
Die Lutherkirche
Der Anfang
In Neustadt-Schulenrode, wie Bad Harzburg damals noch hieß, gab es schon 1891 ernsthafte Bestrebungen, eine größere Kirche zu bauen. Das Fassungsvermögen der alten Dorfkirche war zu gering und so wurde beschlossen, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen.
Etwa zeitgleich wurde der Antrag bei der Herzöglich-Braunschweigischen Administration gestellt, um eine Geldsammlung für den Kirchenfonds durchzuführen. Das Vermögen der Kirche belief sich damals auf ca. 6500 Mark und von der Stadt floss ein jährlicher Zuschuss von 500 bis 600 Mark in die Kirchenkasse.
Des Weiteren gab es noch Einkünfte von jährlich 25 Mark aus zwei Morgen Kirchenbesitz. Alles in allem bei weiten nicht genug, um ein größeres Kirchengebäude zu errichten. Die Hauptinitiatoren der Spendenaktion waren Pastor Hermann Eyme und der Hofbuchhändler Rudolf Stolle.

Pastor Hermann Eyme wirkte von 1885 bis zu seinem Tod 1908 in Bad Harzburg. Geboren wurde er am 5. September 1838 in Langelsheim. Sein Weg führte ihn über Göttingen, Greene, Sauingen und Bettingerode nach Harzburg. Rudolf Stolles Geburtsort war Holzminden. Sein Geburtsdatum ist der 2. Juli 1858. Bevor er nach Harzburg kam, absolvierte er eine Lehre als Buchhändler in Hannover. Danach hatte Rudolf Stolle eine Anstellung bei der Fa. Zickfeldt, einem pädagogischen Verlag in Osterwieck.
Am 15. April 1892 gab es dann von der Herzoglichen Verwaltung in Wolfenbüttel die Genehmigung, für eine Spendensammlung zum Bau eines neuen und größeren Gotteshauses. Die Ortsteile Neustadt und Schulenrode wuchsen stetig und auch der Fremdenverkehr nahm konstant zu.
Die Einwohnerzahl beider Ortsteile belief sich auf ca. 3300. Die Gäste- und Passantenzahlen, wurden in damaligen Statistiken mit ca. 16.000 Besuchern angegeben. In dieser Zeit entstanden viele neue Hotels und Pensionsbetriebe. Neustadt und Schulenrode bekam ebenfalls 1892 den Status eines Heilbades zuerkannt. Neuer Name wurde jetzt Bad Harzburg.
In nächster Nachbarschaft des Kirchenareals gab es das Hotel Burgkeller und das Hotel Bellevue, die in dem aufstrebenden Ort Zimmer für Erholungssuchende anboten. Im Jahr 1894 wurden Bad Harzburg die Stadtrechte verliehen. Erster Bürgermeister war August Flotho.
Nachdem Bad Harzburg jetzt den Status Heilbad und Stadt hatte, vermehrten sich die Stimmen zum Bau einer neuen Kirche. Der ganze Ort war in euphorischer Stimmung, es gab viele besondere Veranstaltungen im Hinblick auf die Stadtgründung.
Sogar das Pferderennen auf der sogenannten großen Wiese wurde 1894 einmal im Juli und nochmals im September ausgetragen. Es gab inzwischen einen Spendenausschuss, um nach neuen Geldquellen für den Bau der neuen Kirche zu suchen.
Der Spendenfluss war nicht so üppig, wie man erhofft hatte. Im Jahr 1892 waren es bescheidene 676,80 Mark, die im Spendentopf landeten. 1893 kam mit 135,57 Mark noch weniger Geld zusammen. Auch im Jahr der Stadtwerdung 1894 hielt sich der Geldfluss in Grenzen, gesammelt wurden für den Kirchenfonds ganze 560,62 Mark.
So kamen viele Ideen zusammen, um mehr Geld in den Kirchenfonds zu bekommen. Pastor Eyme z. B. verfasste eigene Gedichte im Harzburger Anzeiger und der Erlös kam ebenfalls in den Spendentopf. Auch der von Kantor Otto Meyer gegründete Kirchenchor spendete das bei wohltätigen Konzerten eingenommene Geld. Im Lauf der Jahre kamen dabei über 1000 Mark zusammen.
Zusätzlich gab es im Harzburger Anzeiger, dem Vorläufer der Harzburger Zeitung, regelmäßig eine Spenderliste und den Aufruf zur Kirchenspende. Vermehrt wurden wohlhabende Harzburger Bürger angesprochen, für den Kirchenfonds Geld bereitzustellen.
In dieser Zeit kam vom Herzoglich-Braunschweigischen Konsistorium der Vorschlag, aus Kostengründen das Baumodell der 1888 erbauten Kirche St. Martini in Rhüden zu übernehmen. Die Harzburger waren davon nicht begeistert, eine andere Kirche zu kopieren. Ein Grund war, der Kirchenbau in Rhüden am Harz hatte lediglich ein Fassungsvermögen von 440 Personen.
Der Plan wurde schnell verworfen und man hoffte zuversichtlich, ein größeres Gotteshaus bauen zu können. Anlass war auch der höhere Spendenfluss einiger Bürger des Ortes. So gab es u. a. größere Geldzuwendungen vom Konsul Berkenbusch von insgesamt 3000 Mark.

1897 hatte der Kirchenfonds Mittel in Höhe von 3490,64 Mark zur Verfügung. Ein Jahr später waren es 4960,68 Mark. Es gab auch Vorankündigungen von Geldspenden. So teilte der Rentner König mit, für den Fall des Kirchenbaues 6000 Mark bereitzustellen, daraus wurden letztendlich 10.700 Mark. Der Stationsvorsteher Geißmar spendete 1000 Mark, später dann noch einmal 3700 Mark.
Das Jahr 1899 war sicherlich mit entscheidend für den späteren Kirchenbau. Zum einen gab es eine beachtliche Schenkung von Frau „Hauptmann Clausius“. Die Summe betrug 20.000 Mark und in der Spendenkasse befanden sich jetzt 27.574,61 Mark.
Des Weiteren nahmen Pastor Eyme sowie der damalige Stadtrat Landwehr Kontakt mit dem Architekten Gustav Heine auf. Dieser war auch Erbauer des neuen Städtischen Badehauses und der Wandelhalle im Badepark, die beide 1898 eingeweiht wurden.
Zusätzlich gab es am 16. Mai 1899 eine Sitzung des Kirchenvorstandes mit dem Ziel, die Vorarbeiten für den Kirchenbau in Angriff zu nehmen. Am 27. Feb. 1900 gab es eine weitere Sitzung des Gremiums. In dieser stellte Stadtrat Landwehr den ersten Kostenvoranschlag und einen Entwurf von Gustav Heine zum Kirchenbau vor.
Der erste Kostenvoranschlag belief sich auf die Summe von 170.000 Mark. Die Pläne des Architekten Heine fanden allgemeinen Anklang und es wurde beschlossen, diese zum Preis von 1,3 % Prozent der Bausumme zu erwerben.
Im Kirchenfonds befanden sich jetzt 36.659,42 Mark. Bei den Städtischen Behörden fanden Heines Pläne ebenfalls Zustimmung, und es wurden 74.000 Mark zum Kirchenbau bewilligt.
Auch das Herzogliche Konsistorium in Wolfenbüttel beurteilte die Heineschen Pläne wohlwollend und stellte ebenfalls einen Zuschuss in Aussicht.
Am 5. Sept. 1900 wurde Gustav Heine mit dem Bau des neuen Gotteshauses betraut. Inzwischen lag ein neuer Kostenvoranschlag von ihm vor, der eine Bausumme von 180.000 Mark beinhaltete.
Zusätzlich wurde eine Kommission zur Überwachung des Kirchenbaues gewählt. Die Kommission setzte sich aus sieben folgenden Personen zusammen: Vorsitzender und immer noch unermüdlich Pastor Eyme. Von den städtischen Behörden Bürgermeister von Stutterheim und Forstrat Nehring. Den Kirchenvorstand vertraten Zimmermeister Hartwieg, Stationsvorsteher Geißmar und Glasermeister Fricke.
Als idealer Bauplatz galt der Standort des alten Kirchengebäudes, das somit später dem Neubau weichen musste. Es verging dann fast noch ein Jahr, bis endlich die Vorarbeiten begannen. Seit den Anfängen und Denkanstößen zum Bau einer neuen Kirche im Jahr 1891, waren ca. zehn Jahre ins Land gegangen.
Am 06. Nov. 1901, stellte der Kirchenvorstand dann den offiziellen Antrag zum Bau des neuen Gotteshauses. Vermerkt unter der Nummer 1061 im Bau-Register des Amtsbezirks Harzburg, bei der Herzoglichen Kreisdirektion in Wolfenbüttel.
Der Kirchenfonds im Jahr 1901, wies die Summe von 44860,92 Mark aus. Ende des Jahres 1901 wurden die ersten Fundamentierungsarbeiten des Turmes begonnen. Es wurde so gearbeitet, das in der alten Kirche noch Gottesdienste abgehalten werden konnten.
Die Arbeit kam gut voran und schon am 10. Nov. 1901 fand die Grundsteinlegung des Neubaues statt. Anwesend war auch ein Vertreter der Kreisdirektion, sowie Abordnungen von städtischen Behörden. Auch die Harzburger Bevölkerung nahm großen Anteil an diesem feierlichen Akt. Am Totenfest dieses Jahres fand schließlich der letzte Gottesdienst und das Abendmahl statt.
Fast 500 Gläubige besuchten noch einmal ihre alte Kirche. Mit deren Abbruch wurde ein Tag später, dem 21. November begonnen. Das Gebäude mit angegebenen Baujahr 1592 war eigentlich noch in guten Zustand. Älteren Berichten zufolge gab es nur kleinere Mängel wie Schwamm an einigen Stellen und Stockflecke infolge von Wasserschäden.
Während der Bauzeit von 1901 bis 1903 diente die nahegelegene städtische Turnhalle in der Burgstraße, als Ausweichquartier. Später gehörte das 1901 erbaute Gebäude zur Realschule und wurde 1992 abgerissen.
Die neue Kirche

Der Harzburger Winter 1901/02 war sehr milde. Deshalb konnte fast ohne Unterbrechung an dem Bau gearbeitet werden. Im Januar 1901 verstarb der Leiter des Baues, Eduard Gustav Heine nach längerem Leiden im Alter von 57 Jahren. Der Architekt, 1843 in Halberstadt geboren und vorher in Hannover tätig, hatte seinen Wohnsitz schon einige Zeit in Bad Harzburg. Es war ihm nicht vergönnt, sein Bauwerk je vollendet zu sehen.
In Hannover war der Baumeister und Architekt Heine u. a. an Bauwerken wie dem Kestner- Museum und dem Umbau der Polytechnischen Schule zum Continental Hotel beteiligt. Die Bauaufsicht, sowie die Anfertigung der noch erforderlichen Detailzeichnungen zum Kirchenbau, wurde dem jungen Bauführer und Architekten Wilhelm Dohme übertragen. Bauführer Dohme war auch schon unter Heines Anleitung mit dem Bau der neuen Kirche vertraut. Die Oberleitung des Baues oblag jedoch Kreisbauinspektor Fricke in Wolfenbüttel
Im Jahr 1902 war der Spendentopf mit 45.599,04 Mark gefüllt. Am 30. August 1902 wurde unter großer Anteilnahme das Richtfest gefeiert. Wie allgemein zu sehen war, wurde es nach Fertigstellung ein imposantes Gebäude. Versehen war es mit drei Eingängen, u. a. dem Haupteingang von der Herzog-Julius-Straße. Daneben befand sich der Aufgang zum Turm. Gegenüber dem alten Pfarr- und Gemeindehaus an der damaligen Kirchstr. war der dritte Einlass. Dieses Bauwerk hatte nichts mehr mit dem ärmlichen kleinen Kirchlein gemein, wie spöttische Chronisten und Zeitgenossen das alte Kirchengebäude betitelten.
Die Außenmaße betragen ca. 40 Meter Länge und 20 Meter Breite. Der Turm sollte einmal die Höhe von 56 Metern erreichen. Der Kirchturm ist auch heute noch ein weithin sichtbares Wahrzeichen und wird von keinem anderen Gebäude in nächster Nähe überragt.
Erbaut wurde das Gotteshaus im frühgotischen Stil. Die Außenmauern wurden zum größten Teil aus weißem Sandstein hergestellt. Das Material stammte aus zwei Brüchen in der Nähe von Blankenburg im Harz. Ein Großteil der Innenausmauerung, besteht aus Braunschweiger Ziegelsteinen, die abwechselnd aus Kalkmörtel oder Zementmörtel hergestellt sind.
Sämtliche Dachkonstruktionen sind aus Tannenholz gezimmert und mit roten, glasierten Falzziegeln gedeckt. Die Dachziegel stammen von einer Fa. aus Möncheberg bei Kassel. Die oberste Spitze des Turmes ca. 11 Meter hoch, wurde mit Kupfer eingedeckt. Das darüber befindliche Kreuz hat eine Höhe von 2,60 Metern, der Querarm misst 1,50 Meter.
Diese Spitze wurde im April 1903 von 12 Zimmerleuten bei Sturm, Regen und Schnee errichtet. Es war für damalige Verhältnisse eine heikle Mission, aber alles verlief unfallfrei. Die elf Zimmerleute sowie ein Polier stammten aus Harlingerode, Schlewecke, Bündheim und Bad Harzburg.
Im 0,45 m Durchmesser großen und vergoldeten Turmknauf, hinterlegten die Handwerker einige Urkunden. Es waren eine Urkunde von der Grundsteinlegung, Belege über Spendenbescheinigungen und die Namen der am Turmbau beteiligten Zimmerleute.
Aus Bad Harzburg kamen Heinrich Schmidt, Heinrich Lohf, Carl Sievers, Wilhelm Sievers, Otto Bues, August Kasties, Wilhelm Wäterling und Heinrich Dahle. Wilhelm Bothe und Heinrich Niemeyer stammten aus Harlingerode. Aus Schlewecke kam Wilhelm Bothe, und aus Bündheim August Bothe.
Ende der fünfziger Jahre wurden Restaurationsarbeiten vorgenommen und auch der Turmknauf zum Teil erneuert. Leider war von den Urkunden nicht mehr viel übriggeblieben. Sie waren teils unleserlich, teils verwittert.
Damals muss ein reges Kommen und Gehen an der neuen Kirchenbaustelle geherrscht haben. Immerhin waren ca. 30 verschieden Firmen aus nah und fern am Bau beteiligt. Eigentlich sollte zu Pfingsten 1903 die Einweihung stattfinden, doch dieser Termin konnte nicht gehalten werden. Am 4. August 1903 gab es noch ein besonderes Ereignis zum Füllen des Spendentopfes. Der portugiesische Opernsänger Francesco d´Andrade gab eines von wenigen Konzerten in Bad Harzburg, und dies nur zum Wohle der Kirchenkasse. Der damals berühmte Sänger wohnte von 1899 bis 1921 zeitweilig in seiner schmucken Villa an der Nordhäuser Straße, um sich von seinen anstrengenden Konzerten in den großen Opernhäusern zu erholen.
Eingeweiht wurde das Gotteshaus schließlich am 1. Advent 1903. Eingeladen war auch Prinz Albrecht, der Regent des damaligen Herzogtums Braunschweig. Wichtige Staatsgeschäfte hielten ihn aber ab, an dem Festakt teilzunehmen. In seiner Vertretung nahm Geheimrat Trieps an der Feier teil. Die Feierlichkeiten begannen mit einer Abschiedsfeier in der Turnhalle, die als Ersatz für Gottesdienste und Abendmahlsfeiern gedient hatte. Danach gab es einen kurzen Festumzug, voraus gingen Schülerinnen und Schüler. Gefolgt von Geistlichen, welche die heiligen Gefäße und Bücher zur neuen Kirche trugen. Den Zug beschlossen Vertreter von Behörden, viele Ehrengäste und ein Großteil der Harzburger Bevölkerung.
Vor der neuen Kirche wurde der Kirchenschlüssel vom Baumeister an den Superintendenten und dann an Pastor Eyme überreicht. In der Kirche weihte Superintendent Wolleman assistiert von sieben Amtsbrüdern das Gebäude auf den Namen Lutherkirche. Die Namensgebung sollte an den Reformator Martin Luther erinnern. Geboren am 10. November 1483 und gestorben am 18. Februar 1546. Danach hielt Pastor Eyme die Festliturgie und die Festpredigt.
Die Kirche angelegt für über 800 Plätze, war zum Bersten voll. Die meisten Teilnehmer harrten draußen aus, obwohl schlechtes Wetter mit Schneeregen herrschte. Dem kirchlichen Festakt folgte nachmittags eine Festtafel mit 92 Teilnehmern im nahegelegenen Hotel Bellevue. Die Festschrift zur Einweihung verfasste der Baumeister Wilhelm Dohme.

Etwas später wurden die genauen Baukosten bekannt gegeben. Letztendlich ergab sich die Gesamtsumme von 215.688,97 Mark. Gespendet, geschenkt und gestiftet wurde auch noch fleißig in der letzten Zeit vor der Fertigstellung. So u. a. noch einmal 10.250 Mark für die Orgel der bekannten Firma Sauer aus Frankfurt a. d. Oder, vom Ehepaar Fritz und Alette König. Die große Glocke mit Glockenstuhl im Wert von 4950 Mark war ein Geschenk der Eheleute Geißmar.
Die drei Chorfenster im Wert von je 1000 Mark stifteten die Herren Baron von Asche, Kommerzienrat Wessel und der wohlhabende Kaufmann Rautmann. Neben diesen größeren Geldzuwendungen gab es auch viele kleine Spenden. Dazu gehörten u. a. Altargedecke, Wachskerzen, Beleuchtungskörper und vieles Andere mehr. Die Opferbüchse war ein Geschenk der Bauhandwerker.
Frühere Chronisten berichten, dass fast jeder Harzburger Bürger ob arm oder reich, sein Scherflein zum Kirchenbau beigetragen hat. Auch ein Staatszuschuß in Höhe von 43.000 Mark wurde noch einmal gewährt. Die Stadt Harzburg bewilligte zu den ersten 74.000 Mark nochmals weitere 14.000 Mark für die anfallenden Baukosten.
Nachdem die Lutherkirche nun vollendet an ihrem Platz stand, verstummten auch die vielen Kritiker des Kirchenbaues. Es muss auf entscheidenden Sitzungen und Zusammenkünften hitzig zugegangen sein. Einigen erschien der Neubau zu teuer, anderen war er zu protzig. Von diesen Geschehnissen gab es später eine Posse in fünf Akten. Der Autor war kein geringerer als der bekannte Rechtsanwalt, Notar und Schriftsteller Rudolf Huch, der über vierzig Jahre in Bad Harzburg lebte.
Die Innenausstattung
Nach Betreten der Kirche durch den Haupteingang, befindet man sich unter der Orgelempore. Die dortigen Bänke sind wie im Kirchenparterre und der Gemeindeempore seitlich davon aus Kiefernholz. Die Sitzbänke sind geölt, gebeizt und lackiert. Der Fußboden unter den Bänken besteht aus Tannenholzdielen.
Die Gänge im Parterre und der Vorhallen sind mit roten Mettlacher Fliesen belegt, das Material der Türen im Innenbereich, besteht aus 46 mm starkem Kiefernholz. Die Türen im Außenbereich sind aus 65 mm starkem Eichenholz. Der Beschlag an diesen Türen, wurde von dem Kunstschlosser H. Bartels aus Braunschweig angefertigt. Die umfangreichen Decken- und Dekorationsmalereien, stammen vom Herzoglich-Braunschweigischen Hofmaler Adolf Quensen.
Einiges davon wurde 1958 mit Farbe übermalt. Damals wurden Teile der Kirche innen und außen renoviert. Mitbeteiligt war auch das Amt für Denkmalspflege in Braunschweig. Nach Ansicht der Behörde, sollte der neugotische Stil, was die Pfeiler und Decken betraf, stärker betont werden. Verschwunden waren die bunten Farben und man meinte, die Kirche sei schöner, klarer und heller geworden. Erst 1987 wurden Teile der Deckenmalerei bei Restaurationsarbeiten wieder freigelegt. Die Malerarbeiten übernahm Firma Linke aus Bettingerode. Der Chef selbst hatte einige Semester Kirchenmalerei studiert.
Es konnte damals aus Geldmangel nicht alles restauriert werden und wurde wieder gestrichen. In Richtung Altar und Kanzel, vor dem zweiten Kreuzgewölbe, hing lange Jahre ein großer Kronleuchter. Es war ein beeindruckendes Kunstwerk aus Schmiedeeisen und Kupfer. Der größte Durchmesser betrug vier Meter. Ausgestattet war er mit 72 Kerzenhaltern. Hergestellt wurde er in Chemnitz in der Kronleuchter- und Brennwarenfabrik E. F. Barthel.

Leider gibt es dieses markante Werk nicht mehr. Um 1965 verschwand der wertvolle Kronleuchter und die Nachfrage nach Verbleib des Leuchters blieb bisher ohne konkretes Ergebnis. Angeblich soll er von einer Harzburger Firma bei Restaurationsarbeiten in der Kirche mit dem Schneidbrenner zerstört worden sein. Das Warum und die Begründung der Zerstörung bleiben somit im Dunkeln.
Restaurations- und Reparaturarbeiten gab es in dieser Zeit einige. So wurden z. B. 1963/64 Sturmschäden am Turm beseitigt. Im Sommer 1965 gab es dann eine komplette Turm Reparatur. Ebenfalls repariert, wurden Teile des Daches. Verbraucht wurden ca. 10.000 glasierte Ziegel. Anfang der sechziger Jahre wurde auch im inneren der Kirche das Bildnis Glaube – Liebe – Hoffnung, von Prof. Kurt Edzard entworfen, an einer der Seitenwände angebracht.
Von den verbliebenen Kronleuchtern der Fa. Barthel, soll es in Deutschland nur noch vier ähnliche Exemplare geben wie einst in Bad Harzburg. Ein sogenannter Radleuchter ziert u. a. die Pfalzkapelle zu Aachen. Der größte und älteste Leuchter mit ca. sechs Metern Durchmesser, hängt im Hildesheimer Dom.
Altar und Kanzel wurden aus Kalkstein gefertigt, der aus Königslutter stammte. Ebenso wie der Spitzbogen im Hauptportal, wurden die Ausstattungsstücke vom Hofbildhauer Wilhelm Sagebiel aus Braunschweig angefertigt.
Der Altar wurde im Baustil des Historisierenden Klassizismus erbaut. Im großen Altarfeld wurde u. a. die Kreuzigungsgruppe dargestellt. Hinter dem Altar befanden sich drei große Fenster. Ursprünglich wurden diese von dem Quedlinburger Glasmaler Ferdinand Müller angefertigt, wie alle anderen Fenster der Lutherkirche.
Das linke Fenster stellte Christi Geburt mit dem Stern von Bethlehem dar, dem Symbol für Weihnachten. Das mittlere Fenster zeigte das Bild der Auferstehung (Ostern) mit dem agnus dei, dem Lamm Gottes. Im rechten Fenster erblickte man die Ausgießung des hl. Geistes (Pfingsten), mit dem Symbol der Taube im runden Feld.
Alle drei Fenster, gibt es so nicht mehr. Sie wurden bei der Sprengung der Muna im Schimmerwald am Abend des 10. April 1945 zerstört. Erst viele Jahre später kamen neue wertvollere Fenster an die gleiche Stelle. Bis dahin gab es einfache Ersatzfenster.
Die neuen Fenster lieferte die Fa. Bucher aus Braunschweig, das Material war aus geschwammten Glas. Dabei passierte ein Missgeschick. Beim Einbau der Fenster stellte man fest, das mittlere Objekt war zu groß geraten, irgendjemand hatte sich beim Messen vertan. Aber da das Mittelfenster sich hinter dem Altar befindet, ist dieser Irrtum kaum sichtbar.
In den jetzigen Fenstern findet man die Symbole der Taufe und des hl. Abendmahls. Im mittleren Fenster ist das Christusmonogramm sichtbar.
Führt der Weg wieder dem Haupteingang zu, fällt der Blick auf die Orgelempore. Darauf steht die Orgel der Fa. Wilhelm Sauer aus Frankfurt a. d. Oder. Das Werk hatte 29 klingende Register, und ein erstes Manual mit elf Stimmen. Das zweite Manual hat zehn Stimmen, und acht Bässe. Die Orgel wurde 1903 als Opus 891 gebaut. Das Werk wurde damals in höchsten Tönen gelobt.
Sauer-Orgeln waren echte Meisterwerke. Die Harzburger Orgel konnte mit Instrumenten im Berliner Dom, im Bremer Dom oder in der Thomaskirche zu Leipzig konkurrieren. Abgenommen wurde die Orgel einige Tage vor der Kircheneinweihung am 25. Nov. 1903. Es spielte der Organist der Wolfenbüttler Hauptkirche und spätere Musikdirektor Ferdinand Saffe. Er bescheinigte der Orgel bezüglich ihrer musikalischen Wirkung und ihrer technischen Einrichtung das höchste Lob. Gehörte sie doch damals zu den neuesten und besten Werken, die es im Herzogtum Braunschweig gab.
Inzwischen mehrmals restauriert und verändert wurde die Orgel schon einige Male. Die erste Umbaumaßnahme sollte 1939 von der Orgelbaufirma Gebr. Sander übernommen werden. Dieses Vorhaben fand jedoch wegen der Kriegsereignisse nicht statt. Danach gab es Veränderungen in den Jahren 1951 sowie 1963. In diesem Jahr wurde die Orgel auf Wunsch des damaligen Kantors Herbert Spittler elektrifiziert und mit einem neuen Spieltisch versehen. Die nächsten Veränderungen an der Orgel gab es danach noch in den Jahren 1971 und 1974.
Beim letztgenannten Termin wurden die Manuale von 54 auf 56 Töne erweitert. Damalige Kritiker warnten davor, die Orgel zu sehr durch Veränderungen in Mitleidenschaft zu ziehen. Mit einer Sauerorgel hätte das Werk nichts mehr gemein.
Es dauerte bis 1997, als ein Fachmann für die Restauration speziell von Sauerorgeln, gefunden wurde. Es handelte sich um den Orgelbaumeister Christian Scheffler aus Frankfurt/Oder. Firma Scheffler ist eine der Nachfolgefirmen der einstigen Firma Sauer. In mehreren Bauabschnitten wurde das Gesamtwerk rekonstruiert, um sie wieder auf den Sauerschen Standard zu bringen. Am ersten Advent 2001 konnte die Einweihung der Orgel stattfinden.

Die Kosten des Projektes betrugen 800.000 DM. Finanziert wurde die Summe zu Zweidritteln von der Luthergemeinde. Durch Spenden, Benefizkonzerte und andere zahlreiche Veranstaltungen, innerhalb von sechs Jahren.
Vorbei am Eingang zur Orgelempore führt der Weg weiter in den Turm. Hier befindet sich das Glockengeläut und die Kirchenuhr. Die Uhr ist mit einem sogenannten Achttagewerk ausgestattet. Alle vier Zifferblätter werden von einem zentralen Uhrwerk gesteuert. Die Uhr schlägt zur vollen und zur viertel Stunde im Gleichklang mit den Glocken.
Die Zifferblätter, bestehen aus kupfernen und schwarzen Materialien, versehen mit vergoldeten Ziffern und Zeigern. Die Uhr, hergestellt von der Turmuhrenfabrik J.F. Weule in Bockenem, läuft nunmehr seit 100 Jahre fehlerfrei. Lediglich ein Zeiger und Teile vom Zifferblatt lösten sich vor einigen Jahren und fielen neben die Kirche. Zu Schaden kam gottlob niemand. Inzwischen wurde das Uhrwerk gemeinsam mit dem Geläut von Hand- auf Elektrobetrieb umgestellt. Gewartet wird das Uhrwerk einmal im Jahr von der Fa. Hirtz aus Ulm.
Im Geschoss über der Uhrenstube befanden sich drei Glocken. Aufgehängt in einem stabilen, schmiedeeisernen Glockenstuhl. Die unterste Glocke mit Ton C war mit 36 Zentnern auch die schwerste. Versehen war sie mit der Inschrift „Ein feste Burg ist unser Gott“. Ferner die Aufschrift, „Der Lutherkirche von Bad Harzburg gewidmet im Jahre ihrer Vollendung 1903 von Julius Geißmar und seiner Ehefrau Helene“. Außerdem zierte das 40 cm. große Stadtwappen die Glocke. Hergestellt wurde das Werk in der Herzogl. Hofglockengießerei Franz Schilling zu Apolda/Thüringen. Apolda war ehemals eine Hochburg im Glockenbau. Allein von 1722 bis 1988 wurden dort etwa 20.000 Glocken gegossen und in alle Welt versandt.
Über dieser großen Glocke hing ein kleineres, noch aus der alten Kirche stammendes Exemplar mit Ton ES. Diese Glocke hatte einen Durchmesser von 1.56 Meter und eine Höhe von 0,90 Meter. Gegossen wurde sie bei der Fa. J.J. Radler u. Söhne 1883 in Hildesheim. Ebenfalls aus der alten Kirche stammt die oberste, kleinste und älteste Glocke aus dem Jahr 1674 mit Ton G. Hergestellt wurde sie bei der Firma Heisemeier in Wolfenbüttel und hat einen Durchmesser von 0,96 Meter und eine Höhe von 0,79 Meter.
Alle drei Glocken waren aus Bronze. Leider wurden die zwei unteren Glocken des Geläutes in der Zeit des ersten Weltkriegs eingeschmolzen, und das Material wanderte in die Hochöfen. Lediglich die älteste und kleinste Glocke überlebte diese Zeit. Nach den Kriegsjahren um 1920 regten sich dann Bestrebungen den fast leeren Glockenstuhl wieder aufzufüllen. Einige Jahre stand nur eine Glocke zur Verfügung, deren Geläut nur einen eintönigen Klang hervorbrachte. Für jemanden, dem Glockenläuten wie Musik erscheint, sicherlich ein Graus.
Daraufhin wurde wieder gespendet und gesammelt, und schon Anfang 1922 sollte der Neuguss von zwei Glocken gewagt werden. Da aber Inflationszeit herrschte, und Bronze knapp und sehr teuer war, kam jemand auf die Idee, die Glocken aus Stahl zu gießen. Diese Methode hatte jedoch den Nachteil, die Glocken aus Stahl waren für den Glockenstuhl. zu schwer.
Doch fachmännischer Rat fand auch hierfür eine Lösung. Es bestand die Möglichkeit, die Glocken höher abzustimmen, dadurch wurde Gewicht eingespart. Die Schwierigkeit lag aber auch darin, beide neue Glocken mit der bereits vorhandenen in Einklang zu bringen.
Im März 1922 wurden dann zwei neue Stahlglocken bei der Fa. Ulrich & Weule, ansässig in Apolda und Bockenem, bestellt. Die Glockenweihe fand am Pfingstsonnabend 1922 statt. Der Glockenstuhl mit dem neuen Geläut, versehen mit den Tönen C, ES und G, hatte jetzt stattliche vierzig Zentner zu tragen. Sicherlich das Höchstgewicht, das der hohe und schlanke Kirchturm mit seiner Statik verkraften konnte.

Alle drei Glocken waren mit Widmungen bzw. Inschriften versehen. Die obere und älteste von 1674, hatte folgenden Text <Nach der gnadenreichen Geburt Christi des Heilandes, Erlöser, Seligmacher Menschlichen Geschlechts Da sechzehn hundert ward und siebzig vier geschrieben, Als Priester dieses Orts Theodoricus Wieben, Kirchenväter Heinrich Schmid und Nagelschmied Hans Koch, Und Wolfgang Ritzau trug das Schul- und Kirchenjoch Bin ich hier her gehängt den Wächter zum Drummeten, Damit dies Christenvolk die Stimme der Kirchenpropheten Zu hören eilt her. Solt auch Gefährlichkeit Entstehen dass jedermann, wenn ich dröhn, sei bereit. Heisemeier gos mich in Wolfenbüttel>. Die mittlere Glocke, von 1883, weist folgenden Text auf <DEO GLORIA DIE EINWOHNER HARZBURGS 1883 DEM VATERLAND GEOPFERT 1917 ERSATZ 1922>. Auf der Rückseite < Ulrich & Weule Apolda-Bockenem> .
Auf der unteren und größten Glocke steht < EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT MICH GOSS ULRICH UND WEULE IN BOCKENEM ALS ERSATZ FÜR DIE 1917 DEM VATERLAND GEOPFERTE GEIßMAR-GLOCKE BAD HARZBURG 1922>
Laut Aussagen einiger Zeitzeugen und Kirchenkenner hatte man vor, die mittlere Glocke im zweiten Weltkrieg einzuschmelzen. Sie wurde 1944 demontiert und in ein Stahlwerk abtransportiert. Doch es gab scheinbar zum Ende des Krieges keine Möglichkeit mehr, solch eine Aktion durchzuführen. Nach dem Krieg kam sie deshalb über Umwege wieder an ihre alte Stelle zurück.
Bis in die heutige Zeit versieht das Geläut seinen Dienst. Abgesehen von einigen technischen Mängeln der Elektronik, z. B. bei Blitzschlägen, gab es nicht viel auszusetzen. Doch auch an den Glocken ging die Zeit nicht spurlos vorüber. Zusammen mit anderen Einrichtungen, soll das Geläut im Jahr 2004 eingehend geprüft werden. Dann wird man sehen, wie lange die drei Glocken noch über Harzburg klingen. Sollten neue Glocken erforderlich sein, gibt es sicherlich freiwillige Spender und Spendenaktionen, genau wie vor 100 Jahren.
Solch ein Bauwerk wie die Lutherkirche ist fast immer auf Spenden angewiesen, um alles Instand zu halten. Dazu trägt auch der Verlauf der Umgehungsstraße bei, der direkt seit 1971 an der Kirche vorbeiführt und schon 1978 und 1983 große Renovierungen durch statische Schäden im Inneren dringend erforderlich machte.
Vorgänger der Lutherkirche
Einer der Vorgänger der Lutherkirche war die schon einige Male erwähnte Dorfkirche von Neustadt – Schulenrode. Das Alter dieses Gotteshauses lässt sich nicht mehr genau festlegen. Lange Zeit wurde das Baujahr 1654 angegeben. Beim Abriss der Kirche 1901 fand man Überreste alter Bruchsteinmauern, die von einem Brand im Jahr 1550 stammten. Beim Turmabbau wurde des Weiteren ein kreisrunder Stein mit Inschrift gefunden. Der Text lautete < Anno domini 1592 H: B.>
Damit ist sicherlich das Baujahr der Kirche gemeint. Alle anderen Daten bezogen sich größtenteils auf Veränderungen des Gebäudes. Davon gab es bis zum Jahr des Abbruchs 1901 sehr viele. Nur einige sollen erwähnt werden. Schon im Jahr 1600 wurde der Turm verstärkt und ummantelt. Um dass bisherige Lehm- und Fachwerkgebilde wurde eine Mauer aus Bruchsteinen mit Gips- bzw. Kalkmörtel errichtet. Solch ein Material war für das raue Nordharzklima besser geeignet. Der Turm war 17 Meter hoch und die Ausmaße des Turmgrundrisses betrugen 8,50 mal 6,50 Meter. Die Grundmaße des Kirchengebäudes aus dieser Zeit, sind nicht mehr nachzuweisen.
Der dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 verschonte auch Bad Harzburg nicht. Aktivitäten von sogenannten Harzschützen wurden mit der Entsendung von kaiserlichen Truppen beantwortet. Deren Kommandant Oswald von Bodendieck hatte den Auftrag, das Amt Harzburg gründlich zu zerstören. Kaum ein Gebäude kam ungeschoren davon. Sicherlich blieben auch Schäden an der Kirche als geistlichem Mittelpunkt der Gemeinde nicht aus. Ob das Gebäude teilweise oder ganz in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist nicht mehr festzustellen.
Fest steht aber, dass 1654, sechs Jahre nach dem Westfälischen Frieden von Osnabrück und Münster, auf den alten Mauern ein neues Kirchenhaus erbaut wurde. Der Kirchturm stand noch, wie alte Urkunden belegen. Die Ausmaße des Gotteshauses betrugen 19,50 Meter in der Länge und 11,50 Meter Breite. Im Inneren war für über 300 Kirchenbesucher Platz. 1674 wurde eine neue Glocke angeschafft, gegossen von der Fa. Heisemeier in Wolfenbüttel. In den Jahren danach wurden nur die notwendigsten Reparaturen durchgeführt. Die Armut war groß, und auch die Nachwirkungen des dreißigjährigen Krieges spürte man noch lange Jahre.

Im Jahr 1863 gab es dann wieder umfangreiche Umbauten. Verändert wurde der gesamte Innenraum. Dies betraf u. a. die Treppen und die Emporen, die erneuert und vergrößert wurden. Die Treppen verlegte man vom Turmäußeren in den Innenbereich der Kirche. Umgebaut wurden auch die alten Frauen- und Mannesstühle in ungeteilte Bänke, um mehr Sitzplätze zu schaffen. Zusätzlich wurde der Turm mit Zementputz überzogen und das Dach erneuert. Während der umfangreichen und langwierigen Bauarbeiten fand der Gottesdienst in Bündheim statt.
Im Jahr 1883 wurde eine neue Turmuhr angeschafft. Hersteller war die Firma Weule in Bockenem. Im selben Jahr entschloss man sich zum Kauf einer zweiten Glocke. Die Herstellung lag bei der Firma Radler & Söhne in Hildesheim. Versehen war die Glocke mit folgender Inschrift < Zur Ehre Gottes und zum Andenken An den 400jährigen Geburtstag Dr. M. Luthers. Gottes Wort und Luthers Lehr Vergehen nun und nimmermehr. Mich goss J.J. Radler u. Söhne in Hildesheim 1883>. Zusätzlich war auf beiden Seiten ein Porträt Dr. M. Luthers angebracht. Versehen mit dem Spruchband „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“.
In den letzten Jahren der alten Kirche wurden dann nur noch einige Fenster verändert, um mehr Helligkeit zu schaffen. Für Licht sorgten noch Kerzen, die in der Kirche aufgestellt wurden. Auch die meisten Besucher brachten zu den Gottesdiensten Kerzen mit, um für mehr Wärme und Beleuchtung zu sorgen. An den Straßen brannten damals noch Gaslaternen. „Elektrisches Licht“ gab es in Bad Harzburg erst kurz nach 1900.
In der Zeit vor dem Abriss der alten Dorfkirche machte man sich Gedanken, was mit dem teilweise sehr alten und wertvollen Inventar geschehen solle. Es gab Bestrebungen zum Bau eines Museums an bzw. in der neuen Kirche. Doch obwohl der Neubau andere Dimensionen hatte als das alte Gebäude , wurde der Plan nicht verwirklicht. Daraufhin übernahm man einige Teile in das neue Gotteshaus. Dies waren u. a. zwei Epitaphien, zwei kleinere Figuren und eine Grabplatte, die heute außen an der Kirche ihren Platz hat. Des Weiteren befindet sich im Turmaufgang der Urkundenstein der alten Kirche von 1654. Übernommen wurden auch die beiden Bronzeglocken von 1674 und 1883.
Der Altar kam erst in ein Braunschweiger Museum. Dann war er einige Jahre ausgelagert nach Süpplingen am Elm. Seit 1951 hat er in der Bündheimer St. Andreaskirche seinen Platz und wurde 1985/86 nochmals restauriert. Die alte Turmuhr wurde ebenfalls erhalten und auf dem Dach der Bürgerschule an der Bäckerstr. installiert. Auch die alte Orgel, ursprünglich aus dem Kloster Dorstadt stammend und nicht mehr das neueste Modell, versah noch einige Zeit ihren Dienst in einer kleinen Dorfkirche im heutigen Kreis Wolfenbüttel. Viele alte Sachen, wie Messingleuchter, wertvoll geschnitzte Figuren und andere geistliche Gegenstände, kamen in den Müll.
Noch älter und heute wenig bekannt, war eine Kapelle bzw. Kirche am Fuße des Burgbergs unter der damaligen Harzburg. Das Gebäude befand sich fast am Ende des Krodotales im späteren Ortsteil Schulenrode. Der Begriff Schulen stammt aus der mittelniederdeutschen Sprache und kommt vom Wort Schaulen. Die Deutung lag bei versteckt oder verborgen liegend. In alten Schriften wird auch eine dichte Dornenhecke erwähnt, die es am Eingang des Tales gab, um den Zugang dorthin zu erschweren. In alten Schriften wurde das Krodotal auch als Tal der Zuflucht bezeichnet.
Als Baujahr des Gotteshauses wurde ungefähr 1073 angegeben. Erbauer der einschiffigen Kirche dürfte der Baumeister Heinrichs IV., Benno von Osnabrück, gewesen sein. Die Grundmaße des im romanischen Stil erbauten Gebäudes betrugen über 20 Meter äußere Länge. Die äußere Breite war mit 11,90 Meter angegeben. Das Kirchenschiff hatte eine Länge von 18,20 Meter und eine Breite von ca. 10 Metern. Als Baumaterial wurde vorwiegend Kalksandstein, aus Harzer Bruchsteinen gewonnen, verwendet. Für die Fundamente nahm man sogenannten Grauwacken-Hornfels.
Ein hartes Gestein, das sicherlich auch in der näheren Umgebung abgebaut wurde. Die Kirche hatte einen westlichen Vorbau und eine Apsis nach Süden hin. Bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass die Grundmauern des westlichen Anbaues auf eine besondere feste Bauweise hinwiesen. Daraus ergab sich der Schluss, dass dort nicht nur eine einfache Eingangshalle war, sondern ein Turmvorbau auf dem sich evtl. der Glockenturm befand.
Diese Kirche bzw. Kapelle stand dort bis ins hohe 13. Jahrhundert. Bei späteren Ausgrabungen und bei der zunehmenden Bebauung des Krodotales, fand man viele Gegenstände und andere Mauerreste. Daraus konnte geschlossen werden, dass sich außer der Kirche noch einige andere Gebäude dort befanden. Es handelte sich dabei sicherlich um Unterkünfte für Geistliche und deren Bedienstete. Des weiteren wurde berichtet, dass um 1750 noch Grundmauern der Kirche sichtbar gewesen seien.
Ausgrabungen im Krodotal gab es in früheren Jahren auch des öfteren. Eine bedeutende Grabung nach Kirchenresten begann im August 1899. Ein Beteiligter war u. a. der Forstrat Nehring. Auf Grund seiner Erkenntnisse aus diesen Grabungen und seinem Geschichtsinteresse, wurde er 1902 Mitbegründer des Harzburger Altertums- und Geschichtsvereins, vollzogen im ehem. Hotel Stadt London. Die nächste Aktion an dern alten Kapelle folgte 1905/06. Weitere Nachforschungen fanden auch in den dreißiger Jahren statt. Die letzte größere Ausgrabung gab es in den Jahren 1948 und 1949. Bei diesen letzten Aktionen wurden auch viele Erkenntnisse gesammelt, die in der heutigen Zeit von Geschichtsinteressierten und Heimatkundlern noch verwertet werden. Ansonsten erinnert nur noch der Kapellenweg, im Volksmund früher auch Kirchweg genannt, an das ehemalige Gotteshaus im Krodotal.
Der Beitrag entstand um das Jahr 2004
Mehr Fotos rund um die Lutherkirche auf Harz-History
Mit einer Artikelserie ging auch der Uhlenklippenspiegel des Harzburger Geschichtsverein auf die Lutherkirche ein:
100 Jahre Lutherkirche (Hans Herrmann Wedekind) 060/2001
100 Jahre Lutherkirche, Teil 2 (Hans Herrmann Wedekind) 061/2002
100 Jahre Lutherkirche, Teil 3 (Hans Herrmann Wedekind) 062/2002
100 Jahre Lutherkirche, Teil 4 (Hans Herrmann Wedekind) 063/2002
100 Jahre Lutherkirche, Teil 5 (Hans Herrmann Wedekind) 064/2002
100 Jahre Lutherkirche, Teil 6 (Hans Herrmann Wedekind) 965/2003

