauerorgeln, gefunden wurde. Es handelte sich um den Orgelbaumeister Christian Scheffler aus Frankfurt/Oder.  Firma Scheffler ist eine der Nachfolgefirmen der einstigen Firma Sauer. In mehreren Bauabschnitten wurde das Gesamtwerk rekonstruiert, um sie wieder auf den Sauerschen Standard zu bringen. Am ersten Advent 2001 konnte die Einweihung der Orgel stattfinden.

Die Sauer-Orgel in der Lutherkirche, aufgenommen im Jahr 2002

Die Kosten des Projektes betrugen 800.000 DM. Finanziert wurde die Summe zu Zweidritteln von der Luthergemeinde.  Durch Spenden, Benefizkonzerte und andere zahlreiche Veranstaltungen, innerhalb von sechs Jahren.

Vorbei am Eingang zur Orgelempore führt der Weg weiter in den Turm. Hier befindet sich das Glockengeläut und die Kirchenuhr. Die Uhr ist mit einem sogenannten Achttagewerk ausgestattet. Alle vier Zifferblätter werden von einem zentralen Uhrwerk gesteuert. Die Uhr schlägt zur vollen und zur viertel Stunde im Gleichklang mit den Glocken.

Die Zifferblätter, bestehen aus kupfernen und schwarzen Materialien, versehen mit vergoldeten Ziffern und Zeigern. Die Uhr, hergestellt von der Turmuhrenfabrik J.F. Weule in Bockenem, läuft nunmehr seit 100 Jahre fehlerfrei. Lediglich ein Zeiger und Teile vom Zifferblatt lösten sich vor einigen Jahren  und fielen neben die Kirche. Zu Schaden kam gottlob niemand. Inzwischen wurde das Uhrwerk gemeinsam mit dem Geläut von Hand- auf Elektrobetrieb umgestellt. Gewartet wird das Uhrwerk einmal im Jahr von der Fa. Hirtz aus Ulm.

Im Geschoss über der Uhrenstube befanden sich drei Glocken. Aufgehängt in einem stabilen, schmiedeeisernen Glockenstuhl. Die unterste Glocke mit Ton C war mit 36 Zentnern auch die schwerste. Versehen war sie mit der Inschrift „Ein feste Burg ist unser Gott“. Ferner die Aufschrift, „Der Lutherkirche von Bad Harzburg gewidmet im Jahre ihrer Vollendung 1903 von Julius Geißmar und seiner Ehefrau Helene“. Außerdem zierte das 40 cm. große Stadtwappen die Glocke. Hergestellt wurde das Werk in der Herzogl. Hofglockengießerei Franz Schilling zu Apolda/Thüringen.  Apolda war ehemals eine Hochburg im Glockenbau. Allein von 1722 bis 1988 wurden dort etwa 20.000 Glocken gegossen und in alle Welt versandt.

Über dieser großen Glocke hing ein kleineres, noch aus der alten Kirche stammendes Exemplar mit Ton ES. Diese Glocke hatte einen Durchmesser von 1.56 Meter und eine Höhe von 0,90 Meter. Gegossen wurde sie bei der Fa. J.J. Radler u. Söhne 1883 in Hildesheim. Ebenfalls aus der alten Kirche stammt die oberste, kleinste und älteste Glocke aus dem Jahr 1674 mit Ton G. Hergestellt wurde sie bei der Firma Heisemeier in Wolfenbüttel und hat einen Durchmesser von 0,96 Meter und eine Höhe von 0,79 Meter.

Alle drei Glocken waren aus Bronze. Leider wurden die zwei unteren Glocken des Geläutes in der Zeit des ersten Weltkriegs eingeschmolzen, und das Material wanderte in die Hochöfen. Lediglich die älteste und kleinste Glocke überlebte diese Zeit. Nach den Kriegsjahren um 1920 regten sich dann Bestrebungen den fast leeren Glockenstuhl wieder aufzufüllen. Einige Jahre stand nur eine Glocke zur Verfügung, deren Geläut nur einen eintönigen Klang hervorbrachte.  Für jemanden, dem Glockenläuten wie Musik erscheint, sicherlich ein Graus.

Daraufhin wurde wieder gespendet und gesammelt, und schon Anfang 1922 sollte der Neuguss von zwei Glocken gewagt werden. Da aber Inflationszeit herrschte, und Bronze knapp und sehr teuer war, kam jemand auf die Idee, die Glocken aus Stahl zu gießen. Diese Methode hatte jedoch den Nachteil, die Glocken aus Stahl waren für den Glockenstuhl. zu schwer.

Doch fachmännischer Rat fand auch hierfür eine Lösung. Es bestand die Möglichkeit, die Glocken höher abzustimmen, dadurch wurde Gewicht eingespart. Die Schwierigkeit lag aber auch darin, beide neue Glocken mit der bereits vorhandenen in Einklang zu bringen.

Im März 1922 wurden dann zwei neue Stahlglocken bei der Fa. Ulrich & Weule, ansässig in Apolda und Bockenem, bestellt. Die Glockenweihe fand am Pfingstsonnabend 1922 statt. Der Glockenstuhl mit dem neuen Geläut, versehen mit den Tönen C, ES und G, hatte jetzt stattliche vierzig Zentner zu tragen. Sicherlich das Höchstgewicht, das der hohe und schlanke Kirchturm mit seiner Statik verkraften konnte.

Im Jahr 2010, sechs Jahre nachdem dieser Beitrag entstand, erhielt die Lutherkirche neue Glocken.

Alle drei Glocken waren mit Widmungen bzw. Inschriften versehen. Die obere und älteste von 1674, hatte folgenden Text <Nach der gnadenreichen Geburt Christi des Heilandes, Erlöser, Seligmacher Menschlichen Geschlechts Da sechzehn hundert ward und siebzig vier geschrieben, Als Priester dieses Orts Theodoricus Wieben, Kirchenväter Heinrich Schmid und Nagelschmied Hans Koch, Und Wolfgang Ritzau trug das Schul- und Kirchenjoch Bin ich hier her gehängt den Wächter zum Drummeten, Damit dies Christenvolk die Stimme der Kirchenpropheten Zu hören eilt her. Solt auch Gefährlichkeit Entstehen dass jedermann, wenn ich dröhn, sei bereit. Heisemeier gos mich in Wolfenbüttel>. Die mittlere Glocke, von 1883, weist folgenden Text auf <DEO GLORIA DIE EINWOHNER HARZBURGS 1883 DEM VATERLAND GEOPFERT 1917 ERSATZ 1922>. Auf der Rückseite < Ulrich & Weule Apolda-Bockenem> .

Auf der unteren und größten Glocke steht < EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT MICH GOSS ULRICH UND WEULE IN BOCKENEM ALS ERSATZ FÜR DIE 1917 DEM VATERLAND GEOPFERTE GEIßMAR-GLOCKE BAD HARZBURG 1922>

Laut Aussagen einiger Zeitzeugen und Kirchenkenner hatte man vor, die mittlere  Glocke im zweiten Weltkrieg einzuschmelzen. Sie wurde 1944 demontiert und in ein Stahlwerk abtransportiert. Doch es gab scheinbar zum Ende des Krieges keine Möglichkeit mehr, solch eine Aktion durchzuführen. Nach dem Krieg kam sie deshalb über Umwege wieder an ihre alte Stelle zurück.

Bis in die heutige Zeit versieht das Geläut seinen Dienst. Abgesehen von einigen technischen Mängeln der Elektronik, z. B. bei Blitzschlägen, gab es nicht viel auszusetzen. Doch auch an den Glocken ging die Zeit nicht spurlos vorüber. Zusammen mit anderen Einrichtungen, soll das Geläut im Jahr 2004 eingehend geprüft werden. Dann wird man sehen, wie lange die drei Glocken noch über Harzburg klingen. Sollten neue Glocken erforderlich sein, gibt es sicherlich freiwillige Spender und Spendenaktionen, genau wie vor 100 Jahren. 

Solch ein Bauwerk wie die Lutherkirche ist  fast immer auf  Spenden angewiesen, um alles Instand zu halten.  Dazu trägt auch der Verlauf der Umgehungsstraße bei, der direkt seit 1971 an der Kirche vorbeiführt und schon 1978 und 1983 große Renovierungen durch statische Schäden im Inneren dringend erforderlich machte.

Vorgänger der Lutherkirche

Einer der Vorgänger der Lutherkirche war die schon einige Male erwähnte Dorfkirche von Neustadt – Schulenrode. Das Alter dieses Gotteshauses lässt sich nicht mehr genau festlegen. Lange Zeit wurde das Baujahr 1654 angegeben. Beim Abriss der Kirche 1901 fand man Überreste alter Bruchsteinmauern, die von einem Brand im Jahr 1550 stammten. Beim Turmabbau wurde des Weiteren ein kreisrunder Stein mit Inschrift gefunden. Der Text lautete < Anno domini 1592 H: B.>

Damit ist sicherlich das Baujahr der Kirche gemeint. Alle anderen Daten bezogen sich größtenteils auf Veränderungen des Gebäudes. Davon gab es bis zum Jahr des Abbruchs 1901 sehr viele. Nur einige sollen erwähnt werden. Schon im Jahr 1600 wurde der Turm verstärkt und ummantelt. Um dass bisherige Lehm- und Fachwerkgebilde wurde eine Mauer aus Bruchsteinen mit Gips- bzw. Kalkmörtel errichtet. Solch ein Material war für das raue Nordharzklima besser geeignet. Der Turm war 17 Meter hoch und die Ausmaße des Turmgrundrisses betrugen 8,50 mal 6,50 Meter. Die Grundmaße des Kirchengebäudes aus dieser Zeit, sind nicht mehr nachzuweisen.

 Der dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 verschonte auch Bad Harzburg nicht. Aktivitäten von sogenannten Harzschützen wurden mit der Entsendung von kaiserlichen Truppen beantwortet. Deren Kommandant Oswald von Bodendieck hatte den Auftrag, das Amt Harzburg gründlich zu zerstören. Kaum ein Gebäude kam ungeschoren davon. Sicherlich blieben auch Schäden an der Kirche als geistlichem Mittelpunkt der Gemeinde nicht aus. Ob das Gebäude teilweise oder ganz in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist nicht mehr festzustellen.

Fest steht aber, dass 1654, sechs Jahre nach dem Westfälischen Frieden von Osnabrück und Münster, auf den alten Mauern ein neues Kirchenhaus erbaut wurde. Der Kirchturm stand noch, wie alte Urkunden belegen. Die Ausmaße des Gotteshauses betrugen 19,50 Meter in der Länge und 11,50 Meter Breite. Im Inneren war für über 300 Kirchenbesucher Platz. 1674 wurde eine neue Glocke angeschafft, gegossen von der Fa. Heisemeier in Wolfenbüttel. In den Jahren danach wurden nur die notwendigsten Reparaturen durchgeführt. Die Armut war groß, und auch die Nachwirkungen des dreißigjährigen Krieges spürte man noch lange Jahre.

Blick auf Bad Harzburg (Neustadt-Schulenrode) um 1850, in der Bildmitte die Dorfkirche, an deren Stelle später die Lutherkirche rückt.

Im Jahr 1863 gab es dann wieder umfangreiche Umbauten. Verändert wurde der gesamte Innenraum. Dies betraf u. a. die Treppen und die Emporen, die erneuert und vergrößert wurden. Die Treppen verlegte man vom Turmäußeren in den Innenbereich der Kirche. Umgebaut wurden auch die alten Frauen- und Mannesstühle in ungeteilte Bänke, um mehr Sitzplätze zu schaffen. Zusätzlich wurde der Turm mit Zementputz überzogen und das Dach erneuert. Während der umfangreichen und langwierigen Bauarbeiten fand der Gottesdienst in Bündheim statt.

 Im Jahr 1883 wurde eine neue Turmuhr angeschafft. Hersteller war die Firma Weule in Bockenem. Im selben Jahr entschloss man sich zum Kauf einer zweiten Glocke. Die Herstellung lag bei der Firma Radler & Söhne in Hildesheim. Versehen war die Glocke mit folgender Inschrift < Zur Ehre Gottes und zum Andenken An den 400jährigen Geburtstag Dr. M. Luthers. Gottes Wort und Luthers Lehr Vergehen nun und nimmermehr. Mich goss J.J. Radler u. Söhne in Hildesheim 1883>. Zusätzlich war auf beiden Seiten ein Porträt Dr. M. Luthers angebracht. Versehen mit dem Spruchband „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“.

In den letzten Jahren der alten Kirche wurden dann nur noch einige Fenster verändert, um mehr Helligkeit zu schaffen. Für Licht sorgten noch Kerzen, die in der Kirche aufgestellt wurden. Auch die meisten Besucher brachten zu den Gottesdiensten Kerzen mit, um für mehr Wärme und Beleuchtung zu sorgen. An den Straßen brannten damals noch Gaslaternen. „Elektrisches Licht“ gab es in Bad Harzburg erst kurz nach 1900.

In der Zeit vor dem Abriss der alten Dorfkirche machte man sich Gedanken, was mit dem teilweise sehr alten und wertvollen Inventar geschehen solle. Es gab Bestrebungen zum Bau eines Museums an bzw. in der neuen Kirche. Doch obwohl der Neubau andere Dimensionen hatte als das alte Gebäude , wurde der Plan nicht verwirklicht. Daraufhin übernahm man einige Teile in das neue Gotteshaus. Dies waren u. a. zwei Epitaphien, zwei kleinere Figuren und eine Grabplatte, die heute außen an der Kirche ihren Platz hat. Des Weiteren befindet sich im Turmaufgang der Urkundenstein der alten Kirche von 1654. Übernommen wurden auch die beiden Bronzeglocken von 1674 und 1883.

Der Altar kam erst in ein Braunschweiger Museum. Dann war er einige Jahre ausgelagert nach Süpplingen am Elm. Seit 1951 hat er in der Bündheimer St. Andreaskirche seinen Platz und wurde 1985/86 nochmals restauriert. Die alte Turmuhr wurde ebenfalls erhalten und auf dem Dach der Bürgerschule an der Bäckerstr. installiert. Auch die alte Orgel, ursprünglich aus dem Kloster Dorstadt stammend und nicht mehr das neueste Modell, versah noch einige Zeit ihren Dienst in einer kleinen Dorfkirche im heutigen Kreis Wolfenbüttel. Viele alte Sachen, wie Messingleuchter, wertvoll geschnitzte Figuren und andere geistliche Gegenstände, kamen in den Müll.

Noch älter und heute wenig bekannt, war eine Kapelle bzw. Kirche am Fuße des Burgbergs unter der damaligen Harzburg.  Das Gebäude befand sich fast am Ende des Krodotales im späteren Ortsteil Schulenrode. Der Begriff Schulen stammt aus der mittelniederdeutschen Sprache und kommt vom Wort Schaulen. Die Deutung lag bei versteckt oder verborgen liegend. In alten Schriften wird auch eine dichte Dornenhecke erwähnt, die es am Eingang des Tales gab, um den Zugang dorthin zu erschweren. In alten Schriften wurde das Krodotal auch als Tal der Zuflucht bezeichnet.

Als Baujahr des Gotteshauses wurde ungefähr 1073 angegeben. Erbauer der einschiffigen Kirche dürfte der Baumeister Heinrichs IV., Benno von Osnabrück, gewesen sein. Die Grundmaße des im romanischen Stil erbauten Gebäudes betrugen über 20 Meter äußere Länge. Die äußere Breite war mit 11,90 Meter angegeben. Das Kirchenschiff hatte eine Länge von 18,20 Meter und eine Breite von ca. 10 Metern. Als Baumaterial wurde vorwiegend Kalksandstein, aus Harzer Bruchsteinen gewonnen, verwendet. Für die Fundamente nahm man sogenannten Grauwacken-Hornfels.

Ein hartes Gestein, das sicherlich auch in der näheren Umgebung abgebaut wurde. Die Kirche hatte einen westlichen Vorbau und eine Apsis nach Süden hin. Bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass die Grundmauern des westlichen Anbaues auf eine besondere feste Bauweise hinwiesen. Daraus ergab sich der Schluss, dass dort nicht nur eine einfache Eingangshalle war, sondern ein Turmvorbau auf dem sich evtl. der Glockenturm befand.

Diese Kirche bzw. Kapelle stand dort bis ins hohe 13. Jahrhundert. Bei späteren Ausgrabungen und bei der zunehmenden Bebauung des Krodotales, fand man viele Gegenstände und andere Mauerreste. Daraus konnte geschlossen werden, dass sich außer der Kirche noch einige andere Gebäude dort befanden. Es handelte sich dabei sicherlich um Unterkünfte für Geistliche und deren Bedienstete. Des weiteren wurde berichtet, dass um 1750 noch Grundmauern der Kirche sichtbar gewesen seien.

Ausgrabungen im Krodotal gab es in früheren Jahren auch des öfteren. Eine bedeutende Grabung nach Kirchenresten begann im August 1899. Ein Beteiligter war u. a. der Forstrat Nehring. Auf Grund seiner Erkenntnisse aus diesen Grabungen und seinem Geschichtsinteresse, wurde er 1902 Mitbegründer des Harzburger Altertums- und Geschichtsvereins, vollzogen im ehem. Hotel Stadt London. Die nächste Aktion an dern alten Kapelle folgte 1905/06. Weitere Nachforschungen fanden auch in den dreißiger Jahren statt. Die letzte größere Ausgrabung gab es in den Jahren 1948 und 1949. Bei diesen letzten Aktionen wurden auch viele Erkenntnisse gesammelt, die in der heutigen Zeit von Geschichtsinteressierten und Heimatkundlern noch verwertet werden. Ansonsten erinnert nur noch der Kapellenweg, im Volksmund früher auch Kirchweg genannt, an das ehemalige Gotteshaus im Krodotal.


Der Beitrag entstand um das Jahr 2004

Mehr Fotos rund um die Lutherkirche auf Harz-History

Mit einer Artikelserie ging auch der Uhlenklippenspiegel des Harzburger Geschichtsverein auf die Lutherkirche ein:

100 Jahre Lutherkirche (Hans Herrmann Wedekind) 060/2001

100 Jahre Lutherkirche, Teil 2 (Hans Herrmann Wedekind) 061/2002

100 Jahre Lutherkirche, Teil 3 (Hans Herrmann Wedekind) 062/2002

100 Jahre Lutherkirche, Teil 4 (Hans Herrmann Wedekind) 063/2002

100 Jahre Lutherkirche, Teil 5 (Hans Herrmann Wedekind) 064/2002

100 Jahre Lutherkirche, Teil 6 (Hans Herrmann Wedekind) 965/2003

Salzschreiberhaus

Salzschreiberhaus
Altes Salzschreiberhaus mit Bad Juliushall um 1870

Das alte Salzschreiberhaus

An der vor 170 Jahren eingeweihten Ilsenburger Straße gibt es ein Gebäude mit einer sehr langen Geschichte, obwohl es dort erst 100 Jahre steht. Das Haus hat die alte Ass-Nr. 639, danach die ehemalige Hausnummer 28. ausnummerH Es ist heute mit der Hausnummer 40 versehen. Einst jedoch gehörte das Gebäude zum Komplex der ehemaligen Harzburger Saline Juliushall. 

Diese lag in etwa zwischen der heutigen Schmiedestraße, der Herzog-Julius-Straße, der Straße  Am alten Salzwerk und der Radau. Fertiggestellt wurde es laut Amtlichem Harzburger Bauregister auf einem größeren Grundstück an der Ilsenburger Straße im Jahr 1912. Bauherr war der Bad HarzburgerarzburgewrH Rechtsanwalt Eduard P.G. Edner.

Bestand hatte die Saline von 1575 bis um 1850. Benannt nach ihrem Namensgeber, dem Herzog Julius von Braunschweig und Wolfenbüttel. Geboren im Jahr 1528 und gestorben Anno 1598. Seine Amtszeit ging von 1568 bis 1589.

Das Salzschreiberhaus muss wohl zu den ältesten Gebäuden gehört haben. Laut alter Akten ist es vor 1626 erbaut. In diesem Jahr brannte es ab. Es wurde dann wieder aufgebaut und diente bis um 1849 weiter als Salzschreiberhaus.

Im Jahr 1758 weilte Heinrich Prinz von Preußen mit Gefolge in dem Gebäude. Er war wegen der Franzosenkriege auf Durchreise in Neustadt-Schulenrode, wie Bad Harzburg damals noch hieß. Salz hatte in diesen Zeiten einen hohen Stellenwert. Es wurde nicht umsonst als weißes Gold bezeichnet.

Somit hatte auch das Amt des Salzschreibers eine hohe Bedeutung. Dieser war direkt dem Herzog unterstellt und verwaltete den Handel mit der wertvollen Ware. Sein wichtigstes Hilfsgerät war die sogenannte Salzspindel/Salzwaage, für den täglichen Gebrauch.

Zumeist wurde das Salz aber zuerst in größeren Blöcken gewonnen, ehe es dann zerkleinert in den Handel kam. Evtl. hatte der Salzschreiber auch mit dem Entrichten der Salzsteuer zu tun, die in früheren Zeiten mancherorts erhoben wurde.

Nachdem der Salinenbetrieb ab 1849 nach und nach eingestellt wurde, verkaufte die Herzogliche Kammer im Jahr 1851 die Saline und Teile des großen Grundstückes. Erworben hatte es der Zimmermeister Martin Scheibe. Dieser erbaute dann ein Solbad sowie eine Wasser- und Molkenheilanstalt auf dem Gelände.  Das ehemalige Salzschreiberhaus wurde mit einbezogen und diente u. a.  als Unterkunft für Erholungssuchende.

1853 wurde der Architekt und Kaufmann E. Pfeiffer Miteigentümer dieser Anlage auf dem ehemaligen Salinengelände. Zusätzlich kam zu den Kur-und Badeeinrichtungen ein Hoteltrakt hinzu. Nach und nach verschwanden die alten Anlagen der Harzburger Saline.

Im Jahr 1883 ging der Komplex an Gustav Pohl aus Hamburg und den Baron Freiherr Friedrich. v. Asche. Beide Kaufleute waren auch Begründer der Harzburger Brunnengesellschaft, heute als Bad Harzburger Juliushaller Mineralbrunnen bekannt.

Im Jahr 1897 erwarb die Stadt Harzburg einen Teil des Geländes. Danach wurden das Städtische Badehaus und die Wandelhalle dort errichtet. Dafür mussten noch mehr Gebäude der alten Saline den neuen Bauten weichen. So auch um 1910 das ehemalige Salzschreiberhaus. Es ist aber nicht wie andere Gebäude beim Abriss zerstört worden. Die einzelnen Bauelemente wurden danach für einige Zeit zwecks späterer Wiederverwendung eingelagert. 

In den Jahren 1911/12 erbaute dann Familie Edner aus dem vorhandenen Material ihr Wohnhaus auf einem größeren Grundstück am Stübchenbach an der Ilsenburger Straße. Schon aus der Original-Bauzeichnung konnte man ersehen, dass das neue Haus bis auf einige Kleinigkeiten  mit dem alten Gebäude identisch war.

Ebenfalls befand sich in dem neuerbauten Haus noch eine Erinnerungstafel, die an den Besuch des Prinzen von Preußen im Jahr 1758 erinnerte. Die Inschrift lautet: „In den Krieg wider die Franzosen“. Nach Familie Edner gab es in den zwanziger Jahren mit Marie von Fragstein die nächste Eigentümerin des Gebäudes. In dieser Zeit bekam das Haus eine zweiseitige Holzverschalung.  Das Fachwerkgebilde wurde dadurch abgedeckt, wie es uns ein altes, aber leider undatiertes Foto zeigt. Der Name Fragstein blieb bis in die siebziger Jahre mit dem Haus verbunden. Das Gebäude zeigte sich heute weiter mit einer sehenswerten Fachwerkfassade.


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Die Erz-Seilbahn

Die Erz-Seilbahn
Die Grube Friederike in Bündheim, Startpunkt der Erzseilbahn zur Mathildenhütte.

Die Erzseilbahn von der Grube Friederike zur Mathildenhütte

Bevor es die im Sommer 1929 eingeweihte Kabinen-Seilschwebebahn zum Burgberg in Bad Harzburg gab, versah schon einige Jahre eine industriell genutzte Draht-Seilbahn ihren Dienst im Amtsbezirk Bad Harzburg. Es handelte sich um die Erzseilbahn von der Bündheimer Grube Friederike zur Mathildenhütte in Westerode. Endgültig geplant wurde sie vor achtzig Jahren, zum Ende des Jahres 1924.

Der offizielle Bauantrag durch die Elsass-Lothringer Erzbergbau-AG erfolgte schließlich am 17. Juni 1925 unter der Register-Nr. 1540 bis 1545 im Bau-Register des Amtsbezirks Harzburg.  Zuständig war die damalige Herzogliche Kreisdirektion zu Wolfenbüttel. In dem Antrag wurde die Seilbahn als Neunbrücken-Bauwerk bezeichnet. Wahrscheinlich in Anlehnung an die Masten und Seilbahnbrücken, auf der die Lorenbahn einige Straßen und Plätze überqueren musste.

Die Hansa-Seilbahn mit Blick auf die Mathildenhütte um das Jahr 1915

Doch zwischen der Planung und dem Bauanfang waren noch einige Hindernisse für die Antragsteller zu überwinden. So gab es verschiedene Haus- und Grundstückseigentümer, die mit dem Streckenverlauf des Bauwerkes nicht einverstanden waren.

Als eine gütliche Einigung nicht absehbar war, wurde mit Zwangsenteignung seitens der Antragssteller gedroht. Ende des Jahres 1924 wurde dann von der damaligen Landesregierung ein solches Verfahren eingeleitet.

Zusätzlich gab es aber ein unabhängiges Gutachterurteil aus Wolfenbüttel. Es ging dabei über die Höhe der Entschädigungen bei Grundstücksbeeinträchtigungen durch den Bau von Stützen, diversen Leitungen und auch über die zu erwartende Geräuschentwicklung im Fahrbetrieb der Bahn. Dies galt sicherlich besonders bei nächtlichem Verkehr der Bahn, denn die Mathildenhütte und die Grube Friederike arbeiteten bei Hochbetrieb zeitweilig in drei Schichten rund um die Uhr.

Als die langanhaltenden Streitigkeiten beendet waren, wurde der Bauauftrag an die Magdeburger Firma H. H. Mackensen vergeben. Fertigstellung der Seilbahn war nach kurzer Bauzeit am 21. Juni 1926, die Bauabnahme erfolgte zwei Tage später.

Vorbei waren damit die Jahre, in denen Pferdefuhrwerke von bestellten Fuhrunternehmern den langen Weg von der 1863 vollständig eröffneten Grube Friederike zur Mathildenhütte zurücklegten. Pferdeställe für hütteneigene Pferdegespanne gab es aber auch zur damaligen Zeit. So u. a. an der Grube Friederike und der Mathildenhütte.

Dann gab es einen Pferdestall an der Hüttenstraße, heute An den Weiden genannt. Ein weiterer Stall für Pferde befand sich an einer von zwei damaligen Zementfabriken. Eine gehörte zur Mathildenhütte und die andere, etwa am heutigen Tennisweg befindliche, hatte den Namen Hercynia. Das letzte Pferdegespann für werksinterne Fahrten für die Grube Fiederike und Mathildenhütte gab es noch bis um 1957. Der Gespannführer damals hieß Otto Roß.

Der gesamte Verlauf der sogenannten Hängelorenbahn, berührte die drei heutigen Ortsteile Bündheim, Schlewecke und Westerode. Die gesamte Länge betrug fast zweieinhalb Kilometer. Eine Lore brauchte etwa 24 Minuten für die Strecke. Die Transportkapazität aller Loren, die im Durchschnittsabstand von 100 Metern fuhren, schaffte in acht Stunden die Menge von stattlichen 560 Tonnen Eisenerz zur Mathildenhütte, als Endpunkt der Bahn.

Aufnahme aus dem Jahr 1955: Die Loren an der Seilbahn überqueren die Straße An der Radau und den Bachlauf.

Der Antrieb der Lorenbahn, erfolgte mit einem starken E-Motor. Installiert auf der Grube Friederike. Mittels mehrerer Seilscheiben, die ähnlich einer Kupplung wirkten, wurde die Kraft auf das Zugseil der Bahn übertragen.

Doch bevor die Loren an der Mathildenhütte ankamen, mussten diese einige Straßen, Plätze und damals noch freie Wiesen überqueren. Die erste Brücke überspannte schon nach wenigen Metern vom Ausgangspunkt den Grubenweg. Es folgte ein Mast und eine Station ungefähr dort, wo sich heute die Straße Am Lehen befindet.

Die nächste Brücke stand an der Silberbornstraße, die Bahn überquerte dort den Schlosspark. Danach folgte eine Überführung über die damalige Triftstraße, der heutigen Straße Am Schlosspark. Der weitere Verlauf mit einer Brücke ging über den jetzigen Lindenbruchweg, im Volksmund als „Verbotener Weg“ bekannt. Nun stand das nächste Bauwerk über die alte Bundesstraße sechs, von Goslar nach Bad Harzburg führend, in Nähe des heutigen Koppelweges. Weiter ging es dann über die Straßen Im Troge und Hopfengarten, danach über die Scharenbergstraße vorbei am heutigen Berggarten in Richtung Messinghütte und Pfarrer Hackethalstraße.

Jetzt war man im Ortsteil Schlewecke und es folgte eine Brücke über die Breite Straße. Die Bahn führte dann über die Deilich, wo sich heute das Schulzentrum, Kindergärten und die Turnhalle befindet.  Sie überquerte die Radaustraße und verlief am ehemaligen Sportplatz des Fußballvereins Gün-Weiß Schlewecke vorbei. Danach musste der Verlauf der Bahn über die Radau, die Bahnlinie Goslar-Harzburg und über die Bahnhofstraße gelegt werden.

Die Loren befanden sich jetzt in Westerode und als letztes Bauwerk kam die sogenannte Winkelstation, ehe die Loren in einer Überführung direkt über einige Wohngebäude der Mathildenhütte zum Endpunkt gelangten. Die zwei langgestreckten Wohnanlagen wurden vornehmlich für Hütten- und Grubenarbeiter in den Jahren 1914 bis 1924 erbaut.

An der Winkelstation waren viele tonnenschwere Steinblöcke angebracht, um die verschiedenen Seile der Bahn gleichmäßig straff zuhalten. Zeitzeugen, die in der Nähe der Station wohnten, berichten, dass wenn einmal ein Seil riss, es einen mächtigen Knall gab und die ganze Anlage und Umgebung erschütterte wie bei einem Erdbeben.

Fußball unter schwebenden Erzloren: Der Sportplatz von Grün-Weiß Schlewecke im Jahr 1958.

Nachdem die Loren ihre Reise nun beendet hatten, wurde das Erz verarbeitet.  Als die 1861/62 von Konsul Meyer und Bergwergsdirektor Castendyck gegründete Mathildenhütte ihren Betrieb um 1940 endgültig einstellte, wurden Teile der Anlage umgebaut und nur noch als Erzverladestation genutzt.

In dieser Zeit gab es noch eine zweite Erzseilbahn, an die kurz erinnert werden soll. Die zweite Seilbahn kam von der Grube Hansa, jeweils in Göttingerode und Harlingerode gelegen. Das besagte Bauwerk gab es schon von 1903 an und versah bis um 1940 seinen Dienst. Danach wurde die Anlage bis 1943 demontiert und in Konin im ehemaligen Warthegau (heute Polen) wieder verwendet. Ersetzt wurde die Seilbahn in Harlingerode durch eine Kettenbahn vom Grubengelände über die Landstraße, dann weiter zu einem Gleisanschluss in Bahnhofsnähe. 

Die Eisenerze der Grube Friederike, der Grube Hansa und einer weiteren Anlage in Echte, die zur jetzigen Harz-Lahn-Erzbergbau AG mit Hauptsitz in Weilburg gehörten, wurden größtenteils in Dortmund-Rheinhausen verhüttet. Später kamen die Transporte mit bis zu 15 Waggons und meistens mit zwei Lokomotiven bespannt nach Salzgitter.

Wegen der zu geringen Eisenerzanteile im Gestein der hiesigen Gruben im Vergleich mit anderen Erzlieferanten kam am 16. August 1963 das Ende der Erzförderung auch in Bündheim. Es war ein wehmütiger Tag, als die letzte Lore geschmückt und gefüllt mit Erz an der Mathildenhütte ankam. Das gleiche Schicksal traf einige Jahre vorher auch die beiden anderen erwähnten Gruben, wobei die Schließung der Grube Hansa im Jahr 1960 erfolgte.

In den Jahren 1963/64 wurden die ganzen Anlagen in Bündheim, Schlewecke und Westerode demontiert. Größere Zwischenfälle oder Unfälle im Betrieb der Bahn sind nicht bekannt. Jedoch landete manche Erzladung der Loren in Gärten, weil sich die Arretierungshaken der Gondeln irrtümlich lösten.

Die Lorenbahn wurde regelmäßig gewartet. Der Vater des Autors war als Schlosser und Schmied bei der Grube Friederike angestellt. Ihm oblag es mit seinen Kollegen die Zug- und Tragseile der Lorenbahn zu überprüfen. Das hieß, man musste eine Lore besteigen und bei der Fahrt von der Grube Friederike zur Mathildenhütte die Seile in Augenschein nehmen. Sicherlich wurde dies auch dokumentiert.

Auf dem Gelände der ehemaligen Grube Friederike befindet sich jetzt die Firma Mann und Hummel, ein großer Zulieferbetrieb für die Kfz-Industrie. An der Mathildenhütte erinnert auch nicht mehr viel an vergangene Zeiten. Einzig ein altes Waagehaus ist noch übergeblieben, es steht dort heute noch und dient als Gartenhäuschen. Von der späteren Erzverladestation stehen noch einige Gebäude, die u. a. als Wohnhaus und für einen Getränkemarkt der Firma Lipper dienen.


Der Beitrag wurde auch im Uhlenklippenspiegel, Ausgabe 133/2022, veröffentlicht. Ein weiterer Beitrag zum Thema: „Demontage der Erzseilbahn von der ehemaligen Grube Friederike zur Mathildenhütte (Harry Plaster)“ | Ausgabe 076/2005

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Francisco d´ Andrade

Francisco d´ Andrade

Francisco d´Andrade in Bad Harzburg

Geboren wurde der berühmte Opernsänger Francisco d´Andrade am 11. Januar 1859 in Lissabon. Nach seiner Schulzeit widmete er sich zuerst dem Studium der Rechtswissenschaft. Im Jahr 1881, mit 22 Jahren, nahm er dann Gesangsunterricht in Mailand. Seine Lehrer waren u. a. die Maestros Miraglia und Monconi. Zwei bekannte Gesangslehrer ihrer Zeit, in dieser großen Opernmetropole.

Inspiriert worden war d´Andrade sicherlich von der Karriere seines älteren Bruders Antonio, einem bekannten Tenor, der auch in der Londoner Covent Garden Opera aufgetreten war. In der Familie d´Andrade, versehen mit einem alten portugiesischen Namen, soll es neben Antonio mit Giovanni noch einen weiteren Bruder gegeben haben. Doch mit Gesang hatte dieser wohl nichts im Sinn.  Schon 1882, also ein Jahr später, hatte Francisco d`Andrade sein Bühnendebüt in San Remo als Amonasro in der Oper Aida.

Francisco d´ Andrade, porträtiert von Max Slevogt

Danach ging seine Gesangskarriere steil nach oben und er feierte große Erfolge an den Bühnen in Italien, Spanien und Portugal. Darunter der Mailänder Scala und dem Theatro Constanz in Rom. Im Jahr 1886 dann sein erstes Gastspiel, wie einst sein älterer Bruder, an der Covent Garden Opera in London. Die Bühne auf der Francisco d`Andrade in der  Folgezeit bei  großen Konzerten und Opernarien stets gefeiert wurde.

Im Jahr 1889 zog es ihn nach Berlin. Auch hier feierte er große Erfolge, u. a. an der Berliner Hofoper. Dort war er mit Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg in den Jahren 1906 bis 1919 regelmäßig zu Gast. Von Berlin war er so begeistert, dass er hier in einer großen Villa eine Etage mit über 20 Zimmern erwarb. Viel Platz für seine Frau Irma, Sohn Francisco jr. (um 1905 geb.) und für ihn selber.

Neben Berlin muss er aber auch von Bad Harzburg sehr angetan gewesen sein. Wie die Verbindung beider Städte für ihn zustande kam, ist nicht genau bekannt.  Aber sicherlich kannten viele damals auch schon in Berlin die Vorzüge des aufstrebenden Kur- und Heilbades Bad Harzburg.

Francisco d´ Andrade jedenfalls erbaute 1898/99 eine luxuriöse Sommervilla an der Nordhäuserstraße. Die Nordhäuserstraße war damals noch die Verlängerung der Herzog-Wilhelm- und Herzog-Julius-Straßeerzog-Julius-Str.herzog in Richtung Torfhaus und den Oberharz. Das Gebäude bekam zuerst die Ass-Nr. 492, später dann die Hausnummer 12. 

Die Villa lag am Fuß des Ettersberges, unterhalb der Villa des Berliner Industriellen Werner v. Siemens (1816-1892), die bis 1909 dort stand. Danach wurde die Siemens-Villa abgerissen und bis 1912 das Erholungsheim Siemens-Ettershaus erbaut.

Die Villa der d‘Andrades im Rokokostil wurde aus besten und edlen Materialien errichtet, die eigens aus südlichen Ländern herangeschafft worden. Leider zeigte sich einige Jahre später, dass diese Baustoffe die Feuchtigkeit und die langen, kalten Winter im Harzburger Radautal nicht sonderlich vertrugen.

Bei seinen Aufenthalten in der Bad Harzburger Villa, konnte sich Francisco d`Andrade fernab der Großstadt mit seiner Familie von seinen vielen Auftritten und den damit verbundenen Reisen erholen. Er war zu Gastspielen in ganz Europa unterwegs. Seine Paraderollen waren inzwischen der „Don Giovanni“ aus W. A. Mozarts gleichnamiger, berühmter Oper. Außerdem noch die des „Figaro“ aus dem Barbier von Sevilla von Ghioaccini Rossini.

An dieser Stelle soll an ein weiteres Kapitel im Leben des Sängers erinnert werden. Es geht um die langjährige Freundschaft zu dem Maler Max Slevogt (1868-1932) und dessen Frau Antonie, genannt Nini. Max Slevogtn  einer der bedeutendsten impressionistischen Maler in Deutschland, porträtierte den Sänger in dieser Zeit einige Male. Das bekannteste Gemälde, dürfte „Das Champagnerlied“, genannt auch „Der weiße d`Andrade“ sein. Es entstand 1902 und befindet sich heute in der Staatsgalerie in Stuttgart.

Daneben gibt es u. a. noch weitere Werke von Slevogt mit F.d´Andrade. So den „Schwarzen d´Andrade“ und auch private Darstellungen, wie den Sänger in seiner Villa, eine Zeitung lesend. Einige Werke davon entstanden in Bad Harzburg, wenn das Ehepaar Slevogt bei Familie d´Andrade zu Gast war. Zuweilen sahen auch einige Bad Harzburger dann Antonie Slevogt eine dicke Zigarre rauchend auf der Veranda oder im Garten des großen Grundstücks. 

Was viele von Max Slevogt nicht wussten: Auch er war ein hervorragendes Musiktalent, besaß eine sehr gute Stimme und spielte glänzend Klavier. Fast wäre er deswegen ebenfalls Sänger geworden.

Francisco d´ Andrade in einer seiner Paraderollen als Figaro im „Barbier von Sevilla“

In Bad Harzburg selbst trat Francisco d`Andrade nur zweimal öffentlich auf. Der erste Auftritt war am 4. August 1903. Der Erlös ging in den Spendenfonds zum Bau der neuen Lutherkirche. Das zweite Konzert fand am 3. August 1904 statt. Hierbei ging es um die Unterstützung des Harzburger Kurtheaters. Wie damals berichtet, war der berühmte Sänger desöfteren zu Gast in dieser kulturellen Einrichtung.

Francesco d´ Andrade war auch einer der ersten, der in Bad Harzburg ein Automobil steuerte. Es gibt zwei eindeutige Fotos von 1905 und 1907, die Francisco d´Andrade am Steuer seines Wagens und Frau Irma als Beifahrerin vor der Harzburger Villa zeigen.  Das Auto war bezeichnenderweise ein „Motorwagen Benz Parsifal“. Dieses Modell gab es je nach Ausstattung und Motorisierung von acht bis dreißig PS. Die Höchstgeschwindigkeit betrug ca. 50 km/h und die Preise fingen bei 7000 RM an.

Ein anderer Kandidat fürs erste Bad Harzburger Automobil, soll der Graf Vitzum zu Eckstedt gewesen sein, der in der Kurstadt ebenfalls eine ansehnliche Villa besaß.

Um 1905 kam im Hause d´Andrade dann Sohn Francisco jr., genannt Chico, zur Welt. Als Kind galt er als sehr schüchtern und hatte wohl auch wenig Kontakt zu anderen Kindern. Einzig zu einem jungen Mädchen, deren Tante in der Hauswirtschaft des neuen und nahen Siemens-Ettershauses arbeitete und diese dort besuchte, hatte er Vertrauen. Einige Zeit später ging dann die junge Frau für mehrere Jahre als Kindermädchen von Chico mit nach Berlin.

Im Jahr 1914 brach bekanntermaßen der erste Weltkrieg aus. Es steht nicht genau fest, ob der Sänger interniert wurde, da er ja als Ausländer galt. Seine Frau Irma aber wohl deutschstämmig war. Eventuell hatte er aber „nur“ Berufsverbot und durfte somit in Deutschland nicht öffentlich auftreten. Möglichkeit drei wäre, dass er mit seiner Familie nach Portugal ausreisen konnte. Dafür spricht, dass das erwähnte Kindermädchen von Chico bei Kriegsausbruch wieder zurück nach Bad Harzburg kam.

Außerdem ist bekannt, dass Chico in Portugal blieb und in Lissabon lebte. Später trat er in die Fußstapfen seines Vaters und seines Onkels und wurde auch Sänger. In Lissabon leitete er u. a.  ein Gesangs-Theater, das aber irgendwann ein Opfer der Flammen wurde und abbrannte. In Chicos Besitz waren auch einige wertvolle Bilder von Max Slevogt, u. a. der „Schwarze d´Andrade“. Im Jahr 1969 wurde dieses von der Hamburger Kunsthalle erworben.

Francisco d` Andrades Sängerkarriere, er war inzwischen mit dem Ehrentitel „Königlich Bayrischer Kammersänger“ versehen worden, dauerte bis 1919.  Wann er das letzte Mal in Bad Harzburg war, ist nicht bekannt. Am 8. Februar 1921 verstarb der große Sänger nach einem Schlaganfall mit nur 62 Jahren in Berlin.

Erloschen war damit eine große Stimme der damaligen Musikwelt. Es existierten zwar einige Schallplatten u. a. aus dem Jahr 1906. Doch die Tonqualität dieses Mediums war nicht die allerbeste. Stimmen und Instrumenten war kein Glanz beschieden. Die Nadel kratzte und diese Nebengeräusche verhinderten jeglichen Hörgenuss. So die Meinung damaliger Musikkritiker.

Als der Sänger gestorben war, unterrichtete seine Witwe Irma die Harzburger Zeitung. In einer öffentlichen Würdigung wurden die Bad Harzburger dann vom Ableben des Sängers unterrichtet. Die Villa behielt Irma d`Andrade noch zwei Jahre. Dann bat sie 1923 den Bad Harzburger Anwalt und Justizrat Friedrich Höltje, das Anwesen zu verkaufen.

Einige Zeit später erwarb der Buch- und Kunstverleger August Gebel aus Bad Ems, Villa und Grundstück. Ein Foto aus den dreißiger Jahren, zeigt das Gebäude danach noch als Töchterheim Waldschlösschen d`Andrade. Im Januar 1938 musste das Gebäude dem neuen Verlauf der Nordhäuserstraße (B4) weichen und wurde abgerissen.  Die Villa war zu diesem Zeitpunkt sanierungsbedürftig, speziell das Innere des Hauses. Leider war damit wieder eine Spur des ohnehin wenig bekannten Lebens des Francisco d`Andrades und  zum Anderen ein markantes Gebäude aus dem Bad Harzburger Stadtbild verschwunden.


Der Beitrag wurde für die Ausgabe 100 des Uhlenklippenspiegels 2011 verfasst.

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