
Francisco d´Andrade in Bad Harzburg
Geboren wurde der berühmte Opernsänger Francisco d´Andrade am 11. Januar 1859 in Lissabon. Nach seiner Schulzeit widmete er sich zuerst dem Studium der Rechtswissenschaft. Im Jahr 1881, mit 22 Jahren, nahm er dann Gesangsunterricht in Mailand. Seine Lehrer waren u. a. die Maestros Miraglia und Monconi. Zwei bekannte Gesangslehrer ihrer Zeit, in dieser großen Opernmetropole.
Inspiriert worden war d´Andrade sicherlich von der Karriere seines älteren Bruders Antonio, einem bekannten Tenor, der auch in der Londoner Covent Garden Opera aufgetreten war. In der Familie d´Andrade, versehen mit einem alten portugiesischen Namen, soll es neben Antonio mit Giovanni noch einen weiteren Bruder gegeben haben. Doch mit Gesang hatte dieser wohl nichts im Sinn. Schon 1882, also ein Jahr später, hatte Francisco d`Andrade sein Bühnendebüt in San Remo als Amonasro in der Oper Aida.

Danach ging seine Gesangskarriere steil nach oben und er feierte große Erfolge an den Bühnen in Italien, Spanien und Portugal. Darunter der Mailänder Scala und dem Theatro Constanz in Rom. Im Jahr 1886 dann sein erstes Gastspiel, wie einst sein älterer Bruder, an der Covent Garden Opera in London. Die Bühne auf der Francisco d`Andrade in der Folgezeit bei großen Konzerten und Opernarien stets gefeiert wurde.
Im Jahr 1889 zog es ihn nach Berlin. Auch hier feierte er große Erfolge, u. a. an der Berliner Hofoper. Dort war er mit Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg in den Jahren 1906 bis 1919 regelmäßig zu Gast. Von Berlin war er so begeistert, dass er hier in einer großen Villa eine Etage mit über 20 Zimmern erwarb. Viel Platz für seine Frau Irma, Sohn Francisco jr. (um 1905 geb.) und für ihn selber.
Neben Berlin muss er aber auch von Bad Harzburg sehr angetan gewesen sein. Wie die Verbindung beider Städte für ihn zustande kam, ist nicht genau bekannt. Aber sicherlich kannten viele damals auch schon in Berlin die Vorzüge des aufstrebenden Kur- und Heilbades Bad Harzburg.
Francisco d´ Andrade jedenfalls erbaute 1898/99 eine luxuriöse Sommervilla an der Nordhäuserstraße. Die Nordhäuserstraße war damals noch die Verlängerung der Herzog-Wilhelm- und Herzog-Julius-Straßeerzog-Julius-Str.herzog in Richtung Torfhaus und den Oberharz. Das Gebäude bekam zuerst die Ass-Nr. 492, später dann die Hausnummer 12.
Die Villa lag am Fuß des Ettersberges, unterhalb der Villa des Berliner Industriellen Werner v. Siemens (1816-1892), die bis 1909 dort stand. Danach wurde die Siemens-Villa abgerissen und bis 1912 das Erholungsheim Siemens-Ettershaus erbaut.
Die Villa der d‘Andrades im Rokokostil wurde aus besten und edlen Materialien errichtet, die eigens aus südlichen Ländern herangeschafft worden. Leider zeigte sich einige Jahre später, dass diese Baustoffe die Feuchtigkeit und die langen, kalten Winter im Harzburger Radautal nicht sonderlich vertrugen.
Bei seinen Aufenthalten in der Bad Harzburger Villa, konnte sich Francisco d`Andrade fernab der Großstadt mit seiner Familie von seinen vielen Auftritten und den damit verbundenen Reisen erholen. Er war zu Gastspielen in ganz Europa unterwegs. Seine Paraderollen waren inzwischen der „Don Giovanni“ aus W. A. Mozarts gleichnamiger, berühmter Oper. Außerdem noch die des „Figaro“ aus dem Barbier von Sevilla von Ghioaccini Rossini.
An dieser Stelle soll an ein weiteres Kapitel im Leben des Sängers erinnert werden. Es geht um die langjährige Freundschaft zu dem Maler Max Slevogt (1868-1932) und dessen Frau Antonie, genannt Nini. Max Slevogtn einer der bedeutendsten impressionistischen Maler in Deutschland, porträtierte den Sänger in dieser Zeit einige Male. Das bekannteste Gemälde, dürfte „Das Champagnerlied“, genannt auch „Der weiße d`Andrade“ sein. Es entstand 1902 und befindet sich heute in der Staatsgalerie in Stuttgart.
Daneben gibt es u. a. noch weitere Werke von Slevogt mit F.d´Andrade. So den „Schwarzen d´Andrade“ und auch private Darstellungen, wie den Sänger in seiner Villa, eine Zeitung lesend. Einige Werke davon entstanden in Bad Harzburg, wenn das Ehepaar Slevogt bei Familie d´Andrade zu Gast war. Zuweilen sahen auch einige Bad Harzburger dann Antonie Slevogt eine dicke Zigarre rauchend auf der Veranda oder im Garten des großen Grundstücks.
Was viele von Max Slevogt nicht wussten: Auch er war ein hervorragendes Musiktalent, besaß eine sehr gute Stimme und spielte glänzend Klavier. Fast wäre er deswegen ebenfalls Sänger geworden.

In Bad Harzburg selbst trat Francisco d`Andrade nur zweimal öffentlich auf. Der erste Auftritt war am 4. August 1903. Der Erlös ging in den Spendenfonds zum Bau der neuen Lutherkirche. Das zweite Konzert fand am 3. August 1904 statt. Hierbei ging es um die Unterstützung des Harzburger Kurtheaters. Wie damals berichtet, war der berühmte Sänger desöfteren zu Gast in dieser kulturellen Einrichtung.
Francesco d´ Andrade war auch einer der ersten, der in Bad Harzburg ein Automobil steuerte. Es gibt zwei eindeutige Fotos von 1905 und 1907, die Francisco d´Andrade am Steuer seines Wagens und Frau Irma als Beifahrerin vor der Harzburger Villa zeigen. Das Auto war bezeichnenderweise ein „Motorwagen Benz Parsifal“. Dieses Modell gab es je nach Ausstattung und Motorisierung von acht bis dreißig PS. Die Höchstgeschwindigkeit betrug ca. 50 km/h und die Preise fingen bei 7000 RM an.
Ein anderer Kandidat fürs erste Bad Harzburger Automobil, soll der Graf Vitzum zu Eckstedt gewesen sein, der in der Kurstadt ebenfalls eine ansehnliche Villa besaß.
Um 1905 kam im Hause d´Andrade dann Sohn Francisco jr., genannt Chico, zur Welt. Als Kind galt er als sehr schüchtern und hatte wohl auch wenig Kontakt zu anderen Kindern. Einzig zu einem jungen Mädchen, deren Tante in der Hauswirtschaft des neuen und nahen Siemens-Ettershauses arbeitete und diese dort besuchte, hatte er Vertrauen. Einige Zeit später ging dann die junge Frau für mehrere Jahre als Kindermädchen von Chico mit nach Berlin.
Im Jahr 1914 brach bekanntermaßen der erste Weltkrieg aus. Es steht nicht genau fest, ob der Sänger interniert wurde, da er ja als Ausländer galt. Seine Frau Irma aber wohl deutschstämmig war. Eventuell hatte er aber „nur“ Berufsverbot und durfte somit in Deutschland nicht öffentlich auftreten. Möglichkeit drei wäre, dass er mit seiner Familie nach Portugal ausreisen konnte. Dafür spricht, dass das erwähnte Kindermädchen von Chico bei Kriegsausbruch wieder zurück nach Bad Harzburg kam.
Außerdem ist bekannt, dass Chico in Portugal blieb und in Lissabon lebte. Später trat er in die Fußstapfen seines Vaters und seines Onkels und wurde auch Sänger. In Lissabon leitete er u. a. ein Gesangs-Theater, das aber irgendwann ein Opfer der Flammen wurde und abbrannte. In Chicos Besitz waren auch einige wertvolle Bilder von Max Slevogt, u. a. der „Schwarze d´Andrade“. Im Jahr 1969 wurde dieses von der Hamburger Kunsthalle erworben.
Francisco d` Andrades Sängerkarriere, er war inzwischen mit dem Ehrentitel „Königlich Bayrischer Kammersänger“ versehen worden, dauerte bis 1919. Wann er das letzte Mal in Bad Harzburg war, ist nicht bekannt. Am 8. Februar 1921 verstarb der große Sänger nach einem Schlaganfall mit nur 62 Jahren in Berlin.
Erloschen war damit eine große Stimme der damaligen Musikwelt. Es existierten zwar einige Schallplatten u. a. aus dem Jahr 1906. Doch die Tonqualität dieses Mediums war nicht die allerbeste. Stimmen und Instrumenten war kein Glanz beschieden. Die Nadel kratzte und diese Nebengeräusche verhinderten jeglichen Hörgenuss. So die Meinung damaliger Musikkritiker.
Als der Sänger gestorben war, unterrichtete seine Witwe Irma die Harzburger Zeitung. In einer öffentlichen Würdigung wurden die Bad Harzburger dann vom Ableben des Sängers unterrichtet. Die Villa behielt Irma d`Andrade noch zwei Jahre. Dann bat sie 1923 den Bad Harzburger Anwalt und Justizrat Friedrich Höltje, das Anwesen zu verkaufen.
Einige Zeit später erwarb der Buch- und Kunstverleger August Gebel aus Bad Ems, Villa und Grundstück. Ein Foto aus den dreißiger Jahren, zeigt das Gebäude danach noch als Töchterheim Waldschlösschen d`Andrade. Im Januar 1938 musste das Gebäude dem neuen Verlauf der Nordhäuserstraße (B4) weichen und wurde abgerissen. Die Villa war zu diesem Zeitpunkt sanierungsbedürftig, speziell das Innere des Hauses. Leider war damit wieder eine Spur des ohnehin wenig bekannten Lebens des Francisco d`Andrades und zum Anderen ein markantes Gebäude aus dem Bad Harzburger Stadtbild verschwunden.
Der Beitrag wurde für die Ausgabe 100 des Uhlenklippenspiegels 2011 verfasst.
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