{"id":194,"date":"2025-12-21T06:43:12","date_gmt":"2025-12-21T06:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/?p=194"},"modified":"2025-12-21T07:23:08","modified_gmt":"2025-12-21T07:23:08","slug":"die-lutherkirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/?p=194","title":{"rendered":"Die Lutherkirche"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"529\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Lutherkirche_2_1902_0ffd241328-1024x529.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-203\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Lutherkirche_2_1902_0ffd241328-1024x529.jpg 1024w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Lutherkirche_2_1902_0ffd241328-300x155.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Lutherkirche_2_1902_0ffd241328-768x397.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Lutherkirche_2_1902_0ffd241328.jpg 1528w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick \u00fcber Bad Harzburg im Jahr 1902, links im Bild der einger\u00fcstete Rohbau der Lutherkirche.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Lutherkirche<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Der Anfang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Neustadt-Schulenrode, wie Bad Harzburg damals noch hie\u00df, gab es schon 1891 ernsthafte Bestrebungen, eine gr\u00f6\u00dfere Kirche zu bauen. Das Fassungsverm\u00f6gen der alten Dorfkirche war zu gering und so wurde beschlossen, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa zeitgleich wurde der Antrag bei der Herz\u00f6glich-Braunschweigischen Administration gestellt, um eine Geldsammlung f\u00fcr den Kirchenfonds durchzuf\u00fchren. Das Verm\u00f6gen der Kirche belief sich damals auf ca. 6500 Mark und von der Stadt floss ein j\u00e4hrlicher Zuschuss von 500 bis 600 Mark in die Kirchenkasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren gab es noch Eink\u00fcnfte von j\u00e4hrlich 25 Mark aus zwei Morgen Kirchenbesitz. Alles in allem bei weiten nicht genug, um ein gr\u00f6\u00dferes Kirchengeb\u00e4ude zu errichten. Die Hauptinitiatoren der Spendenaktion waren Pastor Hermann Eyme und der Hofbuchh\u00e4ndler Rudolf Stolle.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1010\" height=\"719\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_erst_Heine_Entwurf_37016e1148.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-205\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_erst_Heine_Entwurf_37016e1148.jpg 1010w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_erst_Heine_Entwurf_37016e1148-300x214.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_erst_Heine_Entwurf_37016e1148-768x547.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1010px) 100vw, 1010px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein erster Entwurf von Gustav Heine f\u00fcr einen Kirchenbau in Bad Harzburg. Der fehlende Turmbau k\u00f6nnte zum Scheitern des Entwurfs beigetragen haben.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Pastor Hermann Eyme wirkte von 1885 bis zu seinem Tod 1908 in Bad Harzburg. Geboren wurde er am 5. September 1838 in Langelsheim. Sein Weg f\u00fchrte ihn \u00fcber G\u00f6ttingen, Greene, Sauingen und Bettingerode nach Harzburg. Rudolf Stolles Geburtsort war Holzminden. Sein Geburtsdatum ist der 2. Juli 1858. Bevor er nach Harzburg kam, absolvierte er eine Lehre als Buchh\u00e4ndler in Hannover. Danach hatte Rudolf Stolle eine Anstellung bei der Fa. Zickfeldt, einem p\u00e4dagogischen Verlag in Osterwieck.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 15. April 1892 gab es dann von der Herzoglichen Verwaltung in Wolfenb\u00fcttel die Genehmigung, f\u00fcr eine Spendensammlung zum Bau eines neuen und gr\u00f6\u00dferen Gotteshauses. Die Ortsteile Neustadt und Schulenrode wuchsen stetig und auch der Fremdenverkehr nahm konstant zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einwohnerzahl beider Ortsteile belief sich auf ca. 3300. Die G\u00e4ste- und Passantenzahlen, wurden in damaligen Statistiken mit ca. 16.000 Besuchern angegeben. In dieser Zeit entstanden viele neue Hotels und Pensionsbetriebe. Neustadt und Schulenrode bekam ebenfalls 1892 den Status eines Heilbades zuerkannt. Neuer Name wurde jetzt Bad Harzburg.<\/p>\n\n\n\n<p>In n\u00e4chster Nachbarschaft des Kirchenareals gab es das Hotel Burgkeller und das Hotel Bellevue, die in dem aufstrebenden Ort Zimmer f\u00fcr Erholungssuchende anboten. Im Jahr 1894 wurden Bad Harzburg die Stadtrechte verliehen. Erster B\u00fcrgermeister war August Flotho.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Bad Harzburg jetzt den Status Heilbad und Stadt hatte, vermehrten sich die Stimmen zum Bau einer neuen Kirche. Der ganze Ort war in euphorischer Stimmung, es gab viele besondere Veranstaltungen im Hinblick auf die Stadtgr\u00fcndung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sogar das Pferderennen auf der sogenannten gro\u00dfen Wiese wurde 1894 einmal im Juli und nochmals im September ausgetragen. Es gab inzwischen einen Spendenausschuss, um nach neuen Geldquellen f\u00fcr den Bau der neuen Kirche zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Spendenfluss war nicht so \u00fcppig, wie man erhofft hatte. Im Jahr 1892 waren es bescheidene 676,80 Mark, die im Spendentopf landeten. 1893 kam mit 135,57 Mark noch weniger Geld zusammen. Auch im Jahr der Stadtwerdung 1894 hielt sich der Geldfluss in Grenzen, gesammelt wurden f\u00fcr den Kirchenfonds ganze 560,62 Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>So kamen viele Ideen zusammen, um mehr Geld in den Kirchenfonds zu bekommen. Pastor Eyme z. B. verfasste eigene Gedichte im Harzburger Anzeiger und der Erl\u00f6s kam ebenfalls in den Spendentopf. Auch der von Kantor Otto Meyer gegr\u00fcndete Kirchenchor spendete das bei wohlt\u00e4tigen Konzerten eingenommene Geld. Im Lauf der Jahre kamen dabei \u00fcber 1000 Mark zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich gab es im Harzburger Anzeiger, dem Vorl\u00e4ufer der Harzburger Zeitung, regelm\u00e4\u00dfig eine Spenderliste und den Aufruf zur Kirchenspende. Vermehrt wurden wohlhabende Harzburger B\u00fcrger angesprochen, f\u00fcr den Kirchenfonds Geld bereitzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit kam vom Herzoglich-Braunschweigischen Konsistorium der Vorschlag, aus Kostengr\u00fcnden das Baumodell der 1888 erbauten Kirche St. Martini in Rh\u00fcden zu \u00fcbernehmen. Die Harzburger waren davon nicht begeistert, eine andere Kirche zu kopieren. Ein Grund war, der Kirchenbau in Rh\u00fcden am Harz hatte lediglich ein Fassungsverm\u00f6gen von 440 Personen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Plan wurde schnell verworfen und man hoffte zuversichtlich, ein gr\u00f6\u00dferes Gotteshaus bauen zu k\u00f6nnen. Anlass war auch der h\u00f6here Spendenfluss einiger B\u00fcrger des Ortes. So gab es u. a. gr\u00f6\u00dfere Geldzuwendungen vom Konsul Berkenbusch von insgesamt 3000 Mark.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"858\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Gesamtkosten_16226bb528-1024x858.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-198\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Gesamtkosten_16226bb528-1024x858.jpg 1024w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Gesamtkosten_16226bb528-300x251.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Gesamtkosten_16226bb528-768x644.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Gesamtkosten_16226bb528.jpg 1459w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein Blick in die Kostenrechnung der Lutherkirche<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1897 hatte der Kirchenfonds Mittel in H\u00f6he von 3490,64 Mark zur Verf\u00fcgung. Ein Jahr sp\u00e4ter waren es 4960,68 Mark. Es gab auch Vorank\u00fcndigungen von Geldspenden. So teilte der Rentner K\u00f6nig mit, f\u00fcr den Fall des Kirchenbaues 6000 Mark bereitzustellen, daraus wurden letztendlich 10.700 Mark. Der Stationsvorsteher Gei\u00dfmar spendete 1000 Mark, sp\u00e4ter dann noch einmal 3700 Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jahr 1899 war sicherlich mit entscheidend f\u00fcr den sp\u00e4teren Kirchenbau. Zum einen gab es eine beachtliche Schenkung von Frau \u201eHauptmann Clausius\u201c. Die Summe betrug 20.000 Mark und in der&nbsp; Spendenkasse befanden sich jetzt 27.574,61 Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren nahmen Pastor Eyme sowie der damalige Stadtrat Landwehr Kontakt mit dem Architekten Gustav Heine auf. Dieser war auch Erbauer des neuen St\u00e4dtischen Badehauses und der Wandelhalle im Badepark, die beide 1898 eingeweiht wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich gab es am 16. Mai 1899 eine Sitzung des Kirchenvorstandes mit dem Ziel, die Vorarbeiten f\u00fcr den Kirchenbau in Angriff zu nehmen. Am 27. Feb. 1900 gab es eine weitere Sitzung des Gremiums. In dieser stellte Stadtrat Landwehr den ersten Kostenvoranschlag und einen Entwurf von Gustav Heine zum Kirchenbau vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Kostenvoranschlag belief sich auf die Summe von 170.000 Mark. Die Pl\u00e4ne des Architekten Heine fanden allgemeinen Anklang und es wurde beschlossen, diese zum Preis von 1,3 % Prozent der Bausumme zu erwerben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kirchenfonds befanden sich jetzt 36.659,42 Mark. Bei den St\u00e4dtischen Beh\u00f6rden fanden Heines Pl\u00e4ne ebenfalls Zustimmung, und es wurden 74.000 Mark zum Kirchenbau bewilligt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Herzogliche Konsistorium in Wolfenb\u00fcttel beurteilte die Heineschen Pl\u00e4ne wohlwollend und stellte ebenfalls einen Zuschuss in Aussicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 5. Sept. 1900 wurde Gustav Heine mit dem Bau des neuen Gotteshauses betraut. Inzwischen lag ein neuer Kostenvoranschlag von ihm vor, der eine Bausumme von 180.000 Mark beinhaltete.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich wurde eine Kommission zur \u00dcberwachung des Kirchenbaues gew\u00e4hlt. Die Kommission setzte sich aus sieben folgenden Personen zusammen: Vorsitzender und immer noch unerm\u00fcdlich Pastor Eyme. Von den st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden B\u00fcrgermeister von Stutterheim und Forstrat Nehring. Den Kirchenvorstand vertraten Zimmermeister Hartwieg, Stationsvorsteher Gei\u00dfmar und Glasermeister Fricke.<\/p>\n\n\n\n<p>Als idealer Bauplatz galt der Standort des alten Kirchengeb\u00e4udes, das somit sp\u00e4ter dem Neubau weichen musste. Es verging dann fast noch ein Jahr, bis endlich die Vorarbeiten begannen. Seit den Anf\u00e4ngen und Denkanst\u00f6\u00dfen zum Bau einer neuen Kirche im Jahr 1891, waren ca. zehn Jahre ins Land gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 06. Nov. 1901, stellte der Kirchenvorstand dann den offiziellen Antrag zum Bau des neuen Gotteshauses. Vermerkt unter der Nummer 1061 im Bau-Register des Amtsbezirks Harzburg, bei der Herzoglichen Kreisdirektion in Wolfenb\u00fcttel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kirchenfonds im Jahr 1901, wies die Summe von 44860,92 Mark aus. Ende des Jahres 1901 wurden die ersten Fundamentierungsarbeiten des Turmes begonnen. Es wurde so gearbeitet, das in der alten Kirche noch Gottesdienste abgehalten werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit kam gut voran und schon am 10. Nov. 1901 fand die Grundsteinlegung des Neubaues statt. Anwesend war auch ein Vertreter der Kreisdirektion, sowie Abordnungen von st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden. Auch die Harzburger Bev\u00f6lkerung nahm gro\u00dfen Anteil an diesem feierlichen Akt. Am Totenfest dieses Jahres fand schlie\u00dflich der letzte Gottesdienst und das Abendmahl statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast 500 Gl\u00e4ubige besuchten noch einmal ihre alte Kirche. Mit deren Abbruch wurde ein Tag sp\u00e4ter, dem 21. November begonnen. Das Geb\u00e4ude mit angegebenen Baujahr 1592 war eigentlich noch in guten Zustand. \u00c4lteren Berichten zufolge gab es nur kleinere M\u00e4ngel wie Schwamm an einigen Stellen und Stockflecke infolge von Wassersch\u00e4den.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Bauzeit von 1901 bis 1903 diente die nahegelegene st\u00e4dtische Turnhalle in der Burgstra\u00dfe, als&nbsp;&nbsp; Ausweichquartier. Sp\u00e4ter geh\u00f6rte das 1901 erbaute Geb\u00e4ude zur Realschule und wurde 1992 abgerissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die neue Kirche<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"663\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Einweihung_1_Adv_1903_89cef1dfe7-663x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-197\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Einweihung_1_Adv_1903_89cef1dfe7-663x1024.jpg 663w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Einweihung_1_Adv_1903_89cef1dfe7-194x300.jpg 194w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Einweihung_1_Adv_1903_89cef1dfe7-768x1186.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Einweihung_1_Adv_1903_89cef1dfe7-995x1536.jpg 995w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Einweihung_1_Adv_1903_89cef1dfe7-1327x2048.jpg 1327w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Einweihung_1_Adv_1903_89cef1dfe7-scaled.jpg 1658w\" sizes=\"auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Einweihung der Lutherkirche im Advent 1903<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Harzburger Winter 1901\/02 war sehr milde. Deshalb konnte fast ohne Unterbrechung an dem Bau gearbeitet werden. Im Januar 1901 verstarb der Leiter des Baues, Eduard Gustav Heine nach l\u00e4ngerem Leiden im Alter von 57 Jahren. Der Architekt, 1843 in Halberstadt geboren und vorher in Hannover t\u00e4tig, hatte seinen Wohnsitz schon einige Zeit in Bad Harzburg. Es war ihm nicht verg\u00f6nnt, sein Bauwerk je vollendet zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Hannover war der Baumeister und Architekt Heine u. a. an Bauwerken wie dem Kestner- Museum und dem Umbau der Polytechnischen Schule zum Continental Hotel beteiligt. Die Bauaufsicht, sowie die Anfertigung der noch erforderlichen Detailzeichnungen zum Kirchenbau, wurde dem jungen Bauf\u00fchrer und Architekten Wilhelm Dohme \u00fcbertragen. Bauf\u00fchrer Dohme war auch schon unter Heines Anleitung mit dem Bau der neuen Kirche vertraut. Die Oberleitung des Baues oblag jedoch Kreisbauinspektor Fricke in Wolfenb\u00fcttel<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1902 war der Spendentopf mit 45.599,04 Mark gef\u00fcllt. Am 30. August 1902 wurde unter gro\u00dfer Anteilnahme das Richtfest gefeiert. Wie allgemein zu sehen war, wurde es nach Fertigstellung ein imposantes Geb\u00e4ude. Versehen war es mit drei Eing\u00e4ngen, u. a. dem Haupteingang von der Herzog-Julius-Stra\u00dfe. Daneben befand sich der Aufgang zum Turm. Gegen\u00fcber dem alten Pfarr- und Gemeindehaus an der damaligen Kirchstr. war der dritte Einlass. Dieses Bauwerk hatte nichts mehr mit dem \u00e4rmlichen kleinen Kirchlein gemein, wie sp\u00f6ttische Chronisten und Zeitgenossen das alte Kirchengeb\u00e4ude betitelten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Au\u00dfenma\u00dfe betragen ca. 40 Meter L\u00e4nge und 20 Meter Breite. Der Turm sollte einmal die H\u00f6he von 56 Metern erreichen. Der Kirchturm ist auch heute noch ein weithin sichtbares Wahrzeichen und wird von keinem anderen Geb\u00e4ude in n\u00e4chster N\u00e4he \u00fcberragt.<\/p>\n\n\n\n<p>Erbaut wurde das Gotteshaus im fr\u00fchgotischen Stil. Die Au\u00dfenmauern wurden zum gr\u00f6\u00dften Teil aus wei\u00dfem Sandstein hergestellt. Das Material stammte aus zwei Br\u00fcchen in der N\u00e4he von Blankenburg im Harz. Ein Gro\u00dfteil der Innenausmauerung, besteht aus Braunschweiger Ziegelsteinen, die abwechselnd aus Kalkm\u00f6rtel oder Zementm\u00f6rtel hergestellt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00e4mtliche Dachkonstruktionen sind aus Tannenholz gezimmert und mit roten, glasierten Falzziegeln gedeckt. Die Dachziegel stammen von einer Fa. aus M\u00f6ncheberg bei Kassel. Die oberste Spitze des Turmes ca. 11 Meter hoch, wurde mit Kupfer eingedeckt. Das dar\u00fcber befindliche Kreuz hat eine H\u00f6he von 2,60 Metern, der Querarm misst 1,50 Meter.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Spitze wurde im April 1903 von 12 Zimmerleuten bei Sturm, Regen und Schnee errichtet. Es war f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse eine heikle Mission, aber alles verlief unfallfrei. Die elf Zimmerleute sowie ein Polier stammten aus Harlingerode, Schlewecke, B\u00fcndheim und Bad Harzburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 0,45 m Durchmesser gro\u00dfen und vergoldeten Turmknauf, hinterlegten die Handwerker einige Urkunden. Es waren eine Urkunde von der Grundsteinlegung, Belege \u00fcber Spendenbescheinigungen und die Namen der am Turmbau beteiligten Zimmerleute.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Bad Harzburg kamen Heinrich Schmidt, Heinrich Lohf, Carl Sievers, Wilhelm Sievers, Otto Bues, August Kasties, Wilhelm W\u00e4terling und Heinrich Dahle. Wilhelm Bothe und Heinrich Niemeyer stammten aus Harlingerode. Aus Schlewecke kam Wilhelm Bothe, und aus B\u00fcndheim August Bothe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende der f\u00fcnfziger Jahre wurden Restaurationsarbeiten vorgenommen und auch der Turmknauf zum Teil erneuert. Leider war von den Urkunden nicht mehr viel \u00fcbriggeblieben. Sie waren teils unleserlich, teils verwittert.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals muss ein reges Kommen und Gehen an der neuen Kirchenbaustelle geherrscht haben. Immerhin waren ca. 30 verschieden Firmen aus nah und fern am Bau beteiligt. Eigentlich sollte zu Pfingsten 1903 die Einweihung stattfinden, doch dieser Termin konnte nicht gehalten werden. Am 4. August 1903 gab es noch ein besonderes Ereignis zum F\u00fcllen des Spendentopfes. Der portugiesische Operns\u00e4nger Francesco d\u00b4Andrade gab eines von wenigen Konzerten in Bad Harzburg, und dies nur zum Wohle der Kirchenkasse. Der damals ber\u00fchmte S\u00e4nger wohnte von 1899 bis 1921 zeitweilig in seiner schmucken Villa an der Nordh\u00e4user Stra\u00dfe, um sich von seinen anstrengenden Konzerten in den gro\u00dfen Opernh\u00e4usern zu erholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eingeweiht wurde das Gotteshaus schlie\u00dflich am 1. Advent 1903. Eingeladen war auch Prinz Albrecht, der Regent des damaligen Herzogtums Braunschweig. Wichtige Staatsgesch\u00e4fte hielten ihn aber ab, an dem Festakt teilzunehmen. In seiner Vertretung nahm Geheimrat Trieps an der Feier teil. Die Feierlichkeiten begannen mit einer Abschiedsfeier in der Turnhalle, die als Ersatz f\u00fcr Gottesdienste und Abendmahlsfeiern gedient hatte. Danach gab es einen kurzen Festumzug, voraus gingen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Gefolgt von Geistlichen, welche die heiligen Gef\u00e4\u00dfe und B\u00fccher zur neuen Kirche trugen. Den Zug beschlossen Vertreter von Beh\u00f6rden, viele Ehreng\u00e4ste und ein Gro\u00dfteil der Harzburger Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der neuen Kirche wurde der Kirchenschl\u00fcssel vom Baumeister an den Superintendenten und dann an Pastor Eyme \u00fcberreicht. In der Kirche weihte Superintendent Wolleman assistiert von sieben Amtsbr\u00fcdern das Geb\u00e4ude auf den Namen Lutherkirche. Die Namensgebung sollte an den Reformator Martin Luther erinnern. Geboren am 10. November 1483 und gestorben am 18. Februar 1546. Danach hielt Pastor Eyme die Festliturgie und die Festpredigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche angelegt f\u00fcr \u00fcber 800 Pl\u00e4tze, war zum Bersten voll. Die meisten Teilnehmer harrten drau\u00dfen aus, obwohl schlechtes Wetter mit Schneeregen herrschte. Dem kirchlichen Festakt folgte nachmittags eine Festtafel mit 92 Teilnehmern im nahegelegenen Hotel Bellevue. Die Festschrift zur Einweihung verfasste der Baumeister Wilhelm Dohme.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"663\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Schmiedestr_1905-1024x663.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-204\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Schmiedestr_1905-1024x663.jpg 1024w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Schmiedestr_1905-300x194.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Schmiedestr_1905-768x498.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Schmiedestr_1905-1536x995.jpg 1536w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Schmiedestr_1905-2048x1327.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick aus der Schmiedestra\u00dfe auf die Lutherkirche im Jahr 1905<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Etwas sp\u00e4ter wurden die genauen Baukosten bekannt gegeben. Letztendlich ergab sich die Gesamtsumme von 215.688,97 Mark. Gespendet, geschenkt und gestiftet wurde auch noch flei\u00dfig in der letzten Zeit vor der Fertigstellung. So u. a. noch einmal 10.250 Mark f\u00fcr die Orgel der bekannten Firma Sauer aus Frankfurt a. d. Oder, vom Ehepaar Fritz und Alette K\u00f6nig. Die gro\u00dfe Glocke mit Glockenstuhl im Wert von 4950 Mark war ein Geschenk der Eheleute Gei\u00dfmar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Chorfenster im Wert von je 1000 Mark stifteten die Herren Baron von Asche, Kommerzienrat Wessel und der wohlhabende Kaufmann Rautmann. Neben diesen gr\u00f6\u00dferen Geldzuwendungen gab es auch viele kleine Spenden. Dazu geh\u00f6rten u. a. Altargedecke, Wachskerzen, Beleuchtungsk\u00f6rper und vieles Andere mehr. Die Opferb\u00fcchse war ein Geschenk der Bauhandwerker.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchere Chronisten berichten, dass fast jeder Harzburger B\u00fcrger ob arm oder reich, sein Scherflein zum Kirchenbau beigetragen hat. Auch ein Staatszuschu\u00df in H\u00f6he von 43.000 Mark wurde noch einmal gew\u00e4hrt. Die Stadt Harzburg bewilligte zu den ersten 74.000 Mark nochmals weitere 14.000 Mark f\u00fcr die anfallenden Baukosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die Lutherkirche nun vollendet an ihrem Platz stand, verstummten auch die vielen Kritiker des Kirchenbaues. Es muss auf entscheidenden Sitzungen und Zusammenk\u00fcnften hitzig zugegangen sein. Einigen erschien der Neubau zu teuer, anderen war er zu protzig. Von diesen Geschehnissen gab es sp\u00e4ter eine Posse in f\u00fcnf Akten. Der Autor war kein geringerer als der bekannte Rechtsanwalt, Notar und Schriftsteller Rudolf Huch, der \u00fcber vierzig Jahre in Bad Harzburg lebte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Innenausstattung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Betreten der Kirche durch den Haupteingang, befindet man sich unter der Orgelempore. Die dortigen B\u00e4nke sind wie im Kirchenparterre und der Gemeindeempore seitlich davon aus Kiefernholz. Die Sitzb\u00e4nke sind ge\u00f6lt, gebeizt und lackiert. Der Fu\u00dfboden unter den B\u00e4nken besteht aus Tannenholzdielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die G\u00e4nge im Parterre und der Vorhallen sind mit roten Mettlacher Fliesen belegt, das Material der T\u00fcren im Innenbereich, besteht aus 46 mm starkem Kiefernholz. Die T\u00fcren im Au\u00dfenbereich sind aus 65 mm starkem Eichenholz. Der Beschlag an diesen T\u00fcren, wurde von dem Kunstschlosser H. Bartels aus Braunschweig angefertigt. Die umfangreichen Decken- und Dekorationsmalereien, stammen vom Herzoglich-Braunschweigischen Hofmaler Adolf Quensen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einiges davon wurde 1958 mit Farbe \u00fcbermalt. Damals wurden Teile der Kirche innen und au\u00dfen renoviert. Mitbeteiligt war auch das Amt f\u00fcr Denkmalspflege in Braunschweig. Nach Ansicht der Beh\u00f6rde, sollte der neugotische Stil, was die Pfeiler und Decken betraf, st\u00e4rker betont werden. Verschwunden waren die bunten Farben und man meinte, die Kirche sei sch\u00f6ner, klarer und heller geworden. Erst 1987 wurden Teile der Deckenmalerei bei Restaurationsarbeiten wieder freigelegt. Die Malerarbeiten \u00fcbernahm Firma Linke aus Bettingerode. Der Chef selbst hatte einige Semester Kirchenmalerei studiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es konnte damals aus Geldmangel nicht alles restauriert werden und wurde wieder gestrichen. In Richtung Altar und Kanzel, vor dem zweiten Kreuzgew\u00f6lbe, hing lange Jahre ein gro\u00dfer Kronleuchter. Es war ein beeindruckendes&nbsp; Kunstwerk aus Schmiedeeisen und Kupfer. Der gr\u00f6\u00dfte Durchmesser betrug vier Meter. Ausgestattet war er mit 72 Kerzenhaltern. Hergestellt wurde er in Chemnitz in der Kronleuchter- und Brennwarenfabrik E. F. Barthel.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"743\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Ehem_Kronleuchter_ca_1960_4ca1961058-1024x743.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-196\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Ehem_Kronleuchter_ca_1960_4ca1961058-1024x743.jpg 1024w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Ehem_Kronleuchter_ca_1960_4ca1961058-300x218.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Ehem_Kronleuchter_ca_1960_4ca1961058-768x557.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Ehem_Kronleuchter_ca_1960_4ca1961058-1536x1115.jpg 1536w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_Ehem_Kronleuchter_ca_1960_4ca1961058-2048x1486.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Einst der Blickfang beim Betreten der Lutherkirche: Der gigantische Kronleuchter der Kronleuchter- und Brennwarenfabrik E. F. Barthel.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Leider gibt es dieses markante Werk nicht mehr. Um 1965 verschwand der wertvolle Kronleuchter und die Nachfrage nach Verbleib des Leuchters blieb bisher ohne konkretes Ergebnis. Angeblich soll er von einer Harzburger Firma bei Restaurationsarbeiten in der Kirche mit dem Schneidbrenner zerst\u00f6rt worden sein. Das Warum und die Begr\u00fcndung der Zerst\u00f6rung bleiben somit im Dunkeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Restaurations- und Reparaturarbeiten gab es in dieser Zeit einige. So wurden z. B. 1963\/64 Sturmsch\u00e4den am Turm beseitigt. Im Sommer 1965 gab es dann eine komplette Turm Reparatur. Ebenfalls repariert, wurden Teile des Daches. Verbraucht wurden ca. 10.000 glasierte Ziegel. Anfang der sechziger Jahre wurde auch im inneren der Kirche das Bildnis Glaube \u2013 Liebe \u2013 Hoffnung, von Prof. Kurt Edzard entworfen, an einer der Seitenw\u00e4nde angebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den verbliebenen Kronleuchtern der Fa. Barthel, soll es in Deutschland nur noch vier \u00e4hnliche Exemplare geben wie einst in Bad Harzburg. Ein sogenannter Radleuchter ziert u. a. die Pfalzkapelle zu Aachen.&nbsp; Der gr\u00f6\u00dfte und \u00e4lteste Leuchter mit ca. sechs Metern Durchmesser, h\u00e4ngt im Hildesheimer Dom.<\/p>\n\n\n\n<p>Altar und Kanzel wurden aus Kalkstein gefertigt, der aus K\u00f6nigslutter stammte. Ebenso wie der Spitzbogen im Hauptportal, wurden die Ausstattungsst\u00fccke vom Hofbildhauer Wilhelm Sagebiel aus Braunschweig angefertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Altar wurde im Baustil des Historisierenden Klassizismus erbaut. Im gro\u00dfen Altarfeld wurde u. a. die Kreuzigungsgruppe dargestellt. Hinter dem Altar befanden sich drei gro\u00dfe Fenster. Urspr\u00fcnglich wurden diese von dem Quedlinburger Glasmaler Ferdinand M\u00fcller angefertigt, wie alle anderen Fenster der Lutherkirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Das linke Fenster stellte Christi Geburt mit dem Stern von Bethlehem dar, dem Symbol f\u00fcr Weihnachten. Das mittlere Fenster zeigte das Bild der Auferstehung (Ostern) mit dem agnus dei, dem Lamm Gottes. Im rechten Fenster erblickte man die Ausgie\u00dfung des hl. Geistes (Pfingsten), mit dem Symbol der Taube im runden Feld.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle drei Fenster, gibt es so nicht mehr. Sie wurden bei der Sprengung der Muna im Schimmerwald am Abend des 10. April 1945 zerst\u00f6rt. Erst viele Jahre sp\u00e4ter kamen neue wertvollere Fenster an die gleiche Stelle. Bis dahin gab es einfache Ersatzfenster.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Fenster lieferte die Fa. Bucher aus Braunschweig, das Material war aus geschwammten Glas. Dabei passierte ein Missgeschick. Beim Einbau der Fenster stellte man fest, das mittlere Objekt war zu gro\u00df geraten, irgendjemand hatte sich beim Messen vertan. Aber da das Mittelfenster sich hinter dem Altar befindet, ist dieser Irrtum kaum sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>In den jetzigen Fenstern findet man die Symbole der Taufe und des hl. Abendmahls. Im mittleren Fenster ist das Christusmonogramm sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrt der Weg wieder dem Haupteingang zu, f\u00e4llt der Blick auf die Orgelempore. Darauf steht die Orgel der Fa. Wilhelm Sauer aus Frankfurt a. d. Oder. Das Werk hatte 29 klingende Register, und ein erstes Manual mit elf Stimmen. Das zweite Manual hat zehn Stimmen, und acht B\u00e4sse. Die Orgel wurde 1903 als Opus 891 gebaut. Das Werk wurde damals in h\u00f6chsten T\u00f6nen gelobt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sauer-Orgeln waren echte Meisterwerke. Die Harzburger Orgel konnte mit Instrumenten im Berliner Dom, im Bremer Dom oder in der Thomaskirche zu Leipzig konkurrieren. Abgenommen wurde die Orgel einige Tage vor der Kircheneinweihung am 25. Nov. 1903. Es spielte der Organist der Wolfenb\u00fcttler Hauptkirche und sp\u00e4tere Musikdirektor Ferdinand Saffe. Er bescheinigte der Orgel bez\u00fcglich ihrer musikalischen Wirkung und ihrer technischen Einrichtung das h\u00f6chste Lob. Geh\u00f6rte sie doch damals zu den neuesten und besten Werken, die es im Herzogtum Braunschweig gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen mehrmals restauriert und ver\u00e4ndert wurde die Orgel schon einige Male. Die erste Umbauma\u00dfnahme sollte 1939 von der Orgelbaufirma Gebr. Sander \u00fcbernommen werden. Dieses Vorhaben fand jedoch wegen der Kriegsereignisse nicht statt. Danach gab es Ver\u00e4nderungen in den Jahren 1951 sowie 1963. In diesem Jahr wurde die Orgel auf Wunsch des damaligen Kantors Herbert Spittler elektrifiziert und mit einem neuen Spieltisch versehen. Die n\u00e4chsten Ver\u00e4nderungen an der Orgel gab es danach noch in den Jahren 1971 und 1974.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim letztgenannten Termin wurden die Manuale von 54 auf 56 T\u00f6ne erweitert. Damalige Kritiker warnten davor, die Orgel zu sehr durch Ver\u00e4nderungen in Mitleidenschaft zu ziehen. Mit einer Sauerorgel h\u00e4tte das Werk nichts mehr gemein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte bis 1997, als ein Fachmann f\u00fcr die Restauration speziell von Sauerorgeln, gefunden wurde. Es handelte sich um den Orgelbaumeister Christian Scheffler aus Frankfurt\/Oder.&nbsp; Firma Scheffler ist eine der Nachfolgefirmen der einstigen Firma Sauer. In mehreren Bauabschnitten wurde das Gesamtwerk rekonstruiert, um sie wieder auf den Sauerschen Standard zu bringen. Am ersten Advent 2001 konnte die Einweihung der Orgel stattfinden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"715\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_m_Sauerorgel_2002_b1c7b30aba-1024x715.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-200\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_m_Sauerorgel_2002_b1c7b30aba-1024x715.jpg 1024w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_m_Sauerorgel_2002_b1c7b30aba-300x210.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_m_Sauerorgel_2002_b1c7b30aba-768x536.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_m_Sauerorgel_2002_b1c7b30aba-1536x1073.jpg 1536w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/L_K_m_Sauerorgel_2002_b1c7b30aba.jpg 1983w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Sauer-Orgel in der Lutherkirche, aufgenommen im Jahr 2002<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Kosten des Projektes betrugen 800.000 DM. Finanziert wurde die Summe zu Zweidritteln von der Luthergemeinde.&nbsp; Durch Spenden, Benefizkonzerte und andere zahlreiche Veranstaltungen, innerhalb von sechs Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorbei am Eingang zur Orgelempore f\u00fchrt der Weg weiter in den Turm. Hier befindet sich das Glockengel\u00e4ut und die Kirchenuhr. Die Uhr ist mit einem sogenannten Achttagewerk ausgestattet. Alle vier Zifferbl\u00e4tter werden von einem zentralen Uhrwerk gesteuert. Die Uhr schl\u00e4gt zur vollen und zur viertel Stunde im Gleichklang mit den Glocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zifferbl\u00e4tter, bestehen aus kupfernen und schwarzen Materialien, versehen mit vergoldeten Ziffern und Zeigern. Die Uhr, hergestellt von der Turmuhrenfabrik J.F. Weule in Bockenem, l\u00e4uft nunmehr seit 100 Jahre fehlerfrei. Lediglich ein Zeiger und Teile vom Zifferblatt l\u00f6sten sich vor einigen Jahren&nbsp; und fielen neben die Kirche. Zu Schaden kam gottlob niemand. Inzwischen wurde das Uhrwerk gemeinsam mit dem Gel\u00e4ut von Hand- auf Elektrobetrieb umgestellt. Gewartet wird das Uhrwerk einmal im Jahr von der Fa. Hirtz aus Ulm.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Geschoss \u00fcber der Uhrenstube befanden sich drei Glocken. Aufgeh\u00e4ngt in einem stabilen, schmiedeeisernen Glockenstuhl. Die unterste Glocke mit Ton C war mit 36 Zentnern auch die schwerste. Versehen war sie mit der Inschrift \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c. Ferner die Aufschrift, \u201eDer Lutherkirche von Bad Harzburg gewidmet im Jahre ihrer Vollendung 1903 von Julius Gei\u00dfmar und seiner Ehefrau Helene\u201c. Au\u00dferdem zierte das 40 cm. gro\u00dfe Stadtwappen die Glocke. Hergestellt wurde das Werk in der Herzogl. Hofglockengie\u00dferei Franz Schilling zu Apolda\/Th\u00fcringen.&nbsp; Apolda war ehemals eine Hochburg im Glockenbau. Allein von 1722 bis 1988 wurden dort etwa 20.000 Glocken gegossen und in alle Welt versandt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber dieser gro\u00dfen Glocke hing ein kleineres, noch aus der alten Kirche stammendes Exemplar mit Ton ES. Diese Glocke hatte einen Durchmesser von 1.56 Meter und eine H\u00f6he von 0,90 Meter. Gegossen wurde sie bei der Fa. J.J. Radler u. S\u00f6hne 1883 in Hildesheim. Ebenfalls aus der alten Kirche stammt die oberste, kleinste und \u00e4lteste Glocke aus dem Jahr 1674 mit Ton G. Hergestellt wurde sie bei der Firma Heisemeier in Wolfenb\u00fcttel und hat einen Durchmesser von 0,96 Meter und eine H\u00f6he von 0,79 Meter.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle drei Glocken waren aus Bronze. Leider wurden die zwei unteren Glocken des Gel\u00e4utes in der Zeit des ersten Weltkriegs eingeschmolzen, und das Material wanderte in die Hoch\u00f6fen. Lediglich die \u00e4lteste und kleinste Glocke \u00fcberlebte diese Zeit. Nach den Kriegsjahren um 1920 regten sich dann Bestrebungen den fast leeren Glockenstuhl wieder aufzuf\u00fcllen. Einige Jahre stand nur eine Glocke zur Verf\u00fcgung, deren Gel\u00e4ut nur einen eint\u00f6nigen Klang hervorbrachte.&nbsp; F\u00fcr jemanden, dem Glockenl\u00e4uten wie Musik erscheint, sicherlich ein Graus.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin wurde wieder gespendet und gesammelt, und schon Anfang 1922 sollte der Neuguss von zwei Glocken gewagt werden. Da aber Inflationszeit herrschte, und Bronze knapp und sehr teuer war, kam jemand auf die Idee, die Glocken aus Stahl zu gie\u00dfen. Diese Methode hatte jedoch den Nachteil, die Glocken aus Stahl waren f\u00fcr den Glockenstuhl. zu schwer.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch fachm\u00e4nnischer Rat fand auch hierf\u00fcr eine L\u00f6sung. Es bestand die M\u00f6glichkeit, die Glocken h\u00f6her abzustimmen, dadurch wurde Gewicht eingespart. Die Schwierigkeit lag aber auch darin, beide neue Glocken mit der bereits vorhandenen in Einklang zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rz 1922 wurden dann zwei neue Stahlglocken bei der Fa. Ulrich &amp; Weule, ans\u00e4ssig in Apolda und Bockenem, bestellt. Die Glockenweihe fand am Pfingstsonnabend 1922 statt. Der Glockenstuhl mit dem neuen Gel\u00e4ut, versehen mit den T\u00f6nen C, ES und G, hatte jetzt stattliche vierzig Zentner zu tragen. Sicherlich das H\u00f6chstgewicht, das der hohe und schlanke Kirchturm mit seiner Statik verkraften konnte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/glocken-2010-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-195\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/glocken-2010-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/glocken-2010-300x225.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/glocken-2010-768x576.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/glocken-2010-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/glocken-2010-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Jahr 2010, sechs Jahre nachdem dieser Beitrag entstand, erhielt die Lutherkirche neue Glocken.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Alle drei Glocken waren mit Widmungen bzw. Inschriften versehen. Die obere und \u00e4lteste von 1674, hatte folgenden Text &lt;Nach der gnadenreichen Geburt Christi des Heilandes, Erl\u00f6ser, Seligmacher Menschlichen Geschlechts Da sechzehn hundert ward und siebzig vier geschrieben, Als Priester dieses Orts Theodoricus Wieben, Kirchenv\u00e4ter Heinrich Schmid und Nagelschmied Hans Koch, Und Wolfgang Ritzau trug das Schul- und Kirchenjoch Bin ich hier her geh\u00e4ngt den W\u00e4chter zum Drummeten, Damit dies Christenvolk die Stimme der Kirchenpropheten Zu h\u00f6ren eilt her. Solt auch Gef\u00e4hrlichkeit Entstehen dass jedermann, wenn ich dr\u00f6hn, sei bereit. Heisemeier gos mich in Wolfenb\u00fcttel&gt;. Die mittlere Glocke, von 1883, weist folgenden Text auf &lt;DEO GLORIA DIE EINWOHNER HARZBURGS 1883 DEM VATERLAND GEOPFERT 1917 ERSATZ 1922&gt;. Auf der R\u00fcckseite &lt; Ulrich &amp; Weule Apolda-Bockenem&gt; .<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der unteren und gr\u00f6\u00dften Glocke steht &lt; EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT MICH GOSS ULRICH UND WEULE IN BOCKENEM ALS ERSATZ F\u00dcR DIE 1917 DEM VATERLAND GEOPFERTE GEI\u00dfMAR-GLOCKE BAD HARZBURG 1922&gt;<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Aussagen einiger Zeitzeugen und Kirchenkenner hatte man vor, die mittlere&nbsp; Glocke im zweiten Weltkrieg einzuschmelzen. Sie wurde 1944 demontiert und in ein Stahlwerk abtransportiert. Doch es gab scheinbar zum Ende des Krieges keine M\u00f6glichkeit mehr, solch eine Aktion durchzuf\u00fchren. Nach dem Krieg kam sie deshalb \u00fcber Umwege wieder an ihre alte Stelle zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis in die heutige Zeit versieht das Gel\u00e4ut seinen Dienst. Abgesehen von einigen technischen M\u00e4ngeln der Elektronik, z. B. bei Blitzschl\u00e4gen, gab es nicht viel auszusetzen. Doch auch an den Glocken ging die Zeit nicht spurlos vor\u00fcber. Zusammen mit anderen Einrichtungen, soll das Gel\u00e4ut im Jahr 2004 eingehend gepr\u00fcft werden. Dann wird man sehen, wie lange die drei Glocken noch \u00fcber Harzburg klingen. Sollten neue Glocken erforderlich sein, gibt es sicherlich freiwillige Spender und Spendenaktionen, genau wie vor 100 Jahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Solch ein Bauwerk wie die Lutherkirche ist&nbsp; fast immer auf&nbsp; Spenden angewiesen, um alles Instand zu halten.&nbsp; Dazu tr\u00e4gt auch der Verlauf der Umgehungsstra\u00dfe bei, der direkt seit 1971 an der Kirche vorbeif\u00fchrt und schon 1978 und 1983 gro\u00dfe Renovierungen durch statische Sch\u00e4den im Inneren dringend erforderlich machte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-pale-cyan-blue-background-color has-background\">Vorg\u00e4nger der Lutherkirche<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>E<\/strong>iner der Vorg\u00e4nger der Lutherkirche war die schon einige Male erw\u00e4hnte Dorfkirche von Neustadt &#8211; Schulenrode. Das Alter dieses Gotteshauses l\u00e4sst sich nicht mehr genau festlegen. Lange Zeit wurde das Baujahr 1654 angegeben. Beim Abriss der Kirche 1901 fand man \u00dcberreste alter Bruchsteinmauern, die von einem Brand im Jahr 1550 stammten. Beim Turmabbau wurde des Weiteren ein kreisrunder Stein mit Inschrift gefunden. Der Text lautete &lt; Anno domini 1592 H: B.&gt;<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist sicherlich das Baujahr der Kirche gemeint. Alle anderen Daten bezogen sich gr\u00f6\u00dftenteils auf Ver\u00e4nderungen des Geb\u00e4udes. Davon gab es bis zum Jahr des Abbruchs 1901 sehr viele. Nur einige sollen erw\u00e4hnt werden. Schon im Jahr 1600 wurde der Turm verst\u00e4rkt und ummantelt. Um dass bisherige Lehm- und Fachwerkgebilde wurde eine Mauer aus Bruchsteinen mit Gips- bzw. Kalkm\u00f6rtel errichtet. Solch ein Material war f\u00fcr das raue Nordharzklima besser geeignet. Der Turm war 17 Meter hoch und die Ausma\u00dfe des Turmgrundrisses betrugen 8,50 mal 6,50 Meter. Die Grundma\u00dfe des Kirchengeb\u00e4udes aus dieser Zeit, sind nicht mehr nachzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Der drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg von 1618 bis 1648 verschonte auch Bad Harzburg nicht. Aktivit\u00e4ten von sogenannten Harzsch\u00fctzen wurden mit der Entsendung von kaiserlichen Truppen beantwortet. Deren Kommandant Oswald von Bodendieck hatte den Auftrag, das Amt Harzburg gr\u00fcndlich zu zerst\u00f6ren. Kaum ein Geb\u00e4ude kam ungeschoren davon. Sicherlich blieben auch Sch\u00e4den an der Kirche als geistlichem Mittelpunkt der Gemeinde nicht aus. Ob das Geb\u00e4ude teilweise oder ganz in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist nicht mehr festzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fest steht aber, dass 1654, sechs Jahre nach dem Westf\u00e4lischen Frieden von Osnabr\u00fcck und M\u00fcnster, auf den alten Mauern ein neues Kirchenhaus erbaut wurde. Der Kirchturm stand noch, wie alte Urkunden belegen. Die Ausma\u00dfe des Gotteshauses betrugen 19,50 Meter in der L\u00e4nge und 11,50 Meter Breite. Im Inneren war f\u00fcr \u00fcber 300 Kirchenbesucher Platz. 1674 wurde eine neue Glocke angeschafft, gegossen von der Fa. Heisemeier in Wolfenb\u00fcttel. In den Jahren danach wurden nur die notwendigsten Reparaturen durchgef\u00fchrt. Die Armut war gro\u00df, und auch die Nachwirkungen des drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges sp\u00fcrte man noch lange Jahre.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"669\" src=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Harzburg_um_1850_7d9ca146bd-1024x669.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-206\" srcset=\"https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Harzburg_um_1850_7d9ca146bd-1024x669.jpg 1024w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Harzburg_um_1850_7d9ca146bd-300x196.jpg 300w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Harzburg_um_1850_7d9ca146bd-768x502.jpg 768w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Harzburg_um_1850_7d9ca146bd-1536x1003.jpg 1536w, https:\/\/archiv-harry-plaster.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Harzburg_um_1850_7d9ca146bd-2048x1338.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick auf Bad Harzburg (Neustadt-Schulenrode) um 1850, in der Bildmitte die Dorfkirche, an deren Stelle sp\u00e4ter die Lutherkirche r\u00fcckt.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Jahr 1863 gab es dann wieder umfangreiche Umbauten. Ver\u00e4ndert wurde der gesamte Innenraum. Dies betraf u. a. die Treppen und die Emporen, die erneuert und vergr\u00f6\u00dfert wurden. Die Treppen verlegte man vom Turm\u00e4u\u00dferen in den Innenbereich der Kirche. Umgebaut wurden auch die alten Frauen- und Mannesst\u00fchle in ungeteilte B\u00e4nke, um mehr Sitzpl\u00e4tze zu schaffen. Zus\u00e4tzlich wurde der Turm mit Zementputz \u00fcberzogen und das Dach erneuert. W\u00e4hrend der umfangreichen und langwierigen Bauarbeiten fand der Gottesdienst in B\u00fcndheim statt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Im Jahr 1883 wurde eine neue Turmuhr angeschafft. Hersteller war die Firma Weule in Bockenem. Im selben Jahr entschloss man sich zum Kauf einer zweiten Glocke. Die Herstellung lag bei der Firma Radler &amp; S\u00f6hne in Hildesheim. Versehen war die Glocke mit folgender Inschrift &lt; Zur Ehre Gottes und zum Andenken An den 400j\u00e4hrigen Geburtstag Dr. M. Luthers. Gottes Wort und Luthers Lehr Vergehen nun und nimmermehr. Mich goss J.J. Radler u. S\u00f6hne in Hildesheim 1883&gt;. Zus\u00e4tzlich war auf beiden Seiten ein Portr\u00e4t Dr. M. Luthers angebracht. Versehen mit dem Spruchband \u201eHier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren der alten Kirche wurden dann nur noch einige Fenster ver\u00e4ndert, um mehr Helligkeit zu schaffen. F\u00fcr Licht sorgten noch Kerzen, die in der Kirche aufgestellt wurden. Auch die meisten Besucher brachten zu den Gottesdiensten Kerzen mit, um f\u00fcr mehr W\u00e4rme und Beleuchtung zu sorgen. An den Stra\u00dfen brannten damals noch Gaslaternen. \u201eElektrisches Licht\u201c gab es in Bad Harzburg erst kurz nach 1900.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeit vor dem Abriss der alten Dorfkirche machte man sich Gedanken, was mit dem teilweise sehr alten und wertvollen Inventar geschehen solle. Es gab Bestrebungen zum Bau eines Museums an bzw. in der neuen Kirche. Doch obwohl der Neubau andere Dimensionen hatte als das alte Geb\u00e4ude , wurde der Plan nicht verwirklicht. Daraufhin \u00fcbernahm man einige Teile in das neue Gotteshaus. Dies waren u. a. zwei Epitaphien, zwei kleinere Figuren und eine Grabplatte, die heute au\u00dfen an der Kirche ihren Platz hat. Des Weiteren befindet sich im Turmaufgang der Urkundenstein der alten Kirche von 1654. \u00dcbernommen wurden auch die beiden Bronzeglocken von 1674 und 1883.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Altar kam erst in ein Braunschweiger Museum. Dann war er einige Jahre ausgelagert nach S\u00fcpplingen am Elm. Seit 1951 hat er in der B\u00fcndheimer St. Andreaskirche seinen Platz und wurde 1985\/86 nochmals restauriert. Die alte Turmuhr wurde ebenfalls erhalten und auf dem Dach der B\u00fcrgerschule an der B\u00e4ckerstr. installiert. Auch die alte Orgel, urspr\u00fcnglich aus dem Kloster Dorstadt stammend und nicht mehr das neueste Modell, versah noch einige Zeit ihren Dienst in einer kleinen Dorfkirche im heutigen Kreis Wolfenb\u00fcttel. Viele alte Sachen, wie Messingleuchter, wertvoll geschnitzte Figuren und andere geistliche Gegenst\u00e4nde, kamen in den M\u00fcll.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch \u00e4lter und heute wenig bekannt, war eine Kapelle bzw. Kirche am Fu\u00dfe des Burgbergs unter der damaligen Harzburg.&nbsp; Das Geb\u00e4ude befand sich fast am Ende des Krodotales im sp\u00e4teren Ortsteil Schulenrode. Der Begriff Schulen stammt aus der mittelniederdeutschen Sprache und kommt vom Wort Schaulen. Die Deutung lag bei versteckt oder verborgen liegend. In alten Schriften wird auch eine dichte Dornenhecke erw\u00e4hnt, die es am Eingang des Tales gab, um den Zugang dorthin zu erschweren. In alten Schriften wurde das Krodotal auch als Tal der Zuflucht bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Baujahr des Gotteshauses wurde ungef\u00e4hr 1073 angegeben. Erbauer der einschiffigen Kirche d\u00fcrfte der Baumeister Heinrichs IV., Benno von Osnabr\u00fcck, gewesen sein. Die Grundma\u00dfe des im romanischen Stil erbauten Geb\u00e4udes betrugen \u00fcber 20 Meter \u00e4u\u00dfere L\u00e4nge. Die \u00e4u\u00dfere Breite war mit 11,90 Meter angegeben. Das Kirchenschiff hatte eine L\u00e4nge von 18,20 Meter und eine Breite von ca. 10 Metern. Als Baumaterial wurde vorwiegend Kalksandstein, aus Harzer Bruchsteinen gewonnen, verwendet. F\u00fcr die Fundamente nahm man sogenannten Grauwacken-Hornfels.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein hartes Gestein, das sicherlich auch in der n\u00e4heren Umgebung abgebaut wurde. Die Kirche hatte einen westlichen Vorbau und eine Apsis nach S\u00fcden hin. Bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass die Grundmauern des westlichen Anbaues auf eine besondere feste Bauweise hinwiesen. Daraus ergab sich der Schluss, dass dort nicht nur eine einfache Eingangshalle war, sondern ein Turmvorbau auf dem sich evtl. der Glockenturm befand.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kirche bzw. Kapelle stand dort bis ins hohe 13. Jahrhundert. Bei sp\u00e4teren Ausgrabungen und bei der zunehmenden Bebauung des Krodotales, fand man viele Gegenst\u00e4nde und andere Mauerreste. Daraus konnte geschlossen werden, dass sich au\u00dfer der Kirche noch einige andere Geb\u00e4ude dort befanden. Es handelte sich dabei sicherlich um Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Geistliche und deren Bedienstete. Des weiteren wurde berichtet, dass um 1750 noch Grundmauern der Kirche sichtbar gewesen seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgrabungen im Krodotal gab es in fr\u00fcheren Jahren auch des \u00f6fteren. Eine bedeutende Grabung nach Kirchenresten begann im August 1899. Ein Beteiligter war u. a. der Forstrat Nehring. Auf Grund seiner Erkenntnisse aus diesen Grabungen und seinem Geschichtsinteresse, wurde er 1902 Mitbegr\u00fcnder des Harzburger Altertums- und Geschichtsvereins, vollzogen im ehem. Hotel Stadt London. Die n\u00e4chste Aktion an dern alten Kapelle folgte 1905\/06. Weitere Nachforschungen fanden auch in den drei\u00dfiger Jahren statt. Die letzte gr\u00f6\u00dfere Ausgrabung gab es in den Jahren 1948 und 1949. Bei diesen letzten Aktionen wurden auch viele Erkenntnisse gesammelt, die in der heutigen Zeit von Geschichtsinteressierten und Heimatkundlern noch verwertet werden. Ansonsten erinnert nur noch der Kapellenweg, im Volksmund fr\u00fcher auch Kirchweg genannt, an das ehemalige Gotteshaus im Krodotal.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Der Beitrag entstand um das Jahr <strong>2004<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Mehr Fotos rund um die Lutherkirche auf <strong><a href=\"https:\/\/harz-history.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Harz-History<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Mit einer Artikelserie ging auch der <strong><a href=\"https:\/\/blog.harz-history.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Uhlenklippenspiegel <\/a><\/strong>des Harzburger Geschichtsverein auf die Lutherkirche ein:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/blog.harz-history.de\/?page_id=534#060\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>100 Jahre Lutherkirche (Hans Herrmann Wedekind)<\/strong><\/a> 060\/2001<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/blog.harz-history.de\/?page_id=614#061\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>100 Jahre Lutherkirche, Teil 2 (Hans Herrmann Wedekind)<\/strong><\/a> 061\/2002<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/blog.harz-history.de\/?page_id=614#062\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>100 Jahre Lutherkirche, Teil 3 (Hans Herrmann Wedekind)<\/strong><\/a> 062\/2002<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/blog.harz-history.de\/?page_id=614#063\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>100 Jahre Lutherkirche, Teil 4 (Hans Herrmann Wedekind)<\/strong><\/a> 063\/2002<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/blog.harz-history.de\/?page_id=614#064\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>100 Jahre Lutherkirche, Teil 5 (Hans Herrmann Wedekind)<\/strong><\/a> 064\/2002<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/blog.harz-history.de\/?page_id=626#065\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>100 Jahre Lutherkirche, Teil 6 (Hans Herrmann Wedekind)<\/strong><\/a> 965\/2003<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lutherkirche Der Anfang In Neustadt-Schulenrode, wie Bad Harzburg damals noch hie\u00df, gab es schon 1891 ernsthafte Bestrebungen, eine gr\u00f6\u00dfere Kirche zu bauen. 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